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Das sagt die evangelische Kirche Dinklage zum Amling-Abschied

Die Gemeindemitglieder Magdalene Schaller, Silvia Lamping und Wladimir Shukowski erzählen, wie sie die Arbeit des Pfarrers bewerten – und wie sie die Zukunft der Gemeinde sehen.

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Hier fühlt er sich wohl: Fridtjof Amling in der Trinitatiskirche in Dinklage. Foto: Böckmann

Hier fühlt er sich wohl: Fridtjof Amling in der Trinitatiskirche in Dinklage. Foto: Böckmann

Nein, langweilig dürfte Fridtjof Amling in den kommenden Wochen und Monaten sicherlich nicht werden. Vor ein paar Tagen hat der beliebte Pastor der evangelischen Kirchengemeinden Dinklage und Wulfenau nach 13 Jahren seinen Abschied aus der Burgwaldstadt angekündigt. Der 58-Jährige wird zum 1. September 2022 Pfarrer der evangelischen Emmausgemeinde Moskaus – und kehrt damit auf jene Stelle zurück, die er bis 2009 besetzt hatte. Seinen Abschied aus Dinklage vorbereiten, gleichzeitig den Umzug nach Russland managen – "das wird sehr stressig werden", glaubt Amling. 

So überraschend der Abschied aus Dinklage für Außenstehende kam, völlig perplex waren die Kirchenältesten der beiden Kirchengemeinden Dinklage und Wulfenau dann doch nicht, als Amling ihnen am 4. Januar in einer Sitzung seinen Wechsel verkündete. Der Berg an Aufgaben für den Pastor sei zunehmend größer geworden. Gleichzeitig habe es ihn wohl immer gereizt, noch einmal eine neue Stelle zu übernehmen – vor allem erneut in Moskau.

Was zeichnete den Pfarrer und Privatmenschen Amling aus? OM Online hat sich mit drei Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Dinklage, die eng mit Pfarrer Amling zusammenarbeiteten, unterhalten. Sie schauen etwas wehmütig zurück, sie loben dessen Engagement in höchsten Tönen und blicken dennoch zuversichtlich in die Zukunft. 

Silvia Lamping mag die tiefgründigen Predigten

Silvia Lamping: Wenn die Leiterin des Seniorenkreises in Dinklage über ihre Zeit mit Pfarrer Amling spricht, dann gerät sie ins Schwärmen.  "Er ist ein weltoffener, optimistischer und fröhlicher Menschenfreund." Jede und jeder bekomme von ihm vorurteilsfrei eine Chance, oder auch mehrere, betont Silvia Lamping. Amling sei "zuverlässig, innovativ, anpackend. Er hat immer ein offenes Ohr für alle Sorgen und Nöte der Menschen – auch wenn es nur kleine Befindlichkeiten sind". Die vertrauensvolle Menschenführung sei dabei eine seiner "ganz großer Stärken".

Silvia Lamping besucht die Gottesdienste von Fridtjof Amling gerne. Denn "seine Predigten waren stets interessant, tiefgründig und hatten aktuellen Bezug". Bei Beerdigungen habe der Pastor würdevolle und einfühlsame Worte gefunden, sagt die Kirchenälteste. Amling könne "in wenigen Sätzen noch einmal die Besonderheit jedes Menschen herausarbeiten". Silvia Lamping ist dem Pfarrer noch heute für die Gestaltung der Trauerfeier für ihre Mutter sehr dankbar. Über diesen dann entstandenen engeren Kontakt mit Fridtjof Amling kam die gebürtige Sächsin zum Seniorenkreis. 

Apropos Arbeit: Konfirmandenarbeit und Chorarbeit, Seniorenausflüge und Jugendreisen, das Erstellen des Gemeindebriefes und die Betreuung der Bauprojekte – Amling sei überall mit vollem Einsatz und Elan dabei gewesen, schwärmt Lamping über den Power-Pfarrer, der "immer ein Späßchen auf den Lippen hat".

Sie glaubt: Eine Nachfolge werde es schwer haben, "das alles so weiterzuführen oder gar zu toppen". Einerseits. Andererseits ist sie auch überzeugt, dass der oder die Neue "bestimmt neue Impulse einbringen wird", auch um möglicherweise festgefahren Strukturen aufzubrechen.

Magdalene Schaller lobt den Einsatz in der Flüchtlingsarbeit

Magdalene Schaller: Für die Kirchenälteste ist Pfarrer Amling "die Lokomotive in unserer Gemeinde". Er habe stets einen hohen Anspruch an seine Arbeit, er sei in alle Richtungen bemüht. Besonders lobt Magdalene Schaller Amlings Einsatz in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit. "Wenn jemand an seine Tür geklopft hat, hat er bei Amlings immer ein Nachtlager gefunden." 

Gerne erinnert sich die Mit-Organisatorin des Näh-Cafés an die vielen Feiern, nicht nur im familiären Bereich, sondern auch im Gemeindeleben. Die Internationalen Grillabende oder -nachmittage mit 100 bis 200 Teilnehmern unterschiedlichster Herkunft und Religion seien etwas ganz Besonderes. Pfarrer Amling habe dabei stets alles mitorganisiert und im Blick gehabt.

Dass Amling Dinklage bald verlässt, mache vor allem die Senioren in der Pfarrgemeinde sehr traurig, weiß Schaller. Sorgen, dass nun eine Lücke in der Gemeinde entsteht, hat sie indes nicht. Ein neuer Pfarrer setze eben andere Schwerpunkte. Und Schaller betont: "Wir als Gemeinde geben ihm den Freiraum, sich zu entfalten."

Wladimir Shukowski schätzt den anpackenden Pfarrer

Wladimir Shukowski: Der stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates war der Erste aus der Kirchengemeinde, der vom Amling-Abschied erfahren hat. Aus einem einfachen Grund: Seinen 60. Geburtstag feierte Wladimir Shukowski mit seiner Frau im Dezember in Moskau und mit dabei waren Fridtjof Amling und dessen Frau Galina. Amling nutzte den Moskau-Besuch für sein Vorstellungsgespräch bei seiner künftigen Emmausgemeinde.

Was seinen Freund Fridtjof Amling, den er immer um Rat fragen kann, besonders auszeichnet? Dessen unglaubliches Engagement. "Wenn er sich eine Sache vornimmt, dann zieht er das auch durch. Er hat unglaublich viel angepackt." Zum Beispiel bei den Bauprojekten: Erst die Arbeiten an der neuen Friedhofskapelle, dann die Erweiterung der Trinitatiskirche und jetzt die Sanierung der vom Holzwurm befallenen Orgel – der Pfarrer investiere viel Zeit und Kraft.

Dies sei vor allem möglich, weil ihm seine ebenfalls "sehr engagierte" Frau Galina stets den Rücken freihalte. Apropos freihalten: Eine gewisse Zeit müssten Besucher sich dann auch freischaufeln, wenn sie bei den sehr gastfreundlichen Amlings zu Besuch seien, scherzt Shukowki. "Wenn man einmal da ist, kommt man nicht mehr weg." Der Tisch sei immer reich gedeckt.

Vor der Zukunft der evangelischen Kirche Dinklage ist dem Tierarzt ebenfalls nicht bange. Ein Nachfolger finde eine "sehr stabile, intakte Gemeinde" vor. Strukturen, Abläufe, Personen: Dinklage biete für einen Geistlichen "gute Chancen", sich einzuleben.

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