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Das Meisterstück des Krisenteams

Der Lohner Kunststoffhersteller Pöppelmann organisiert ein Impfzentrum. 15 Firmen haben sich bisher angeschlossen.

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Warten auf den Impfstoff: Am Mittwoch beginnt das Pöppelmann-Impfzentrum mit der Arbeit. Darauf hat das Corona-Krisenteam mit Dr. Phillip Hasemann, Nadja Kampf und Jürgen Nordlohne (von links; es fehlt Lea Olberding) hingearbeitet. Foto: Freiwald

Warten auf den Impfstoff: Am Mittwoch beginnt das Pöppelmann-Impfzentrum mit der Arbeit. Darauf hat das Corona-Krisenteam mit Dr. Phillip Hasemann, Nadja Kampf und Jürgen Nordlohne (von links; es fehlt Lea Olberding) hingearbeitet. Foto: Freiwald

2 Tage muss Jürgen Nordlohne noch warten. Dann herrscht zwischen den 5 Kabinen und auf dem Pöppelmann-blauen Fußboden reger Verkehr. So hofft der Kaufmann. Darauf hingearbeitet hat er mit seinem Corona-Krisenteam seit mehr als einem Jahr.

Das Pöppelmann-Impfzentrum ist so etwas wie das Meisterstück dieses Teams. Die Impfstraße ist in der gleichen Halle untergebracht wie das Impfzentrum des Landkreises, im Gewerbegebiet Motorpark neben der Autobahn. Aber dennoch ist es davon getrennt und soll es auch bleiben. Dass die Betriebsärzte die bereits vorhandenen Räume nutzen, sei nicht möglich gewesen, sagt Nordlohne.

Warum? Er zuckt mit den Schultern. Während im kommunalen Impfzentrum wohl erst in 2 Wochen wieder richtig Betrieb herrschen wird, rechnet Nordlohne von Mittwoch an täglich mit 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in der firmeneigenen Impfstraße das Biontech-Vakzin spritzen lassen. Pöppelmann ist Initiator des Betriebs-Impfzentrums. Doch es machen mehr Unternehmen mit. Insgesamt sind es 15 – so der Stand von Montag.

Wie im Impfzentrum nebenan, nur in Pöppelmann-Blau

Vielleicht werden es noch mehr. Vielleicht kommen auch Hausärzte, wenn sie eine Sonderimpfaktion durchführen wollen. "Wir sind offen", sagt Nordlohne. Der Kunststoffhersteller hat das Impfzentrum aufgebaut, die Betriebsärzte allerdings besorgen den Impfstoff. Der wird vorerst von Biontech kommen, möglicherweise könnten auch ein paar Dosen des Einmalimpfstoffes von Johnson & Johnson dabei sein. Die ersten 3 Tage sind ausgebucht. Immer 2 Betriebsärzte können parallel impfen. Ins Gehege kommen sie sich nicht. Alles sieht so aus wie in den Impfstraßen des kommunalen Testzentrums nebenan, nur dass alles in Pöppelmann-Blau gehalten ist.

Im Wartebereich regen Zitate berühmter Menschen zum Nachdenken an. "Erfolg hat drei Buchstaben: TUN." Dieser Satz wird dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben. Als die Pandemie vergangenes Frühjahr begann, bildete Pöppelmann einen Krisenstab, der mehrmals pro Woche tagte. Neben der Geschäftsführung und dem Betriebsrat gehört das Corona-Krisenteam dazu. Es besteht aus Jürgen Nordlohne, Nadja Kampf und Lea Olberding. Dr. Philip Hasemann, der Leiter des Qualitätsmanagements, ergänzt das Team. Er ist Pharmazeut und kennt sich daher gut mit Medikamenten aus.

Mindestens ein Teammitglied ist immer erreichbar

Das Team hat Hygieneregeln erarbeitet und sie immer wieder angepasst – je nachdem, was gerade für Vorschriften vom Land Niedersachsen kamen und je nachdem wie hoch die Inzidenzwerte waren. Schon im April 2020 wurde bei Verdachtsfällen Abstriche genommen und zum Testen in ein Labor geschickt. Später galt es, ein eigenes Testzentrum aufzubauen und Freiwillige bei der Abstrich-Entnahme zu schulen. Das Team hat Kollegen und deren Angehörige in der Quarantäne beraten, viel geredet und noch mehr zugehört.

Mindestens ein Teammitglied ist immer erreichbar, auch nachts und an den Wochenenden, erzählt Jürgen Nordlohne. 110 Corona-Fälle gab es bis dato unter den mehr als 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Angehörigen. Nur 10 davon hätten sich nachweislich im Betrieb angesteckt, betont Nordlohne. Bei 3 Kollegen sei die Krankheit schwer verlaufen, ein Mitarbeiter musste sogar auf die Intensivstation. Besonders nahe ging dem Team der Fall eines türkischen Kollegen, dessen Vater in der Türkei an Corona gestorben war. "Um zur Beerdigung reisen zu können, musste er einen Corona-Test machen", erinnert sich Nadja Kampf. Der Test war positiv, der Mann konnte nicht Abschied von seinem Vater nehmen.

Möglichst viele andere Unternehmen sollen profitieren

Solche Szenarien sollen auch dank der firmeneigenen Impfkampagne bald der Vergangenheit angehören. Möglichst viele andere Unternehmen sollen profitieren, dachte sich Jürgen Nordlohne vor einer Woche und telefonierte ein paar von ihnen ab. Der Stallausrüster Big Dutchman (900 MitarbeiterInnen am Standort Calveslage) und Berry Bramlage mit 1000 MitarbeiterInnen in Lohne sagten sofort zu. Inzwischen sind es 15 Firmen.

Zitate im Wartebereich: Nicht nur Goethe regt dort zum Nachdenken an. Foto: Freiwald Zitate im Wartebereich: Nicht nur Goethe regt dort zum Nachdenken an. Foto: Freiwald 

Wer glaube, ein Betriebsarzt könne einfach so mit seinem Köfferchen und ein paar Spritzen durch den Betrieb gehen, der irrt. Das Vakzin ist hochempfindlich und muss ständig richtig temperiert sein, erklärt Pharmazeut Hasemann. Und dann komme noch der gesamte Papierkram mit dem Aufklärungsbogen, dem Stempel im Impfpass und der Übermittlung der Daten an das Robert-Koch-Institut.  Unterstützt werden die Betriebsärzte von 2 Krankenschwestern. Sie sind Angehörige von Mitarbeitern.

In 2 Monaten soll die Pöppelmann-Impfkampagne beendet sein. Die Zeit sei nötig, damit jeder Patient und jede Patientin den Mindestabstand zur Zweitimpfung mit Biontech einhalten könne. Dann möchten sich Jürgen Nordlohne, Nadja Kampf, Lea Olberding und Phillip Hasemann wieder ausschließlich ihren eigentlichen Aufgaben im Unternehmen widmen. Aber an Goethe und die 3  Buchstaben des Erfolgs werden sie vielleicht noch häufiger denken.

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