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Das Haus im Moor versinkt in Geldsorgen

Wegen der Corona-Pandemie verzeichnet der Förderverein Goldenstedter Moor einen massiven Einnahmenrückgang. In diesem Jahr konnte noch gar kein zahlender Besucher begrüßt werden.

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Steht bislang still: Willibald Meyer und Gesa Wendt hoffen, dass die Moorbahn bald wieder fahren darf. Foto: C. Meyer

Steht bislang still: Willibald Meyer und Gesa Wendt hoffen, dass die Moorbahn bald wieder fahren darf. Foto: C. Meyer

Es ist schon paradox. Während der Corona-Pandemie zieht es unzählige Menschen ins Goldenstedter Moor. Spazierengehen rund um das Haus im Moor? Kinder spielen auf dem Spielplatz? Den Bohlenweg entlang schlendern? Wunderbar – eine willkommene Abwechslung zum tristen Lockdown-Alltag. Der Förderverein Goldenstedter Moor freut sich über das Interesse. „Es kommen viele Leute, doch sie haben gar keine Möglichkeit, hier Geld zu lassen“, bedauert Willibald Meyer, der Vorsitzende des Vereins, den Umstand, dass rund um das Haus im Moor wegen der Pandemie keine Angebote mehr für die Besucher gemacht werden dürfen.

Normalerweise wäre die Saison für die Moorbahn schon längst gestartet. Die beginnt in der Regel zum 1. März. Doch bislang steht die Bahn still. Vorträge oder Ausstellungen im Haus im Moor? Dürfen nicht stattfinden. Das Gebäude bleibt für Gäste geschlossen. Eine gemütliche Kaffeetafel zwischendurch ist damit auch nicht möglich.

Deutlich weniger Schulklassen zu Besuch

Viele der üblichen Besucher sind Schülerinnen und Schüler, sagt Gesa Wendt, geschäftsführende Mitarbeiterin im Naturschutz- und Informationszentrum (NIZ). Zum Vergleich: 2019 seien rund 3.000 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zur Oberstufe in Arkeburg gewesen. 2020 waren es lediglich 325. „Im Herbst waren noch ein paar Schulklassen da“, berichtet Wendt. Für dieses Jahr liegen zwar einige Anmeldungen vor. „Doch die kann ich an einer Hand abzählen“, sagt sie. Bis zu den Sommerferien sei für sie absehbar, dass keine Schulklassen mehr kommen.

Beliebtes Ausflugsziel: Zahlreiche Menschen suchen das Goldenstedter Moor für ausgiebige Spaziergänge auf. Foto: C. MeyerBeliebtes Ausflugsziel: Zahlreiche Menschen suchen das Goldenstedter Moor für ausgiebige Spaziergänge auf. Foto: C. Meyer

Eine weitere Konstante seien die Erwachsenengruppen – von Kegel- über Wander- zu Gesangsvereinen, wie Willibald Meyer sagt. 2019 habe es zwischen 5.000 und 8.000 Besucher gegeben, sagt Gesa Wendt. Zu Vor-Pandemie-Zeiten sei nicht jeder einzelne Gast erfasst worden. 2020 war es im Vergleich zum Vorjahr etwa die Hälfte an Besuchern, sagt sie. Und 2021? „Noch gar keine“, sagt Meyer.

Im vergangenen Jahr mussten zudem mehrere Veranstaltungen abgesagt werden, die sonst ebenfalls einige Menschen ins Moor gelockt hätten. Der Garten- und Pflanzenmarkt im Frühjahr fand nicht statt. Für dieses Jahr habe man diesen auf den Mai verschoben, doch bislang sei nicht absehbar, ob der Termin überhaupt zu halten sei. Der beliebte Moormarathon im Sommer konnte 2020 auch nicht stattfinden. Für dieses Jahr steht die Absage ebenfalls schon fest, wie Willibald Meyer mit Bedauern verkünden muss. Schließlich sei das ein beliebtes Event für Läufer aus ganz Norddeutschland. Aber: „Die Läufer brauchen schließlich auch Planungssicherheit“, sagt Gesa Wendt. Und in Arkeburg rechne man damit, dass die Corona-Einschränkungen vorerst aufrechterhalten werden.

2020 rund 25.000 Euro "Miese gemacht"

All das macht sich natürlich auch bei den Finanzen bemerkbar. Die Einnahmen brechen weg, die Unterhaltungs- und Personalkosten bleiben, wie Willibald Meyer sagt. 2020 habe man bereits 25.000 Euro „Miese gemacht“. Für 2021 befürchtet er sogar das Doppelte. „Normalerweise bauen wir durch das Publikum im Sommer ein Polster auf, um über den Winter zu kommen“, sagt Gesa Wendt über die Einnahmen. Von Dezember bis Februar ist beim Haus im Moor Winterpause. Auch jetzt hätte man in den Osterferien durchaus etwas Geld einnehmen können. „Wir wollten zu Ostern zum Beispiel eine Eiersuche für Familie anbieten“, lässt Wendt an ursprünglichen Plänen teilhaben. Doch das sei nicht erlaubt.

Der Förderverein erhalte zwar einen jährlichen Zuschuss von der Gemeinde Goldenstedt für die Unterhaltung der Anlage und für die Programmgestaltung. Doch jetzt hoffe man auf zusätzliche Unterstützung, sagt Meyer. Bislang habe es seitens der Gemeinde einen Corona-Bonus von 2.500 Euro gegeben. Auch eine Corona-Hilfe vom Bund in Höhe von 10.000 Euro sei geflossen, berichtet Meyer. Das reiche aber nicht.

Den ersten Schein hat Willibald Meyer bereits eingeworfen. Besucher können beim Moorbahn-Bahnhof eine Spende für das Haus im Moor tätigen. Foto: C. MeyerDen ersten Schein hat Willibald Meyer bereits eingeworfen. Besucher können beim Moorbahn-Bahnhof eine Spende für das Haus im Moor tätigen. Foto: C. Meyer

„Wir möchten auch nicht nur jammern, sondern das Haus im Moor retten“, so Meyer über seine Motivation, auf die finanziellen Probleme hinzuweisen. Deshalb wurde jetzt für die Einzelbesucher und Spaziergänger eine Möglichkeit geschaffen, den Förderverein mit einer Spende zu unterstützen. Am Bahnhof kann die Spende in einen Briefkasten geworfen werden. Ein Hinweisschild macht darauf aufmerksam.

NIZ ist "in den Startlöchern"

„Wir haben schon viele Höhen und Tiefen erlebt, aber sind immer mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Meyer durchaus besorgt mit Blick auf das 30-jährige Bestehen im kommenden Jahr. Man mache sich schon Gedanken und hoffe, dass man das Jubiläum begehen könne. „Wir müssen abwarten, was wir dürfen“, sagt Gesa Wendt hinsichtlich der Corona-Pandemie.

Für dieses Jahr stehe das NIZ bereits „in den Startlöchern“, sagt Wendt. Für eine Bewirtung in der Außengastronomie sei man bereit. Auch Trauungen dürfen weiterhin stattfinden. Meyer hofft, dass die Moorbahn bald wieder fahren darf und der Gartenmarkt im Mai nicht abgesagt werden muss.

Völlig corona-unabhängig kann ein anderes Projekt bald starten. Etwa 6 bis 10 Schafe werden bald angesiedelt, verrät Wendt. Sie sollen an unterschiedlichen Stellen – natürlich (wolfs)sicher eingezäunt – unter anderem bei der Entfernung von jungen Birken, der Entkusselung, helfen. Ein Schäfer aus der Region, der alte Rassen züchte, so Wendt, stelle die Tiere zur Verfügung.

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