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Das große Abschiedsgespräch: Zwei Kitaleiterinnen gehen in den Ruhestand

Monika Fasthoff hat in Kürze ihren letzten Tag im Kindergarten St. Nikolaus Steinfeld. Für Beate Decker ist bald Schluss im Kindergarten St. Dominikus Holdorf. Nachfolgerinnen sind bereits gefunden.

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Die Gesichter der Kindergärten St. Dominikus in Holdorf und St. Nikolaus in Steinfeld: Die Kitaleiterinnen Beate Decker (links) und Monika Fasthoff blicken auf ihre berufliche Laufbahn zurück, sprechen über den Wandel der vergangenen Jahre und berichten, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Foto: Timphaus

Die Gesichter der Kindergärten St. Dominikus in Holdorf und St. Nikolaus in Steinfeld: Die Kitaleiterinnen Beate Decker (links) und Monika Fasthoff blicken auf ihre berufliche Laufbahn zurück, sprechen über den Wandel der vergangenen Jahre und berichten, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Foto: Timphaus

Bald haben die beiden Freundinnen mehr Zeit für ihren monatlichen Kaffeeklatsch: Die langjährigen Leiterinnen Monika Fasthoff vom Kindergarten St. Nikolaus in Steinfeld und Beate Decker vom Kindergarten St. Dominikus in Holdorf gehen fast zeitgleich in den Ruhestand. Für Fasthoff, die in Kürze ihren 64. Geburtstag feiert, ist Ende Juni offiziell Schluss. Decker hätte ihren letzten Arbeitstag offiziell am 30. September. Die 63-Jährige verabschiedet sich aber schon zum Ende dieses Kindergartenjahres.

Die beiden Frauen kennen und schätzen sich seit einigen Jahrzehnten. Von 1975 bis 1979 absolvierten sie gemeinsam ihre Erzieherinnenausbildung am Marienhain in Vechta. Anschließend trennten sich beruflich die Wege – doch Fasthoff und Decker blieben in engem Kontakt. Regelmäßig tauschen sie sich aus. Sie geben sich gegenseitig Tipps und profitieren nach eigenen Angaben vom großen Erfahrungsschatz der jeweiligen Weggefährtin.

Nach Stationen in den Kindergärten St. Raphael in Visbek und St. Stefan in Lohne, wo sie erstmals kurz die kommissarische Kitaleitung übernahm, kam Fasthoff im Jahr 1991 in die Pfarrei St. Johannes Baptist. Rasch nach ihrer Ankunft im Kindergarten St. Marien beschloss die Politik, einen weiteren Kindergarten in Steinfeld zu bauen. Bei der Suche nach einer geeigneten Führung fiel die Wahl schnell auf die zweifache Mutter. "Eigentlich wollte ich damals gar nicht unbedingt einen Kindergarten leiten", gesteht sie. Fasthoff vertrat viele Jahre die Kindergärten im Familien-, Kultur- und Sportausschuss der Gemeinde.

Beide Einrichtungen haben sich stark gewandelt

Decker fing nach ihrer Ausbildung im damaligen Kindergarten Holdorf an. Als am 31. Juli 1993 der neue Kindergarten St. Dominikus eingeweiht wurde, übernahm die Langenbergerin die Leitung.

Die beiden Einrichtungen haben sich räumlich und personell in den vergangenen Jahren stark verändert. Decker spricht von einer "rasenden Entwicklung". Fasthoff berichtet, dass sie im Kindergarten St. Nikolaus am Tiefen Weg damals mit 3 Gruppen und 9 Mitarbeiterinnen startete. Heute sind es 4 Regel- und 2 Krippengruppen, die Mitarbeiterzahl hat sich auf 22 erhöht.

Erzieherinnen tragen heute mehr Verantwortung

Ein ähnliches Wachstum hat der Kindergarten St. Dominikus an der Badberger Straße genommen. Nach Angaben von Decker bestand das Team anfangs aus 7 Kräften. Heute sind es 27 Mitarbeiterinnen, die in 3 Regel- sowie 2 Krippengruppen tätig sind. "Diese hohe Zahl hängt mit den langen Betreuungszeiten zusammen, die wir anbieten", erklärt die 4-fache Mutter.

Und was hat sich im Alltag der Kindertagesstätten generell getan? Fasthoff führt unter anderem die längere Verweildauer der Kinder in der Einrichtung an. "Die Verantwortung der Erzieherinnen ist gewachsen", stellt sie fest. Für viele Dinge, die in früheren Zeiten innerhalb der Familie vermittelt wurden, sei heute die Kita zuständig. "Wir sind viel stärker Familienbegleiter als früher."

Auch inhaltlich habe sich viel gewandelt, sagt die Steinfelderin. So fokussiere man sich heute nicht mehr auf die Defizite der Heranwachsenden. "Früher haben wir zuerst darauf geschaut, was das Kind alles nicht kann." Die heutige Bildungs- und Erziehungsarbeit orientiere sich an den Stärken und Interessen und sei ganzheitlicher ausgerichtet, sagt Fasthoff. 

Die beiden Frauen haben ihre Einrichtungen geprägt

Decker pflichtet ihr bei. Sie hebt unter anderem den gesteigerten Dokumentationsaufwand hervor. Bei Elterngesprächen seien die Erzieherinnen mehr gefordert als vor einigen Jahren noch. "Probleme und Schwierigkeiten landen jetzt oft zuerst bei uns." Dies hängt ihrer Ansicht nach auch damit zusammen, dass man aufgrund des Krippenangebots viel länger mit den Kindern und Eltern in Kontakt stehe.

Fast 3 Jahrzehnte lang waren die beiden Frauen das Gesicht ihres jeweiligen Kindergartens. Sie haben die Einrichtungen entscheidend geprägt. "Wir sind da so reingewachsen", stellt Fasthoff bezüglich dieser verantwortungsvollen Aufgabe fest. Decker fügt lachend hinzu: "Wir hatten auch Glück."

Forderung: Anzahl der Kinder pro Gruppe muss reduziert werden

Wer heute die Leitung einer Kindertagesstätte übernehme, müsse über eine gewisse Stärke verfügen, sagt die Langenbergerin. Ihr sei es immer wichtig gewesen, einen engen Kontakt zu ihrem Team zu pflegen. "Ich gehe jeden Tag durchs Haus – einmal allen Hallo sagen." Auch Fasthoff hebt die Wertschätzung für ihre Kolleginnen hervor. 

Zur Frage, welche Veränderungen in den Kindertagesstätten sie sich wünschen würden, bekräftigen beide Frauen: Die Anzahl der Kinder pro Gruppe muss dringend reduziert werden. Decker sagt: "Das ist gerade in Corona-Zeiten erkennbar geworden." Eine Reduzierung auf 20 Kinder pro Gruppe wäre aus ihrer Sicht sinnvoll. Fasthoff ergänzt, dass durch eine dritte Kraft eine bessere Betreuung gewährleistet werden könne. Nach ihren Worten wäre es überdies an der Zeit, die Erzieherinnenausbildung grundlegend zu reformieren.

Und was werden sie im Ruhestand vermissen? Fasthoff wie auch Decker nennen zuallererst die Kinder, Kolleginnen und Eltern. Die Steinfelderin sagt: "Der Kindergarten war immer mein 3. Kind." Vom Kopf her sei die Situation für sie klar, aber ihr schwane ein emotionales Chaos zum Abschied. Decker ergänzt, dass ihr der tägliche Trubel und das "richtig gute Miteinander" fehlen werde.

Und jetzt: Füße hoch? Wohl eher nicht!

Sie freut sich aber auch darauf, einfach mal nichts zu tun. Zeit für Besinnung, Zeit für Familie stehen bei ihr weit oben auf der Liste. Fasthoff sieht das ähnlich. "Endlich einmal keine Termine zu haben, das wird herrlich." Ab und an habe sie sich in ihrem beruflichen Leben schon etwas fremdbestimmt gefühlt.

Dass beide Frauen dauerhaft die Füße hochlegen, ist aber nicht anzunehmen. Dafür haben sie zu viel Power. Decker sagt, sie könne sich eine Wiederaufnahme ihres Engagements für die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) vorstellen. Auch ein Ehrenamt im Altenheim sei möglich. Fasthoff betont, ihr sei es stets ein Anliegen gewesen, Familien zu stärken. In diesem Bereich könnte sie sich durchaus einer neuen Aufgabe widmen.

"Wir verlieren zwei sehr engagierte, gute Mitarbeiterinnen. Wir verlieren viel Herzblut."Christian Wölke, Pfarrer der Pfarrei St. Johannes Baptist

Pfarrer Christian Wölke, ihr Chef, gibt den freundlichen Hinweis, dass in diesem Jahr der Pfarreirat neu gewählt werde. Ansonsten ist der 54-Jährige eher traurig gestimmt. Er bedauert: "Wir verlieren zwei sehr engagierte, gute Mitarbeiterinnen", und fügt dann hinzu: "Wir verlieren viel Herzblut." Er dankt Fasthoff und Decker für die langjährige, "hervorragende Zusammenarbeit". Auch Rechnungsführerin Tanja Heidler hebt die hohe Kompetenz der Bald-Ruheständlerinnen hervor.

Fasthoff und Decker wiederum loben den guten Austausch mit der Pfarrei. "Ich habe mich nie eingeschränkt gefühlt", sagt Fasthoff. Ihre Freundin und Kollegin meint, sie habe immer Vertrauen gespürt.

Wölke sagt dazu: "Wir sind immer gut damit gefahren, Freiheiten zu gewähren." Wer, wenn nicht die Leiterin vor Ort, sollte wissen, was für die jeweilige Einrichtung das Beste ist. Er zollt den scheidenden Frauen seinen Respekt für eine "krisenfreie Kitaleitung". Zur rechten Zeit um Hilfe zu bitten, das zeuge von Kompetenz und Stärke. "Jede hat auf ihre Art den jeweiligen Kindergarten geführt. Es gab auch mal Differenzen, aber auch das ist gut und richtig."

Decker und Fasthoff wollen keine große Feier

Der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde teilt mit, wer die Nachfolge von Fasthoff und Decker antreten wird. Die Leitung des Kindergartens St. Nikolaus übernimmt Marion Serwaty, die in Stemwede wohnt und zuletzt im Kindergarten St. Michael in Lohne tätig war. Den Kindergarten St. Dominikus führt künftig Franziska Stärk. Die Holdorferin befindet sich aktuell noch in Elternzeit und kehrt bald an ihre alte Wirkungsstätte zurück.

Fasthoff und Decker wünschen ihren Nachfolgerinnen, dass sie sich wohlfühlen. "Wir wollen die Übergabe harmonisch gestalten", sagt Decker. "Wandel belebt." Wölke ist vor allem Kontinuität wichtig. Er sagt: "Ich erwarte veränderte Akzente, aber keine Revolution."

Einig sind sich die Kitaleiterinnen darin, wie sie Abschied nehmen wollen. "Das soll keine pompöse Sache werden", stellt Decker klar. Auch Fasthoff wehrt sich entschieden gegen einen "großen Zirkus". Wölke beruhigt: "Wir respektieren die Wünsche. Wir kommen ohnehin nicht um eine coronakonforme Verabschiedung herum." Er verspricht aber, dass es eine "vernünftige und zeitgemäße" Feier geben werde.

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