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Das Begrüßungsgeschenk nach der Geburt gibt es in Visbek trotzdem

Die Corona-Pandemie verändert auch die Arbeit des Familienbüros der Gemeinde Visbek. Familienbeauftragter Wolfgang Niehaus verrät, wie er trotzdem den Kontakt zu den Menschen hält.

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Aufmerksamkeit für Eltern und ihre Neugeborenen: Marlene Wenning und der Familienbeauftragte Wolfgang Niehaus packen Begrüßungspakete, die dann vor die Tür gelegt werden. Foto: Meyer

Aufmerksamkeit für Eltern und ihre Neugeborenen: Marlene Wenning und der Familienbeauftragte Wolfgang Niehaus packen Begrüßungspakete, die dann vor die Tür gelegt werden. Foto: Meyer

Mehr als 1000 Neugeborene hat Wolfgang Niehaus, Familienbeauftragter der Gemeinde Visbek, in den vergangenen Jahren bereits als Visbeker Neubürger begrüßen dürfen. Normalerweise besucht er die Familien etwa 3 Monate nach der Geburt – unangekündigt, aber nie mit leeren Händen.

„Wir gratulieren den jungen Familien, haben aber auch ein Begrüßungsgeschenk dabei“, sagt Niehaus. Im Gepäck hat er dann ein Baby-Handtuch – mit roter Verzierung für ein Mädchen, mit blauer für einen Jungen –, einen 130-Euro-Gutschein für die Erstausstattung, einen aktuellen Katalog der Kreisvolkshochschule (KVHS) Vechta sowie diverse Flyer.

Den Gutschein können die Eltern ausschließlich in Visbeker Geschäften einlösen. „Damit möchten wir den örtlichen Einzelhandel unterstützen“, sagt der Familienbeauftragte. Im KVHS-Katalog sowie in den Flyern finden die Mütter und Väter ein breit gefächertes Angebot an diversen Eltern-Kind-Kursen sowie Unterstützungsmöglichkeiten, wie Informationen zur Kindertagespflege oder der Familienförderung. Zudem kommt Niehaus bei so einem persönlichen Treffen mit den Familien ins Gespräch und kann direkt bei etwaigen Problemen behilflich sein, wenn gewünscht.

Eltern erhalten jetzt ein Begrüßungspaket

Doch die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass Wolfgang Niehaus sein Begrüßungsritual nicht wie gewohnt durchführen kann. „Wir dürfen ja nicht mehr ins Haus“, sagt er. Aber auf die Besuche und die Übergabe des Geschenkes verzichtet er trotz Corona nicht. Dafür hat er sich etwas Neues überlegt. „Wir besuchen die Familien nach wie vor und überbringen ein Begrüßungspaket“, sagt Niehaus. Darin sind die Geschenke, die er sonst überreicht, gebündelt enthalten. Lediglich an der Haustür kommt er dann hin und wieder mit den Eltern ins Gespräch.

„Damit senden wir das Signal: ‚Wir sind ansprechbar‘“, erklärt Niehaus. Er findet es wichtig, den jungen Eltern das Gefühl zu vermitteln, dass im Zweifel die Hilfe vorhanden ist – trotz der Pandemie. Aber wie reagieren eigentlich die Mütter und Väter, wenn er völlig unangekündigt vor der Tür steht? Wolfgang Niehaus lacht. „Die Eltern haben bislang überwiegend positiv reagiert“, sagt der Visbeker Familienbeauftragte. An negative Erlebnisse könne er sich kaum erinnern.

Nachmittagsbetreuung für Schulkinder fällt aus

Doch nicht nur die Neugeborenen-Besuche haben sich aufgrund der Corona-Pandemie geändert. Das Familienbüro, das sich um soziale und familiäre Belange in der Gemeinde Visbek kümmert, muss flexibel auf die sich ändernden Maßnahmen reagieren. Mehrere Angebote müssen aktuell ausfallen oder in anderer Form realisiert werden. So fällt derzeit die sonst gut besuchte Nachmittagsbetreuung für Schulkinder komplett aus.

„Da es an den Schulen derzeit keine Präsenzpflicht gibt, können wir das Angebot nicht aufrechterhalten“, sagt Niehaus. Normalerweise nehmen rund 40 Mädchen und Jungen an der Betreuung, die von 13 bis 16 Uhr stattfindet, teil. Die Anmeldungen für das neue Halbjahr seien bereits da, sagt der Familienbeauftragte, nur Zusagen könne er noch keine machen. „Die Betreuung findet wieder statt, wenn die Schulen wieder geöffnet sind“, sagt Niehaus. Eltern, die ihr Kind bereits angemeldet haben, bekommen frühzeitig vom Familienbüro Bescheid, versichert er.

Die Nachmittagsbetreuung werde gerade von alleinerziehenden und berufstätigen Eltern verstärkt in Anspruch genommen, erklärt Niehaus. „Damit gewährleisten wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Neben einem Mittagstisch gebe es zudem eine Hausaufgabenbetreuung. Seit ein paar Monaten folgt den Rest der Zeit ein freies Kreativangebot. „Früher gab es ein festes Kursangebot“, sagt Niehaus. Mittlerweile werden die Kinder in die Planung stärker eingebunden. „Die Kinder sollen selbst entscheiden, was sie machen möchten. Dabei müssen sie sich untereinander aber abstimmen“, erklärt der Familienbeauftragte. Das fördere auch ein Demokratieverständnis.

Lernförderung wird weiter angeboten

Unangetastet bleibt allerdings die Lernförderung nach dem sogenannten Bildungs- und Teilhabegesetz (BuT), sagt Wolfgang Niehaus. Diese Lernförderung finde weiter statt – unter Einhaltung der Corona-Regeln. „Die Betreuung findet eins zu eins statt“, sagt er. Damit soll vor allem sichergestellt werden, dass lernschwache Kinder dem Unterricht weiter folgen können. Von dieser Lernförderung profitieren vor allem einkommensschwache Eltern, sagt Niehaus. Ohne die entsprechende Bescheinigung des Lehrers habe man keinen Anspruch darauf.

Ebenfalls wichtig sei, dass die Öffnungszeiten des Familienbüros – unter Einhaltung der Hygieneregeln – aufrechterhalten werden, betont Niehaus. „Damit bleiben wir ansprechbar, wenn beispielsweise Probleme beim Ausfüllen von Anträgen auftreten.“ Denn weil die Behörden zum größten Teil für den Publikumsverkehr geschlossen sind, gebe es vermehrt den Bedarf für Hilfe. „Die Menschen kommen aktuell verstärkt zu uns“, stellt Niehaus fest. Dabei ginge es beispielsweise um Hartz IV oder das Elterngeld. Das Familienbüro sei auch wie üblich telefonisch zu erreichen, ergänzt Niehaus.

Familienbüro ist gut vernetzt

Die Pandemie habe bewiesen, wie gut das Netzwerk sei, auf das das Familienbüro zurückgreifen kann, sagt Niehaus nicht ganz ohne Stolz. An die passenden Angebote könne nach wie vor vermittelt werden, wenn Menschen mit Problemen zu ihm kämen. „Beispielsweise läuft die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter wirklich gut. Es gibt einen ordentlichen Austausch.“

Dieses Netzwerk macht sich auch beim besonders aktuellen Thema Corona-Schutzimpfung bezahlt. Wer Probleme bei der Terminvereinbarung hat oder nicht weiß, wie er zum Impfzentrum kommt, kann sich beim Familienbüro melden. Niehaus kann auf das Angebot mehrerer sozialer Dienste, wie den Maltesern oder den Selbstgestaltern zurückgreifen, um passende Impfpaten zu vermitteln.

Wichtig ist Wolfgang Niehaus in diesen besonderen Zeiten: „Wir wollen uns zeigen.“ Er möchte den Kontakt zu den Leuten halten und signalisieren, dass das Visbeker Familienbüro weiterhin für sie da ist.


  • Info: Das Familienbüro der Gemeinde Visbek ist unter Telefon 04445/950521 erreichbar. Die Öffnungszeiten im Haus der Bildung und Familie sind montags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr. Sprechzeiten zu anderen Terminen sind unter vorheriger telefonischer Vereinbarung möglich.

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