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Das andere C-Wort

Kolumne: Auf ein Wort – Es gibt nicht nur das eine Wort, das mit C beginnt. Das andere C-Wort – Christus – ist zu einem Fremdwort geworden. Und der fremde Blick darauf ist spannend.

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Keine Sorge: Dies wird kein Beitrag über Coron… Fast wäre mir das C-Wort herausgerutscht. Aber hier soll es einmal nicht um Omikron oder die vierte Pandemiewelle gehen. Mein Thema ist ein anderes C-Wort. Hinter uns liegt das Weihnachtsfest mit seinen christlichen Wurzeln. Doch nach allem, was sich anhand von demoskopischen Untersuchungen voraussagen lässt, ist heute schon klar: Wenn wir das nächste Mal Weihnachten feiern, werden wir Christen nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung sein. Weniger als 50 Prozent der Deutschen werden dann noch Mitglied einer christlichen Kirche sein.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie haben auch, aber nicht nur, mit aktuellen Kirchenskandalen und innerkirchlichen Missständen zu tun. Fachleute für Religionssoziologie und Kirchenentwicklung beobachten seit Jahrzehnten: Das andere C-Wort ist zu einem Fremdwort geworden. C-Wort: Ich spreche von Christus, dem Wort, das unter uns Fleisch geworden ist. Das ist eine biblische Aussage, die in den Ohren vieler inzwischen völlig unverständlich ist. Auch für diese innere Entfremdung gibt es viele Gründe. Sie sind heute nicht mein Thema.

"Was würde unserer Kultur, was würde meinem eigenen Denken und Sprechen fehlen, wenn wir das C-Wort nicht hätten?"Dr. Marc Röbel

Mich fasziniert vielmehr der fremde Blick auf unser C-Wort. Es gibt Menschen, die sich nicht zu unserer christlichen Tradition bekennen, aber dennoch das C-Wort schätzen. Zu ihnen gehört der Philosoph Jürgen Habermas. Er ist einer der weltweit bekanntesten Denker der Gegenwart. Habermas, der sich selbst für „religiös unmusikalisch“ hält, sagt: Wir sollten in unseren modernen Zivilisationen auch die Stimme der Religionsgemeinschaften hören. Wenn wir in den Parlamenten über Sterbehilfe, die Triage oder die Würde des Menschen diskutieren, dann brauchen wir den Wortschatz der Bibel. Das Musterbeispiel ist für Habermas der Begriff der Menschenwürde: „Die Bibel spricht davon, dass jeder einzelne Mensch Gottes Ebenbild ist. Diese Ebenbildlichkeit gegenüber Gott meint die gleiche und unbedingt zu achtende Würde aller Menschen.“ Habermas empfiehlt den Religionsgemeinschaften und Kirchen, den eigenen Wort-Schatz neu zu entdecken und zu übersetzen.

Eine Schatzsuche ist angesagt. Sie könnte in Kirchengemeinden, im Religionsunterricht, aber auch zu Hause mit der Frage beginnen: Was würde unserer Kultur, was würde meinem eigenen Denken und Sprechen fehlen, wenn wir das C-Wort nicht hätten? Daran hat uns zuletzt das Weihnachtsfest erinnert. Gott gibt uns sein Wort: seinen Sohn. Und dieser Krippenknirps sagt jedem Menschen zu: „Auch du bist Gottes Kind, unendlich geliebt, mit unbedingter Würde gesegnet.“ Wenn wir das C-Wort wirklich in uns aufnehmen, dann könnte unser Denken und Sprechen wieder würdevoller, liebevoller werden. Vielleicht sogar bei der nächsten hitzigen Diskussion über das Reizwort Coro…


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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