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Dammer Protest wirkt: Stadt sucht Alternativstandort für Mobilfunkanlage

Etwa 70 Bürger hatten sich am Donnerstag vor dem Rathaus versammelt. Sie einte eines: Sie lehnen den von Vodafone geplanten Funkmasten im Dersa-Sportpark ab.  Viele fürchten die Strahlenbelastung.

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Protest: Auch die Familie grosse Austing gehört zu denen, die keine Mobilfunkanlage im Dersa-Sportpark haben wollen. Foto: Lammert

Protest: Auch die Familie grosse Austing gehört zu denen, die keine Mobilfunkanlage im Dersa-Sportpark haben wollen. Foto: Lammert

Die Gegner eines Funkmasten der Firma Vodafone auf dem Gelände des Dammer Dersa-Sportparks haben am Donnerstag zumindest einen Teilerfolg errungen: Der Planungs- und Umweltausschuss hat bei seiner Sitzung im Rathaus dem Rat empfohlen, sich für die Suche nach einem Alternativstandort auszusprechen.

Vor dem Beginn der Sitzung hatten rund 70 Menschen vor dem Rathaus gegen den Standort Dersa-Sportpark-Gelände protestiert. Sie hielten Tafeln in die Höhe mit den Forderungen "Standortfrage überdenken" und "Das könnt ihr nicht mit uns machen". In den letzten Tagen vor der Ausschusssitzung hatte sich der Widerstand deutlich formiert und auch schon artikuliert. 

Und während die Sitzung im Rathaus bereits begonnen hatte, skandierten die Bürger vor dem Rathaus im Sitzungssaal gut vernehmbar zunächst "Neue Standortsuche" und anschließend "Kein Turm im Wohngebiet".

Neutraler Gutachter soll neuen Standort auf Eignung untersuchen

Viele Gegner: Zahlreiche Dammer protestierten vor dem Rathaus. Foto: LammertViele Gegner: Zahlreiche Dammer protestierten vor dem Rathaus. Foto: Lammert

Der Protest zeigte offenbar Wirkung. Auf Antrag der beiden Christdemokraten Frank Hörnschemeyer und Bernd Markus votierte der Ausschuss gegen Ende seiner Beratung nicht nur dafür, dass die Stadtverwaltung einen Alternativstandort suchen soll, sondern auch  dafür, dass ein neutraler Gutachter diesen eventuell vorhandenen neuen Standort auf die Strahlenbelastung für die Bürger untersuchen soll.

Das begrüßte auch der Sozialdemokrat Bernd Kessens ausdrücklich, für den im Übrigen feststeht, dass eine Mobilfunkanlage am Dersa-Sportpark ob des Protestes aus der Bevölkerung nicht mehr durchsetzbar ist.

An einem ließen die beiden CDU-Politiker Hörnschemeyer und Markus allerdings keinen Zweifel aufkommen: Der Rat nehme die Sorgen derer, die sich gegen den Standort Dersa-Sportpark wenden, zwar sehr ernst. Aber es gelte auch die Versorgungslücke beim Mobilfunk und  insbesondere die in der Glückauf-Siedlung zu schließen.

"Der Weg für eine Alternative ist noch offen."Dr. Thomas Zwemke, Vodafone

Dr. Thomas Zwemke, Beauftragter bei Vodafone für den Bereich Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt, hatte sich vor dem Beschluss der Politiker zum Standort Dersa-Sportpark und zu den Sorgen der Bürger geäußert. Dabei schloss er nicht aus,  dass das Unternehmen den Masten mit der Mobilfunkanlage zur Versorgung des nordwestlichen Dammer Stadtgebietes auch an einem anderen Ort aufstellen würde: "Der Weg für eine Alternative ist noch offen." Allerdings zeigte er sich skeptisch, dass sich in 8 bis 10 Wochen ein geeigneter neuer Standort finden lasse.

In dem Zusammenhang sagte er den Politikern klipp und klar, es bestehe jetzt nicht mehr sehr lange die Möglichkeit, einen solchen Standort zu finden. Zudem müsse der unter privat- und baurechtlichen Gesichtspunkten schnell bereitstehen: "Wir schauen uns jeden Vorschlag genau an."

Standort in Naturschutzgebiet kommt nicht in Frage

Nicht in Frage komme etwa eine Senke, weil der Turm dann eine Höhe von 80 statt der geplanten 40 Meter haben müsste. Das sei zu teuer. Ein Standort in einem Naturschutzgebiet falle aus. Eine kommunale Liegenschaft wäre gut, allerdings müsse Strom vorhanden und sie gut erreichbar sein, erklärte Zwemke, nach dessen Worten sich Vodafone hinsichtlich des Dersa-Sportparks noch in der Planungsphase befindet und eigentlich in 2 Monaten den Bauantrag stellen wollte.

Weiter verwies er bei der Standortfrage darauf, der Mast mit der Mobilfunkanlage könne nicht beliebig weit weg stehen von dem Gebiet, für das er die mobile Telefonie ermöglichen soll. 

Zur Belastung, die von Mobilfunkanlagen wegen der elektromagnetischen Strahlung ausgeht, sagte Zwemke, Vodafone habe für jeden seiner rund 25.000 Standorte in Deutschland eine Bescheinigung der Bundesnetzagentur, auf ihnen eine Mobilfunkanlage betreiben zu dürfen. Das Unternehmen lege die Grenzwerte nicht fest, müsse sie aber einhalten. 

Handystrahlung reizt Grenzwerte wesentlich mehr aus

Das Thema "Strahlenbelastung" sei ein sehr komplexes. Er stehe  dafür, "dass wir unsere Anlagen sauber betreiben". Die Feldstärken, die von Mobilfunkanlagen ausgingen, seien aber wesentlich geringer als etwa die von Smartphones ausgehende Strahlung. Die von den Masten erreiche bis zu 5 Prozent der zulässigen Grenzwerte, die beim Handy am Ohr zwischen 80 und 95 Prozent der Grenzwerte.

"Dieser Turm ist in einem Wohnbereich nicht vertretbar."Karl Landwehr

Dazu merkte eine Zuhörerin der Ausschusssitzung allerdings an: Der Handystrahlung sei der Mensch nur dann ausgesetzt, wenn er das Handy nutze, der von der Mobilfunkanlage ausgehenden Strahlung allerdings rund um die Uhr. Und Karl Landwehr, der zu den rund 200 Bürgern gehört, die im Vorfeld der Ausschusssitzung ihren Protest per Unterschrift auf einer Liste dokumentiert haben, sagte: "Dieser Turm ist in einem Wohnbereich nicht vertretbar." Und in Richtung Politiker ergänzte er: "Ihr seid für die Sicherheit der Bürger verantwortlich." 

Zu Beginn der Ausschusssitzung hatte Rolf Mähler, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen im Rathaus, die Historie des geplanten Funkmasten im Dersa-Sportpark skizziert. Dabei führte er aus, es handele sich jetzt um kein formelles Planverfahren.

Rat legte Dersa-Sportpark schon 2005 als Standort fest

Denn bereits 2005 habe der Rat sich für den Standort für eine Mobilfunkanlage ausgesprochen, nachdem ein Vertreter des  Gewerbeaufsichtsamtes Hannover dagegen keine Bedenken erhoben hatte. Damals ging es um eine UMTS-Anlage, die an einem Flutlichtmasten angebracht werden sollte.

Danach passierte bis Ende 2019 nichts. Dann trat Vodafone nach Angaben Rolf Mählers an die Stadtverwaltung heran und teilte mit, nun eine Mobilfunkanlage errichten zu wollen. Der Rat änderte auf Wunsch des Unternehmens am 10. März 2020 den abgeschlossenen Nutzungsvertrag. 

Am 17. Februar 2021 hatte der Verwaltungsausschuss die Stadtverwaltung beauftragt, angesichts einer ersten größeren Protestwelle von Bürgern mit Vodafone über eine Reduzierung der Strahlenbelastung zu reden, die von einer Anlage im Dersa-Sportpark ausgehen könnte. 

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