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Dammer lebten um Christi Geburt in erschlossener Kulturlandschaft

Die Ausgrabungen in Osterfeine hatten sich viel länger hingezogen als geplant. Aber sie haben wichtige Erkenntnisse über das Leben der damaligen Menschen erbracht.

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Jede Menge Keramik: Dr. Georg Eggenstein präsentierte bei seinem Vortrag auch Reste von Jahrtausende alten Gefäßen. Foto: Lammert

Jede Menge Keramik: Dr. Georg Eggenstein präsentierte bei seinem Vortrag auch Reste von Jahrtausende alten Gefäßen. Foto: Lammert

Vor zirka 2000 bis 2300 Jahren war der Raum Damme und Osterfeine keineswegs ein unwirtliches Gebiet, sondern eine erschlossene Kulturlandschaft. Als die Römer seinerzeit in der hiesigen Gegend unterwegs waren, bewegten sie sich in einer besiedelten Landschaft.

Und Dr. Georg Eggenstein, der mit den Mitarbeitern seiner Firma "EggensteinExca" die archäologischen Ausgrabungen nicht nur im neuen Baugebiet Holter Kapelle, sondern auch in Osterfeine im Gebiet Auf dem Kirchesch vorgenommen hatte, räumte bei seinem Vortrag im Rahmen der "Redezeit" des Heimat- und Verschönerungsvereins Oldenburgische Schweiz mit noch einem weit verbreiteten Vorurteil auf: „Die Germanen waren keineswegs unzivilisierte Wilde. Sie lebten über Generationen von Ackerbau und Viehzucht.“

Bei seinem Vortrag in der Scheune Leiber standen die Grabungen in Osterfeine im Vordergrund. Auf einer Fläche von rund 17.000 Quadratmetern hatten die Archäologen mehr als 450 Fundstellen lokalisiert. Die Fundstücke stammten aus dem Zeitraum 300 bis 200 vor und bis 200 nach Christi Geburt – der Vorrömischen Eisenzeit und der Römischen Kaiserzeit.

Es ist unklar, ob der Bereich über Jahrhunderte durchgängig besiedelt war

Es sei nicht geklärt, ob in diesem Zeitraum der Bereich durchgängig besiedelt war, sagte Dr. Eggenstein. Im Gegensatz zum Gebiet Holter Kapelle hätten die Archäologen bei den Grabungen aber keine Hausgrundrisse gefunden, sondern vor allem Gruben, die als Abfall- oder Vorratsgruben dienten, sowie Bodenverfärbungen, die auf Vorratsspeicher hindeuten. Das lasse den Schluss zu, dass es sich bei der  Fläche um einen Wirtschaftsbereich handelte. Die Wohngebäude könnten in der Nähe gestanden haben.

Gefunden haben die EggesteinExca-Mitarbeiter sehr viel Keramik, aber keine Knochen und auch kein Eisen. Knochen hätten sich wegen des Sandbodens über den langen Zeitraums nicht erhalten. Eisen sei damals zu wertvoll gewesen, als dass die Menschen es einfach weggeworfen hätten. Aber selbst wenn, wäre es im Laufe der beiden Jahrtausende längst verrostet.

Gefundene Keramik ist wenig spektakulär

Die gefundene Keramik bezeichnete Dr. Eggenstein als „nicht sehr spektakulär“. Es handele sich um eine relativ einfache und grob hergestellte Gebrauchskeramik, die weder glasiert noch bemalt, sondern allenfalls mit Fingerabdrücken verziert war. Gebrannt waren die Gegenstände nicht in einem Ofen, sondern im offenen Feuer. Unglasiert waren die Gefäße nicht zum Lagern von Flüssigkeiten geeignet.

Die Fundgegenstände in Osterfeine unterscheiden sich nach Worten Dr. Eggensteins weder von denen im heutigen Westfalen noch in Teilen Niedersachsens. Er sprach in dem Zusammenhang vom Rhein-Weser-Kulturkreis. Das lasse darauf schließen, dass es damals unter den Menschen in diesem Raum durchaus weitreichende Beziehungen gegeben haben dürfte.

Ausgrabungen sind für Wissenschaft von großer Bedeutung

Für die Wissenschaft sei es von großer Bedeutung, Siedlungsplätze wie die in Osterfeine oder auch im Gebiet Holter Kapelle auszugraben, um zu wissen, wie die Menschen früher gelebt haben, sagte der Redner.

Ursprünglich habe die Stadt Damme im Gebiet Auf dem Kirchesch eine 900 Quadratmeter große Ausgrabungsfläche ausgeschrieben. Aufgrund der Vorgaben des Landkreises Vechta in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege sei die Fläche vergrößert worden.

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