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Damit Senioren möglichst lange zu Hause leben können

In Visbek qualifizieren sich derzeit zwölf Menschen zu Pflegehelferinnen und -helfern. Wolfgang Niehaus vom Familienbüro hofft, dass diese sich künftig in Visbeker Haushalten engagieren.

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Einsatz für den Menschen: Elf Frauen und ein Mann besuchen derzeit den Kurs zur Qualifizierung zur Pflegehelferin beziehungsweise Pflegehelfer in Visbek. Daniela Lamping (links) leitet den Kurs. Foto: C. Meyer

Einsatz für den Menschen: Elf Frauen und ein Mann besuchen derzeit den Kurs zur Qualifizierung zur Pflegehelferin beziehungsweise Pflegehelfer in Visbek. Daniela Lamping (links) leitet den Kurs. Foto: C. Meyer

Immer mal wieder erhält Wolfgang Niehaus vom Visbeker Familienbüro Anrufe mit Fragen wie „Hast du jemanden für meine Eltern?“. Gemeint sind Personen, die Aufgaben der häuslichen Pflege übernehmen und damit Seniorinnen und Senioren einen längeren Verbleib in der heimischen Umgebung ermöglichen können. Um diese Frage öfter bejahen zu können, hofft Niehaus, dass er künftig auf einen sogenannten „Pool“ an Pflegehelferinnen und -helfer zurückgreifen kann. Diesen möchte er möglichst aus Absolventinnen und Absolventen der entsprechenden Qualifizierungsmaßnahme generieren, die aktuell zum zweiten Mal in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Vechta in Visbek angeboten wird.

Der Kurs „Qualifikation zum/zur Helfer/in in der Pflege“ umfasst rund 174 Stunden Unterricht mit praktischen Übungen sowie ein 3 Wochen umfassendes Praktikum in einer pflegerischen Einrichtung, erklärt Daniela Lamping. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet beim St. Marienhospital Vechta und leitet den Kurs bereits seit mehreren Jahren. Die Teilnehmenden lernen die Grundlagen der Körperpflege sowie Hygiene, sagt sie, „mit so viel Praxis wie möglich“. Da die Pflege eine körpernahe Angelegenheit sei, war das im Rahmen der Corona-Pandemie natürlich nicht immer einfach, gibt Lamping zu. Die Qualifikation endet mit einer Abschlussprüfung, die 6 Stunden dauert. Danach erhalten die erfolgreichen Teilnehmenden ein Zertifikat.

Jede helfende Hand ist gefragt

Die Einsatzmöglichkeiten nach der Qualifikation seien vielfältig, wie Lamping auflistet: in der stationären oder ambulanten Altenpflege, in Privathaushalten als Unterstützung für die häusliche Pflege, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, in Tagespflegen oder auch in Krankenhäusern. Obwohl die Pflegehelferinnen und -helfer nicht annähernd so viel Qualifikation mitbringen wie über Jahre ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegekräfte, sei der Bedarf für die Helferinnen und Helfer offensichtlich vorhanden. Denn: „Bis jetzt hat jede etwas gefunden“, sagt Daniela Lamping und meint, dass die überwiegend weiblichen Teilnehmenden danach eine Arbeit in der Pflege antreten konnten. Dass die Pflegebranche in der Krise ist und zu wenig Personal für zu viele Patientinnen und Patienten hat, ist unlängst bekannt. Da ist jede helfende Hand gefragt.

Wolfgang Niehaus hofft indes, dass möglichst viele dieser Helferinnen und Helfer, die in Visbek den Kurs besuchen, sich in der häuslichen Pflege vor Ort in Visbek engagieren. „Uns ist es wichtig, Visbekerinnen und Visbeker die Möglichkeit zu bieten, sich zu qualifizieren. Toll wäre dann natürlich ein Einsatz danach in Visbek.“ So könne es familiär bleiben, ist er der Ansicht, wenn beispielsweise die Plattdeutsch sprechende Nachbarin sich um Seniorinnen und Senioren kümmern könnte. Er denkt auch an Personen, die bereits daheim einen Angehörigen pflegen und mit dem Kurs die Kenntnisse erlangen, um diese häusliche Pflege auch einfacher zu gestalten. Um dieses Anliegen, die Pflege in Visbek mit dieser Qualifikation zu stärken, zu unterstützen, haben die Mitglieder des Gemeinderates sich seinerzeit dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde die Kurskosten in Höhe von mehreren Hundert Euro den Visbekerinnen und Visbekern erstattet, die die Qualifizierung mit Erfolg abschließen.

Doch wer nimmt letztlich an diesen Kursen teil? Der Großteil bestehe aus Frauen mit bereits erwachsenen Kindern, die in ihren alten Beruf nicht zurückwollen, aber dennoch etwas Sinnstiftendes machen möchten, fasst Kursleiterin Daniela Lamping es zusammen. Derzeit besuchen elf Frauen und ein Mann den Kurs in Visbek. Die Abschlussprüfung steht in 4 Wochen bevor. Die Motivation der einzelnen Teilnehmenden ist hoch – und die Gründe, die Qualifikation zu erwerben, sind vielfältig:

Für viele ist es eine Berufung

War schon selbst auf Hilfe angewiesen: Markus Jäger (58) aus Goldenstedt. Foto: C. MeyerWar schon selbst auf Hilfe angewiesen: Markus Jäger (58) aus Goldenstedt. Foto: C. Meyer

Er habe seine Berufung darin gefunden, Menschen zu helfen, sagt Markus Jäger aus Goldenstedt. Ausschlaggebend waren dabei persönliche Erfahrungen, wie der 58-Jährige verrät. So betreue er bereits seine Mutter daheim. Schicksalsschläge bekräftigten seinen Wunsch, im sozialen Bereich tätig zu werden. Im Alter von 50 sei er erstmalig arbeitslos geworden, schildert der Goldenstedter, der zuvor als Vertriebsinspektor arbeitete. Danach habe er als Disponent in einem Sanitätshaus angefangen, nennt er erste Kontakte mit dem Gesundheitswesen. Im vergangenen Jahr ereilte den 58-Jährigen die Diagnose Krebs. „Das war der springende Punkt“, sagt Jäger. Er sei in der Zeit auf Hilfe angewiesen gewesen, nun wolle er selbst welche leisten. Derzeit engagiere er sich bereits beim Visbeker Seniorenhof und hofft, dass er nach Abschluss des Kurses weiterhin dort arbeiten kann.

Kümmerte sich um ihre kranke Großmutter: Ravjit Kaur (22) aus Visbek wollte Menschen schon immer helfen. Foto: C. Meyer Kümmerte sich um ihre kranke Großmutter: Ravjit Kaur (22) aus Visbek wollte Menschen schon immer helfen. Foto: C. Meyer

Sie habe ursprünglich im vergangenen Jahr eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin angefangen, als ihre Großmutter krank wurde, berichtet Ravjit Kaur aus Visbek. Um sich um ihre Oma zu kümmern, reiste die 22-Jährige für mehrere Monate nach Indien. Kaur selbst lebte ihre ersten 10 Lebensjahre in Indien. Sie habe Menschen schon immer helfen wollen, sagt sie. Aktuell arbeitet sie, wie auch Jäger, als Präsenzkraft beim Seniorenhof in Visbek. Vielleicht nehme sie die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin auch wieder auf.

Kümmert sich um ihre Mutter: Ulrike Meinecke (48) aus Bakum hat ihren alten Job für die Pflege aufgegeben. Foto: C. MeyerKümmert sich um ihre Mutter: Ulrike Meinecke (48) aus Bakum hat ihren alten Job für die Pflege aufgegeben. Foto: C. Meyer

Ihre Mutter leide an Demenz, sagt Ulrike Meinecke aus Bakum. Vor der Pandemie sei ihre Mutter bei einer Tagespflege untergekommen, doch wegen Corona musste Meinecke sich daheim um sie kümmern. Mittlerweile lebe ihre Mutter in einem Pflegeheim, doch diese Erfahrung habe in ihr etwas geweckt. Zuvor arbeitete die 48-Jährige als Filialleiterin einer Bäckerei, doch in der Pflege habe sie ihre Berufung gefunden, schildert sie. Es mache ihr Spaß und insbesondere ihrer Mutter könne sie so etwas zurückgeben, findet die Bakumerin. Zurzeit arbeitet Ulrike Meinecke bei der Sozialstation in Bakum.

  • Info: Wer sich für die Qualifikation zum Pflegehelfenden interessiert, kann sich am 17. Februar ab 19 Uhr bei der Kreisvolkshochschule in Vechta über den Kurs informieren, der voraussichtlich ab Ende März in Vechta angeboten wird.

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