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Damit der Lachs zu uns zurückkehrt

Mehrere Freiwillige, unter anderem aus Goldenstedt, setzen sich für ein Wiederansiedlungsprojekt des Atlantischen Lachses ein. Dafür wird ein Bachverlauf an der Kreisgrenze aufgewertet.

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Viel Zeit und Arbeitskraft investieren Ralf-Frank Bröcker (Munderloh, von links), Lukas Blume (Dörpel), Michael Kache (Goldenstedt), Thorge Carsten-Frerichs (Bad Zwischenahn), Sascha Feldmann (Weyhe), Toni Gottwald (Wildeshausen), Tobias Kolhoff (Goldenstedt), Ralf Lenski (Goldenstedt) sowie Ralf Gottwald (Wildeshausen). Foto: C. Meyer

Viel Zeit und Arbeitskraft investieren Ralf-Frank Bröcker (Munderloh, von links), Lukas Blume (Dörpel), Michael Kache (Goldenstedt), Thorge Carsten-Frerichs (Bad Zwischenahn), Sascha Feldmann (Weyhe), Toni Gottwald (Wildeshausen), Tobias Kolhoff (Goldenstedt), Ralf Lenski (Goldenstedt) sowie Ralf Gottwald (Wildeshausen). Foto: C. Meyer

Der Atlantische Lachs soll sich hier bei uns in der Region wieder wohlfühlen können. Er soll hier wieder eine Heimat haben – wie früher. Dieses ambitionierte Ziel verfolgen 13 Freiwillige – zum größten Teil Mitglieder aus verschiedenen Fischereivereinen. Die Wiederansiedlung des Lachses soll in einem Abschnitt der Heiligenloher Beeke in Rüssen (Stadt Twistringen) an der Grenze zur Gemeinde Goldenstedt stattfinden.

„Irgendwas treibt uns an, keine Ahnung, was“, sagt Ralf Gottwald und lacht. Der Wildeshauser hat das Projekt sozusagen ins Rollen gebracht. Er erkannte im letzten Abschnitt der Heiligenloher Beeke das Potenzial für eine Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses. Mit dieser Erkenntnis sei der Vorsitzende des Anglersportvereins Harpstedt auf Tobias Kolhoff zugegangen, erzählt dieser. Der Goldenstedter war sofort angetan von der Idee. Schnell fanden sich mehrere motivierte Menschen zu einem Team zusammen.

Aufwertung bedeutet viel Arbeit

Aufgrund von Überfischung und vor allem wegen der Veränderung der Fluss- und Bachverläufe in der Vergangenheit zugunsten der Landwirtschaft ist der Atlantische Lachs aus den heimischen Gewässern verschwunden. Der gewählte Abschnitt – rund 1200 Meter – für die geplante Wiederansiedlung weise jedoch „optimale Bedingungen“ auf, sagt Tobias Kolhoff, der Mitglied im Goldenstedter Tückerverein ist. Der Gewässerabschnitt beginnt beim Hof des Landwirts Jörg Tanger und endet bei der Mündung in die Hunte. Tanger sei es zu verdanken, dass das Projekt überhaupt möglich ist, sagt Ralf Gottwald. Denn der gesamte Bereich des gewählten Abschnitts verläuft durch den Wald des Landwirts, der Zugang ist nur über Privatwege möglich. Der Vorteil: „Kein Personenverkehr“, sagt Gottwald.

Die Fläche des Gewässers ist in der Hand der Stadt Twistringen. Von dieser haben Tobias Kolhoff, Ralf Gottwald und Jörg Tanger die Fläche bis 2035 gepachtet. Wie Kolhoff berichtet, seien die Vertreterinnen und Vertreter der Stadt ebenfalls begeistert von der Idee der Wiederansiedlung des Atlantisches Lachses.

Die Höhenunterschiede sind schon gut zu erkennen. Während der 12-jährige Toni Gottwald an einer flachen Stelle lediglich knöcheltief im Wasser steht, ist es ein paar Meter weiter deutlich tiefer, wie Thorge Carsten-Frerichs demonstriert. Foto: C. MeyerDie Höhenunterschiede sind schon gut zu erkennen. Während der 12-jährige Toni Gottwald an einer flachen Stelle lediglich knöcheltief im Wasser steht, ist es ein paar Meter weiter deutlich tiefer, wie Thorge Carsten-Frerichs demonstriert. Foto: C. Meyer

Damit das Projekt überhaupt gelingen kann, ist noch einiges an Arbeit nötig. Anfang November haben die Freiwilligen – aus Goldenstedt, über den Kreis Diepholz bis nach Bad Zwischenahn – angefangen, den Bachabschnitt so umzugestalten, damit er für den Lachs attraktiv wird. Dafür schütten die Männer unter anderem grobe Steine, die sie größtenteils von umliegenden Bauern erhalten, auf die Bachsohle. Das Gewässer werde dadurch an manchen Stellen künstlich flacher gemacht. Wichtig ist es, dass sich tiefe und flache Bereiche abwechseln. Darüber schütten die freiwilligen Helfer feinen Kies, der schließlich als „Schlafzimmer“ für die Lachse dienen soll, erklärt Tobias Kolhoff. In diesem sogenannten Kieslückensystem legen die Fische ihren Laich ab. Aus Totholz, das sie im Wald finden, bauen die Männer schließlich Strömungslenker. So ergeben sich im Gewässer Bereiche mit hoher Fließgeschwindigkeit, wie auch welche, in denen das Wasser deutlich ruhiger verläuft.

Angler ziehen keinen wirtschaftlichen Nutzen daraus

Diese Form der Renaturierung des Bachverlaufs wertet das Gewässer nicht nur für den Lachs auf. Auch andere Tiere profitieren davon, sagt Kolhoff. Das Ziel sei sowieso, dass „in und ums Wasser“ etwas passieren soll. So interessieren die Angler sich auch für den Eisvogel oder den Steinkauz. Die Herausforderung sei „riesengroß“, sagt Kolhoff. „Aber uns macht es Spaß“, sagt Ralf Gottwald. Das Projekt sei zwar zeitintensiv, aber man freue sich montags schon auf Samstag, wenn wieder weitergearbeitet werde, sagt Kolhoff.

Totholz aus dem Wald wird zu Strömungslenkern verbaut. Foto: C. MeyerTotholz aus dem Wald wird zu Strömungslenkern verbaut. Foto: C. Meyer

Ende März, Anfang April soll schließlich der erste Lachsbesatz mit an die 5000 Tieren stattfinden. Diese bleiben dann rund zwei Jahre im Bach bis sie in den Atlantik schwimmen, erklärt Tobias Kolhoff. Für die Fortpflanzung kehren die Tiere schließlich zum Geburtsort zurück. Die erste Rückkehr wird nach vier bis fünf Jahren erwartet. Deshalb nehmen die Projektteilnehmenden sich vor, jährlich zu besetzen, um keine Lücken entstehen zu lassen und um festzustellen, ob die natürliche Reproduktion funktioniert. Die Rückkehrquote liegt bei etwa einem Prozent, verrät der Goldenstedter, aber pro zurückgekehrtem Fisch seien 15.000 bis 16.000 Eier möglich.

Und dann gibt es lecker Lachs zu Weihnachten? Wohl eher nicht. Wenn die Lachse tatsächlich im Dezember zurückkehren, genießen sie Schonzeit. Sie dürfen also nicht geangelt werden. „Wir haben keine Nutzen davon, außer den ideellen“, sagt Tobias Kolhoff. Er und seine Mitstreiter lachen. Einer bezeichnet die Gruppe als „durchgeknallt“, der andere spricht von „Sockenschuss“. Die Männer eint die Ideologie und die Affinität zur Natur. Sie alle brennen für das Naturschutz-Projekt. Diese Motivation treibe an, sagt Ralf Gottwald, der sich bereits auf die ersten „Bewohner“ im Bach freut. Dem schließt sich Tobias Kolhoff an: Wenn man die Lachse im Bach sehe, habe man „so einen Herzschlag nie wieder im Jahr“.

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