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Da war da noch die Sache mit der Dobermann-Hündin

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – in diesem Fall geht es tierisch zur Sache. Wobei auch das liebe Geld eine Rolle spielt.

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Es ging um den Verdacht des Betruges, eigentlich keine große Sache. Ich hatte aber mitbekommen, dass es um eine Dobermann-Hündin gehen sollte. Als passionierter Hundebesitzer war mein Interesse geweckt. Immerhin hatten sich schon 3 Rechtsanwälte aus Vechta und auch das Zivilgericht mit der Sache beschäftigt. Schließlich war ein Strafbefehl mit einer Geldstrafe gegen einen 23-jährigen Kaufmann erlassen worden. Dagegen hatte der Einspruch erhoben und der Verteidiger meinte, Ziel des Einspruchs sei ein Freispruch.

Der Angeklagte hatte in der Berufsschule von einer Mitschülerin gehört, in Vechta an der Stresemannstraße werde ein Hund gehalten, der gequält werde. Alle Nachbarn seien empört. Da müsse was getan werden.

Das wollte der angeblich tierliebe Angeklagte. Er ging, so sagte er jetzt, zum Besitzer des Hundes. Er habe gesehen, dass man der Hündin mit Kabelbindern das Maul verschlossen habe. Gehalten worden sei das Tier in einem viel zu kleinen Kaninchenstall. Der 23-Jährige bot nach eigenen Worten dem Besitzer an, die 7 Monate junge Hündin in Obhut zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sie in gute Hände komme. Das vereinbarte man schriftlich. Der Angeklagte nahm die Hündin mit in seine Wohnung an der Münsterstraße in Vechta.

"Tierfreund" bot Vierbeiner bei eBay für 450 Euro zum Verkauf an

Der "Tierfreund" versorgte den Hund. Er gab schließlich bei eBay-Kleinanzeigen eine Anzeige auf und bot die Vierbeinerin für 450 Euro zum Verkauf an. Das brachte den ursprünglichen Besitzer auf die Palme. Er bestand darauf, dass er die Hündin zurückbekomme. Dies sei auch vereinbart worden. Der Ex-Besitzer meinte, er könne sie in der Wohnung nicht halten, habe aber jemanden, der sie dann versorge.

Das aber wollte unser Angeklagter nicht. Es kam zum Streit. Der eigentliche Besitzer ging zum Anwalt; der zum Zivilgericht. Der 23-Jährige hatte auch einen Anwalt. Das Gericht entschied, der Hund müsse  zurückgegeben werden an den Alt-Besitzer. Der Rechtsanwalt und 2 Polizeibeamte tauchten in der Wohnung an der Münsterstraße auf und holten die Hundedame ab, um sie in „gute“ Hände weiterzugeben.

Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen versuchten Betruges einen Strafbefehl gegen den jungen Mann, der es gut gemeinte habe, ihn aber dann doch auf eBay zum Kauf angeboten habe, wobei man ja auch nicht wisse, wie der Käufer das Tier behandle. Die Strafrichterin hatte im Strafbefehl vorgeschlagen, die Sache unter Zahlung einer Geldauflage von 500 Euro einzustellen. Das lehnten der „Neubesitzer“ und sein Anwalt zunächst ab.

Angeklagter wollte Hündin noch sterilisieren lassen

Der Angeklagte erklärte, die in der Anzeige angegebenen 450 Euro seien nur ein Ausgleich für die entstandenen Kosten gewesen. Er habe die Hündin auch sterilisieren lassen wollen. Der Kaufpreis für eine Dobermann-Hündin liege bei weit über 1.000 Euro.

Im Verlauf der Verhandlung ging es um Absprachen, um eine ausgefüllte Schutzordnung für Tierverkäufe und einiges mehr. Schließlich ließ die Strafrichterin durchblicken, dass sie keineswegs an einen Freispruch denke, ganz im Gegenteil. Sie wiederholte den Vorschlag mit der Zahlung von 500 Euro an den Tierschutzverein und die Sache werde eingestellt. Dem stimmte der Staatsanwalt zu, und der Verteidiger des Angeklagten konnte seinen Mandanten schließlich dazu ebenfalls überreden.

Ich werde mal versuchen, ob ich erfahren kann, wie es der Dobermann-Hündin geht.

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