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Corona und Kinder: "Regeln geben ja auch Sicherheit"

Lockdowns, Maskenpflicht und Händewaschen: Die vergangenen Monate waren beschwerlich. Was Isolation und Ansteckungsangst mit dem Nachwuchs gemacht haben, zeigt sich erst nach und nach.

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Alles wieder normal? Der Betrieb in den Kitas läuft derzeit weitgehend ohne Einschränkungen. Foto: G. Meyer

Alles wieder normal? Der Betrieb in den Kitas läuft derzeit weitgehend ohne Einschränkungen. Foto: G. Meyer

In der Lastruper Kindertagesstätte St. Agnes geht das Leben seinen gewohnten Gang. Abgesehen von der Handdesinfektion im Eingangsbereich deutet kaum etwas darauf hin, dass die Welt noch immer in einer Pandemie steckt. Auch die Kinder scheinen sie einfach abgeschüttelt zu haben. Sie bewegen sich frei und ungezwungen im gesamten Gebäude. 

Bisher ist kein einziges von ihnen erkrankt. Nur einige Quarantänefälle hat es gegeben. Kita-Leiterin Susanne Schnelten verbrachte selbst 3 quälend lange Wochen unfreiwillig zu Hause. Doch wirklich schlimm sei das alles nicht gewesen, sagt sie. "Wir haben bisher viel Glück gehabt." Ob die Krise tiefere Spuren in den Seelen der Kinder hinterlassen hat, mag Schnelten, die auch Vorsitzende des Lastruper Jugendausschusses ist, noch nicht beurteilen. Besondere Auffälligkeiten hat sie bei ihren Zöglingen aber bislang nicht festgestellt.

Was macht Corona mit dem Nachwuchs? Diese Frage beschäftigt nicht nur Psychologen. "Ich glaube, dass es entscheidend darauf ankommt, in welchen Verhältnissen die Kinder leben und wie behütet sie aufwachsen, sagt Schnelten. "Als wir erstmals schließen mussten und es zunächst auch keine Notbetreuung gab, haben sich die Eltern lange selbst zu helfen gewusst." Später hätten sich die Kinder sehr schnell an die Hygienemaßnahmen gewöhnt. "Regeln geben ja auch Sicherheit", erklärt die erfahrene Erzieherin. Wer aus der Reihe tanzte, sei von seinen Altersgenossen zurechtgewiesen worden. "Die achten selber darauf, dass alle mitmachen."

Leiterin wünscht sich verbindliche Testungen

Inzwischen dürfen die Kleinen zwar wieder nach Herzenslust toben. Manche Neuerung ist jedoch geblieben – das häufige Händewaschen etwa. Die Eltern geben ihre Söhne und Töchter weiterhin am Eingangstor ab. "Sie haben uns gebeten, die Regelung einfach beizubehalten", verrät Schnelten. Sie findet das gut. "Wenn Mama oder Papa beim Schuheausziehen nicht mehr helfen, werden die Kinder schneller selbstständig." Zumal für alle Erwachsenen im Haus 3G gilt.  Nur gut, dass die Mitarbeiterinnen komplett durchgeimpft sind. Mehr Verbindlichkeit würde  sich die Leiterin auch bei den Testungen wünschen. Die vom Landkreis eingeführten "Lollitests" sind jedoch nur ein freiwilliges Angebot. Für Schnelten ist das ein weiteres Beispiel für die Ungleichbehandlung von Schulen und Kindergärten in der Pandemie. "Wir galten lange als nicht systemrelevant."

Die Situation der Familien während der Pandemie war auch Thema im Jugendausschuss. Viele hätten monatelang unter einem enormen Druck gestanden, hieß es. Ausschussmitglied Sandra Obermeyer rief  dazu auf, sich jetzt besonders um die Defizite zu kümmern. Ihre Kollegin Sarah Hogeback berichtete, wie die Grundschule in Hemmelte den Kontakt zu den Schülern aufrechthielt. "Die Aufgaben wurden ihnen durch ein offenes Fenster gereicht." So hätten die Lehrerinnen die Kinder zwischendurch wenigstens gesehen. 

"Wir lassen die Kinder nicht außen vor."Michael Kramer, Bürgermeister

Ob zu Hause etwas im Argen liegt, lasse sich innerhalb so kurzer Zeit allerdings schwer einschätzen. "Ein Kind muss sich etwa 3- bis 5-mal bemerkbar machen, ehe Erwachsene hellhörig werden", weiß  Susanne Schnelten. Um die Kita-Mitarbeiterinnen zu sensibilisieren, ermöglicht die Gemeinde deshalb regelmäßige Präventivfortbildungen. "Wir haben einen Schutzauftrag", betont Bürgermeister Michael Kramer. Und den gelte es zu erfüllen, denn auch in Lastrup  sei die Welt nicht mehr nur in Ordnung. "Wir lassen die Kinder aber nicht außen vor", bekräftigt der Verwaltungschef. 

Dies ist durchaus wörtlich zu nehmen. Von den 410 Kindergarten- und Krippenplätzen in der Gemeinde Lastrup sind aktuell 380 belegt. "Wir erfüllen damit unseren gesetzlichen Auftrag, jedem Kind einen Betreuungsplatz anzubieten", so Kramer. Ein kleiner Puffer ist zwar noch da, der Zuzug sei jedoch inzwischen spürbar. Er dürfte nicht so bald abebben, denn gebaut wird in Lastrup munter weiter – auch das sei ein Phänomen, dem Corona nichts anhaben konnte.

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