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Kolumne: Irgendwas mit # – Vor wenigen Wochen habe ich mich mit dem Coronavirus infiziert. Das war ein Schock, dem weitere folgten.

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Jung. Sportlich. Keine Vorerkrankungen. Um so größer der Schock, als der Anruf kommt. Eine Person aus meinem näheren Umfeld habe sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Virus, über welches ich fast jeden Tag berichte – ist plötzlich ganz nah und greifbar. Das erste Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes in Diepholz erlebe ich wie in Trance: sofortige Quarantäne. Einen PCR-Test machen lassen. Aber bitte nicht im Testzentrum. Beim Hausarzt. 

Von der Infektion merke ich zu diesem Zeitpunkt wenig. Leicht erkältet bin ich und rieche und schmecke weniger gut. Aber ist das bei einer Erkältung nicht normal? Ich rufe beim Arzt an. Wann können meine Familie und ich zum Abstrich kommen? Morgen. Nach einem kurzen Hin und Her dann doch sofort. Aus dem Fenster mein erster Abstrich. Extrem unangenehm in der Nase. Aber was soll es. 

Dann abwarten. Ungewissheit. Fast 24 Stunden später - früh morgens um 8 Uhr – folgt Anruf Nummer 2 aus dem Diepholzer Gesundheitsamt. Schock Nummer 2: Meine Familie und ich sind positiv. Und jetzt? Wir nennen unsere jüngsten Kontakte, unsere Arbeitsplätze. Es müsse jetzt schnell gehen mit der Kontaktnachverfolgung, immerhin schon 120 Stunden, nachdem sich die Person testen lassen hat, bei der ich mich höchstwahrscheinlich angesteckt habe. 

Das Gesundheitsamt hat in den letzten Monaten seine Teststrategie verändert

Ziemlich schnell klingelt das Telefon erneut. Ob wir immer Masken getragen hätten, will das Gesundheitsamt wissen. Ja. Ob mein Arbeitgeber Raumlüfter einsetze? Ja. Okay, dann sei dort nichts zu unternehmen, sagte mir der Mitarbeiter. Und bei meiner Mutter in der Schule? Ist der Raum groß? Ja. Tragen Kinder und Lehrkräfte Masken? Ja. Kommt es zu näheren Kontakten zu den Kindern? Ja, teils. Zwangsläufig. 

Angerufen hat das Gesundheitsamt auch in der Schule. Der Pflicht halber, wie es heißt. Die Schüler getestet? Nein. Dazu sehe die Behörde keinen Anlass. Sie habe ihre Teststrategie geändert, erfahre ich. Wer keine offensichtlichen Symptome zeige, werde nicht getestet. Zumal meine Mutter selber nur leichte Symptome habe. "Wer wenig Symptome hat, der kann auch nur wenig andere Menschen anstecken", erklärt ein anderer Mitarbeiter des Gesundheitsamts.

"Ich will nun andere Menschen warnen. Mit der Corona-Warn-App. Doch meinen Test und die nötige Nummer für die App habe ich nie erhalten."Jan-Christoph Scholz

Doch haben Studien diese Annahme nicht schon klar widerlegt? Die journalistische Neugier packt mich, und ich frage nochmals nach. Warum wird nicht mehr getestet? Na ja, druckst der Mann vom Amt am Telefon zunächst herum. Dann bricht es aus ihm heraus:  "Wir sind total überlastet und überarbeitet, was zur Folge hat, dass wir nicht mehr einfach so jeden Kontakt nachverfolgen können." Schock Nummer 3. Hätten er und seine Kollegen dabei kein schlechtes Gewissen? Es sei das kleinste Übel, antwortet er mir.

Die Corona-Warn-App entpuppte sich als Flop

Ich will nun andere Menschen warnen. Mit der Corona-Warn-App. Doch meinen Test und die nötige Nummer für die App habe ich nie erhalten. Ich rufe wieder beim Gesundheitsamt an. Die Antwort: "Wir wissen dazu nichts. Fragen Sie doch mal ihren Hausarzt, bei dem Sie den Test gemacht haben." Doch dort weiß auch niemand von einer Testnummer.

Schlussendlich rufe ich die Hotline der App an. Glaubhaft versichere ich der Frau am Telefon, dass ich Corona habe. Ob sie diese Angabe überprüfen kann, ohne meinen Namen zu wissen? Sie gibt mir eine Nummer durch, und ich kann 168 Stunden nach meinem wahrscheinlichen Infektionszeitpunkt andere Menschen warnen. Schock Nummer 4.

Ich gehe in Quarantäne. Doch wie lange? Pauschal erst einmal die zu dem Zeitpunkt vorgeschriebenen 14 Tage. Aber nicht von meinem Testdatum gerechnet, sondern von dem meiner Kontaktperson. Das  Gesundheitsamt ruft mich wieder an und erzählt mir, dass ich als einziger in der Familie auf die britische Mutante getestet worden sei. Stichprobenhaft. Positiv. Warum nur ich? Aus Kostengründen?

Die Quarantänezeit ist abhängig vom Wohnort

Im Landkreis Cloppenburg hätte ich nun 3 Wochen in Quarantäne gehen müssen, im Landkreis Vechta 14 Tage. Im Landkreis Diepholz endet sie nach nur 10 Tagen. Werde ich am Ende freigetestet? "Wenn Sie wollen, können Sie, aber Pflicht ist es nicht", lautet die Antwort aus dem Gesundheitsamt. Schock Nummer 5.

Die Quarantäne überstehen meine Familie und ich mehr oder weniger gut. Das Haus nicht zu verlassen, ist anstrengend. Die überwiegend leichten Symptome verabschieden sich bald. Das ist jetzt mehr als einen Monat her. Noch immer kann ich nicht riechen und schmecken. Schock Nummer 6. Daneben hat sich die Erkenntnis verfestigt: Corona kann jeden treffen. Meine Familie und ich hatten viel Glück.


Zur Person

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@ov-online.de.

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