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Corona-Patienten verbringen 3 Wochen auf Intensivstation

Omikron beschert dem Marienhospital Vechta zwar weniger Fälle. Die Belastung des medizinischen Personals ist dennoch hoch. Denn durch Infektionen und Quarantäne fallen auch Ärzte und Pflegekräfte aus.

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Das Leben hängt an Maschinen, die die Beatmung übernehmen: Ein Patient mit Pflegern auf der Corona-Intensivstation des Marienhospitals in Vechta. Foto: M. Niehues

Das Leben hängt an Maschinen, die die Beatmung übernehmen: Ein Patient mit Pflegern auf der Corona-Intensivstation des Marienhospitals in Vechta. Foto: M. Niehues

Selber atmen kann der Patient nicht. Über einen Schnitt an seinem Hals ist ein Schlauch dafür eingeführt. Eine Maschine bestimmt den Takt und die Menge der Luftzufuhr. Wer auf die Corona-Intensivstation in Vechta kommt, ist aber nicht nur auf künstliche Beatmung angewiesen, sondern auf ganzheitliche Versorgung. Dabei kann der Patient, sofern er wach ist, die Pfleger kaum erkennen. Denn diese tragen Schutzanzüge und dicke Kunststoffbrillen. Nicht nur die Virusübertragung wird so verhindert. Der zwischenmenschliche Kontakt wird erschwert, keine leichte Situation für beide Seiten.

Lena Ostendorf und Philipp Partzyk gehören als Intensivpfleger zu denjenigen, die sich seit Beginn der Corona-Pandemie um jene Menschen im Vechtaer Marienhospital kümmern, die es am schwersten getroffen hat. Trotz der hohen Infektionszahlen haben sie aktuell nur einen Patienten auf der Intensivstation zu betreuen. Seit die Omikron-Variante vorherrscht, landen weniger Betroffene dort. Wer ins Krankenhaus muss, kann meist auf der normalen Covid-19-Station betreut werden.

Pfleger sind nach 5 Stunden Arbeit auf Corona-Station erschöpft

Für die Pfleger auf der Intensivstation ist die Arbeit dennoch anstrengend. Bei jedem Gang ins Patientenzimmer müssen sie sich umziehen. Die Schutzbekleidung darf nur 1  Mal verwendet werden. Jeder Schritt will also überlegt sein. "Wir sind mitunter 5 bis 6 Stunden mit einem Patienten beschäftigt. Es bleibt manchmal nicht mal Zeit etwas zu trinken", sagt Ostendorf. Auch weil das Atmen durch die besonders sicheren FFP3-Masken schwer falle, sei man nach 5 Stunden Arbeit einfach erschöpft.

Während der Hochphase der Pandemie, berichten beide, habe ein Pfleger bis zu 4 Patienten gleichzeitig betreuen müssen. Schwer sei das gewesen, insbesondere auch dann, wenn man Betroffene habe gehen lassen müssen. Ohne dass Angehörige dabei sein durften, seien diese Menschen auf der Intensivstation gestorben, begleitet allein durch Pfleger und Ärzte. "Das war sehr belastend", so Lena Ostendorf.

Covid-Patienten verbringen durchschnittlich 3 Wochen auf der Intensivstation

Und doch ist der Umgang mit Corona aus medizinischer Sicht zur Normalität geworden. Das bestätigt Dr. Christian Hönemann als verantwortlicher Chefarzt. Gleichwohl sei die Behandlung eines schweren Covid-19-Verlaufs mit einem Marathon zu vergleichen. "Es nimmt kein Ende", sagt er. "Es geht immer weiter und weiter". Der normale Durchschnittspatient würde 1,5 Tage auf einer Intensivstation verbringen, erklärt er, ein Corona-Patient aber durchschnittlich 3 Wochen.

Hönemann lobt die gute Corona-Zusammenarbeit mit den Kliniken in Münster und Oldenburg. "Wir stimmen uns engmaschig ab", erklärt er. So nehmen die Kliniken beispielsweise besonders schwere Fälle dem Marienhospital ab, während Vechta im Gegenzug andere Patienten aufnimmt. Auch aus den Nachbarlandkreisen seien etliche Patienten aufgenommen worden.

Die Bewältigung der Corona-Krise innerhalb des Marienhospitals, so Hönemann, sei nur durch die sehr gute Teamarbeit aller Beteiligten möglich gewesen. Aber auch wenn die Omikron-Variante dem Krankenhaus insgesamt weniger Fälle beschert, die personelle Belastung ist nach Angaben des Chefarztes dennoch hoch. Denn von Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen werde derzeit auch das Krankenhauspersonal nicht verschont.

Auch auf der sogenannten normalen Corona-Station geht für die Pflegekräfte nichts ohne Schutzkleidung. Das Aus- und Umziehen erfordert Zeit. 2 Pflegekräfte, eine Assistentin und eine Krankengymnastin betreuen zur Zeit 6 Patienten. In der Hochzeit der Pandemie waren hier bis zu 20 Betroffene untergebracht. Der Personalschlüssel, heißt es, werde dem Bedarf angepasst. "Der Pflegeaufwand ist hier größer", erklärt Fachkraft Jessica Groothuis. In kurzen Abständen müssten die Vitalfunktionen geprüft werden. Wenn jemand schlecht Luft bekomme, sich der Zustand ändere, müsse schnell gehandelt werden. Ihre Kollegin Neele Heinze bestätigt, dass wegen Omikron weniger Fälle an die Intensivstation übergeben werden müssten. Aber: "Wir hatten auch junge Menschen ohne jegliche Vorerkrankung hier", gibt sie zu bedenken.

Messen des Blutdrucks auf der normalen Corona-Station in Vechta. Der 80-jährige Dialyse-Patient aus Wildeshausen steht kurz vor Entlassung. Ich bin allen hier sehr, sehr dankbar, sagt er. Foto: M. NiehuesMessen des Blutdrucks auf der normalen Corona-Station in Vechta. Der 80-jährige Dialyse-Patient aus Wildeshausen steht kurz vor Entlassung. "Ich bin allen hier sehr, sehr dankbar", sagt er. Foto: M. Niehues

Pflegefachkraft möchte am liebsten Impfskeptiker mit auf die Station nehmen, damit sie das Elend sehen

Die Entscheidung, ob sich jemand impfen lasse oder nicht, so Jessica Groothuis, solle jedem selbst überlassen bleiben. Aber Impfskeptiker "möchte ich manchmal einpacken und mit auf die Station nehmen, damit sie sich das Elend ansehen." Sie habe oft die Angst in den Augen der Patienten gesehen. "Ich finde es traurig, wie viele Menschen gestorben sind, auf keine schöne Weise", bekräftigt Neele Heinze. Und wer nach Genesung entlassen wird, brauche "sehr lange, um wieder auf die Beine zu kommen", so Jessica Groothuis. Betroffenen falle es zudem schwer, die vorherige Leistungsfähigkeit wieder zu erreichen.

Die beiden Pflegefachkräfte erhoffen sich eine höhere Impfquote und ein Abflachen des Infektionsgeschehens, um die Normalität wieder zu erreichen. Auch Chefarzt Hönemann plädiert fürs Impfen. Schließlich sei jeder auch gegen Masern, Pocken und Kinderlähmung geimpft. Pflegedienstleiter Christian Heitmann pflichtet ihm bei. "Wir sehen hier keine Patienten mit Impfschäden."

Beide stört, dass das Thema politisch kontrovers diskutiert wird. Das "Hin und Her verunsichert die Bevölkerung", sagt Heitmann. Denn mit einer höheren Impfquote, ist er überzeugt, könne eine Covid-Erkrankung so behandelt werden wie eine normale Grippe. Christian Hönemann geht noch einen Schritt weiter. "Wir sind in Deutschland besser durch die Pandemie gekommen als andere Länder", sagt er. In England seien beispielsweise die Beschränkungen dennoch aufgehoben und die Pubs wieder geöffnet worden. Die deutsche Politik sei gut beraten, sich auch am Ausland zu orientieren, um das normale Leben wieder zu ermöglichen.

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