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Corona-Panik gefährdet Fledermäuse

Niedersachsens Landesbetrieb für Naturschutz (NLWKN) hat an den strengen Schutz heimischer Fledermäuse erinnert und betont: Die heimischen Tiere sind keine Überträger des Coronavirus.

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Foto: dpa/Florian Gloza-Rausch/Uni Bonn/No

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Seit Jahrhunderten sind Fledermäuse schon Vorurteilen ausgesetzt. Die derzeitige Corona-Pandemie würden die Klischees und die Furcht vor den Tieren allerdings zusätzlich verstärken. Diese Beobachtung würde der Niedersachsens Landesbetrieb für Naturschutz (NLWKN) derzeit machen. "Die in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind aber keine Überträger des Coronavirus Sars-CoV-2", sagte die Fledermausexpertin des NLWKN, Melina Heinrich.

Der genaue Ursprung des Virus sei weiter ungeklärt. Chinesische Forscher hatten allerdings den Verdacht geäußert, dass die Fledermäuse in der Region um Wuhan  der Ursprung der Pandemie sein könnten. Allerdings über einen Umweg: Eine Fledermaus könnten zunächst einen Zwischenwirt (zum Beispiel eine Schlange oder ein anderes Tier) infiziert haben. Im Körper eines Wildtieres könnte das Virus mutiert und für den Menschen ansteckend geworden sein. Auf dem Markt von Wuhan, auf dem Wildtiere geschlachtet und verkauft werden, sei das Virus vermutlich auf den Menschen übergegangen.

"Fledermäuse aus Angst vor dem Coronavirus zu bekämpfen, entbehrt jeder Grundlage."Melina Heinrich, Fledermausexpertin des NLWKN

Deutsche Natur- und Tierschützer betonen schon seit geraumer Zeit, dass die heimischen Fledermäuse keinen Menschen mit Covid-19 anstecken können. Fledermäuse können zwar wie alle Säugetiere - also auch Menschen - zahlreiche Viren und Bakterien übertragen. Das jetzige Coronavirus Sars-CoV-2 ist aber ein menschlicher Erreger.

"Fledermäuse aus Angst vor dem Coronavirus zu bekämpfen, entbehrt jeder Grundlage", erklärt Fledermausexpertin Heinrich.  Schon das Stören von Fledermäusen sowie die Beschädigung oder Zerstörung ihrer Quartiere sei eine Straftat. Wie der Naturschutzbund Nabu mitteilt, sind die heimischen Fledermausarten seit Jahrzehnten bedroht.  Deswegen gibt es regelmäßige Aktionen, um an den Schutz der fliegenden Säugetiere zu erinnern - etwa mit Fledermaus-Patenschaften. In Deutschland leben 24 heimische Arten von Fledermäusen. All diese Fledermäuse stehen unter Naturschutz bzw. Artenschutz. Wer in Deutschland eine Feldermaus fängt, vereltzt oder täter riskiert ein Bußgeld - laut Bußgeldkatalog in einer Höhe von bis zu 50.000 Euro. Das gilt auch, wenn man Nist- und Ruhestätten von Feldermäusen zerstört.

Auf europäische Ebene gibt es außerdem das Projekt "Eurobats" - ein Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen, an dem sich 37 Staaten beteiligen.

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