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Corona-Pandemie verdrängt Umweltpolitik

Experten warnen bei Bildungswerk-Kurs: Das Thema muss präsent bleiben und auch weiter behandelt werden. Nach Angaben der Dozenten gebe es kein Plastikproblem, sondern ein Plastikmüllproblem.

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Beim Experimentieren: Benedikt Wernke, Lars Otte, Nils Kreienhop und Prof. Dr. Marco Beeken (vorne von links). Foto: Kessens

Beim Experimentieren: Benedikt Wernke, Lars Otte, Nils Kreienhop und Prof. Dr. Marco Beeken (vorne von links). Foto: Kessens

Die Corona-Pandemie habe die Umweltpolitik als Hauptthema in Politik und Öffentlichkeit abgelöst, sagte Prof. Dr. Marco Beeken, Chemiedidaktiker an der Universität Osnabrück, zu Beginn des experimentellen Kursabends im Bildungswerk Cloppenburg.

„Wenn wir nichts tun wegen unseres Klimas, dann haben wir bald eine Klima-Pandemie und dafür gibt es keine Impfung“, machte er deutlich. Zusammen mit seinen Studenten, darunter zwei Doktoranden, vermittelten sie den zehn Teilnehmenden grundlegende Aspekte zur Nachhaltigkeit und zur Plastikmüllproblematik.

Plastik sei ein wichtiger Wertstoff und übernehme in Konsum und Produkten wichtige Funktionen. „Somit haben wir kein Plastikproblem, sondern ein Plastikmüllproblem“, sagten die Experten. 75 Prozent des Mülls im Meer bestünden aus Kunststoffen, das seien 13.000 Plastikartikel auf einem Quadratkilometer oder mehr als fünf Billionen Artikel, informierte Doktorrand Nils Kreihenhop.

700 Meerestierarten, die Plastik gefressen haben

Es gäbe bisher Berichte von über 700 Meerestierarten, die Plastik gefressen oder sich daran gefangen hätten. Erstaunt zeigten sich die Interessierten über die tatsächlichen Abbauzeiten von Plastik, die sie zunächst schätzen sollten und teilweise total daneben lagen. Sechs Wochen bräuchte eine Zeitung, Plastiktüten bis zu 20 Jahre, Aluminiumdosen bis zu 200 Jahren, Plastikflaschen und Windeln bis zu 450 Jahre bis zum Abbau.

Kunststoffe seien unverzichtbar bei der Anwendung in Bereichen der Medizin und der Hygiene, der Textilien und der Automobilindustrie. „Doch die Schattenseite der Kunststoffe ist die Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse“, sagte Kreihenhop. Plastikmüll werde durch chemische und physikalische Prozesse zu Mikroplastik.

Fünf Stationen für die Teilnehmer

An fünf Stationen konnten die Teilnehmenden in Aktion treten und Experimente durchführen, wie zum Beispiel die Analyse von Kosmetika, oder das Bestaunen des „Windelwunders“, wobei getestet wurde, wie viel Wasser eine Windel aufnehmen kann.

Mit Polystärke „backten“ zwei Teilnehmerinnen im Waffeleisen ein Behältnis, das komplett abbaubar ist und zur Aufbewahrung trockener Produkte dienen kann. „Geeignet zum Beispiel für Pommes“, empfahl Beeken. Dieser Kursabend war der Auftakt zu einer bundesweiten Aktion, das Thema Nachhaltigkeit in die Erwachsenenbildung praktisch zu transferieren. Sie wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

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