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Corona lässt Chöre vorerst verstummen

Chorsingen soll wegen einer möglichen Tropfeninfektion sehr gefährlich sein. Proben können deswegen derzeit nicht stattfinden. Es sei denn, man weicht in den Stadtpark aus.

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Momentan nicht machbar: Konzerte wie das Adventskonzert des Gemischten Chors Bösel im vergangenen Jahr sind auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich. Den Chören fehlt schlicht die Möglichkeit, angemessen zu proben.   Foto: Archiv Pille

Momentan nicht machbar: Konzerte wie das Adventskonzert des Gemischten Chors Bösel im vergangenen Jahr sind auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich. Den Chören fehlt schlicht die Möglichkeit, angemessen zu proben.   Foto: Archiv Pille

Gemeinsames Singen gilt in Corona-Zeiten als gefährlich, Chorproben und Chorgesang sind wegen einer vermuteten hohen Ansteckungsgefahr grundsätzlich untersagt. Die neue niedersächsische Corona-Verordnung lässt jetzt eine Ausnahme zu: Unter freiem Himmel können Chöre seit vergangener Woche wieder proben.

"Wir werden am Mittwoch im Stadtpark eine Chorprobe machen.“Dr. Matthias Lamping, Vorstand Motettenchor

Der Friesoyther Motettenchor will von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. "Wir werden am Mittwoch im Stadtpark eine Chorprobe machen", sagt Dr. Matthias Lamping, der Vorsitzende des Chores. "Wir wollen einfach mal sehen, wie und ob das gerade mit Blick auf die Abstandsregeln funktioniert."

Für Gerold Fuhler ist eine solche Chorprobe keine Option. "Das ist extrem anstrengend", sagt er. "Die Sänger hören ihre Nachbarn kaum, können sich also nicht aneinander orientieren, und auch der Dirigent hört viel zu wenig", sagt der Leiter des Kirchenchores St. Marien und des Frauenchores Neuscharrel. Deshalb probe er derzeit mit keinem seiner Chöre. Auch ein Projektchor sei nicht in Planung.

Gerold Fuhler hält Konzerte in diesem Jahr für eher unwahrscheinlich

"Natürlich fehlt mir das alles sehr", sagt der Kirchenmusiker. Und auch aus den Chören komme immer wieder die Frage, wann man sich denn mal wieder treffen könne. Einen ersten Termin dafür hat er deshalb schon einmal festgelegt. "Nächsten Dienstag trifft sich der Kirchenchor im Garten des Pfarrhauses, um mit Klavier oder Akkordeon zumindest mal wieder gemeinsam zu singen", erzählt Fuhler. Auch mit dem Frauenchor Neuscharrel sei etwas Ähnliches geplant.

An Konzerte mag Fuhler allerdings noch nicht denken. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr keine reguläre Chorprobe mehr machen werden“, sagt er. "Deshalb plane ich jetzt auch gar nichts an irgendwelchen Konzerten."

Weihnachtskonzert hängt von Rahmenbedingungen und Verordnungen ab

Der Motettenchor wiederum will ein mögliches Weihnachtskonzert derzeit noch nicht vollständig ausschließen. "Das hängt natürlich von den Rahmenbedingungen und von den geltenden Verordnungen ab", sagt Lamping. "Im Hinterkopf haben wir das schon noch irgendwie." Vorerst werde allerdings nur aus dem Repertoire geprobt. "Für Weihnachtsmusik", so Lamping, "ist es etwas zu warm."

Indessen wird von Wissenschaftlern immer häufiger infrage gestellt, ob Chorsingen tatsächlich so gefährlich ist, wie angenommen. Nach Untersuchungen der Münchner Bundeswehr-Universität beispielsweise hält sich das Infektionsrisiko in Grenzen. Anders als beim Niesen oder Husten werde beim Singen kein großes Luftvolumen stoßartig ausgeatmet. Die Luft werde nur im Bereich eines halben Meters vor dem Mund in Bewegung versetzt. Mit Sicherheitsabstand und einer versetzten Aufstellung könne ein Chor einer Tröpfcheninfektion deshalb vorbeugen.


Nachgefragt bei Dr. Josef Willer, Gemischter Chor Bösel:

Wie hält es der Gemischte Chor Bösel mit dem Singen in Zeiten von Corona?

Ich beurteile das gemeinsame Singen im Chor weiterhin kritisch. Aufgrund der Mitgliederzahl ist eine Umsetzung des Abstandsgebotes nicht ausreichend möglich. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist nicht praktikabel.

Läuft im Chor derzeit überhaupt noch irgendetwas?

Nein, alle Probenabende sind bis auf Weiteres abgesagt, es gibt keine Auftritte, das Singen in der Kirche in derzeit auch noch untersagt. Den Sängerball haben wir ebenfalls bereits ausfallen lassen.

Sehen Sie die Möglichkeit, digitale Proben durchzuführen? 

In unserem Chor mit 50 Personen können wir nicht mit Abstand singen und proben. Ich finde, dass „analoge Kontakte“ beim Chorsingen eine große und grundsätzliche Bedeutung haben. Deshalb kann es eine Chorprobe nach meiner Auffassung erst wieder geben, wenn die Corona-Gefahr vorbei ist.

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