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Corona lähmt den Saterfriesisch-Unterricht

Wegen Pandemie findet kein „Seeltersk“ in der Grundschule Scharrel statt. Im Wechselunterricht sei das nicht zu leisten, sagt Lehrerin Ingeborg Remmers.

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Ingeborg Remmers. Foto: Fertig

Ingeborg Remmers. Foto: Fertig

Ingeborg Remmers spricht nicht nur Saterfriesisch, sie bringt die Sprache auch anderen bei. An der „Litje Skoule Skäddel“, der Grundschule in Scharrel, wo sie seit 1994 unterrichtet, setzt sie die Regionalsprache im Unterricht ein. In jedem Jahrgang gibt es eine wöchentliche „Seeltersk“-AG. Außerdem nutzt Remmers Saterfriesisch in der zweiten Klasse, deren Klassenlehrerin sie ist, als Unterrichtssprache. Diese zweisprachigen Klassen gibt es in Scharrel seit 2011.

Allerdings hat Corona die Sprachvermittlung zum Erliegen gebracht. Im Wechselunterricht sei das nicht zu leisten, erklärt Remmers. „Wir müssen gucken, wie es im nächsten Schuljahr weiterläuft.“ Mit ihrer Kollegin Anne Wilkens gibt es an der „Litje Skoule Skäddel“ eine zweite Lehrkraft, die auf Saterfriesisch unterrichten kann. Wilkens ist Klassenlehrerin einer vierten Klasse. Allerdings vermittele sie dort den Lernstoff nicht auf Seeltersk. Dafür hätten alle Eltern zustimmen müssen, und das war nicht der Fall. Ganz klar, sagt die Pädagogin, könnten Schüler in einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft der Sprache zwar begegnen, sie aber nicht von Grund auf lernen. Dazu müssten sich auch die Eltern kümmern.

Doch auch, wenn die dafür aufgeschlossen sind und eingesessene Saterländer, seien oft die Großeltern diejenigen, die Saterfriesisch noch aktiv sprechen – und die wohnten meist nicht mit im Haus. Auch als Unterrichtssprache würde die Sprachvermittlung erst richtig in Schwung kommen, wenn mehr als die Hälfte aller Schulstunden auf „Seeltersk“ gehalten würden – und das vier Schuljahre hindurch. „Das haben wir nicht geschafft“, stellt Remmers fest. Dazu bräuchte man mehr Lehrkräfte, die selbst Saterfriesisch sprechen.

"Saterfriesisch bringt die Menschen gefühlsmäßig noch enger zusammen."Ingeborg Remmers

Sie selbst erlebte in ihrem Wohnort Wittensand, wo sie auch aufwuchs, dass dort alle „Seeltersk“ sprachen. Ingeborg Remmers spricht es auch heute noch täglich mit ihren Nachbarn und natürlich in ihrer Familie. Sie empfindet es als großes Glück, diese Sprache so selbstverständlich vermittelt bekommen zu haben, die für sie ein Stück Identität und Heimat bedeutet. „Man hat sofort eine andere Beziehung zu jemandem, mit dem man sich auf Saterfriesisch unterhalten kann“, sagt die Lehrerin, „auch wenn man sich sonst gar nicht kennt“. Mit Plattdeutsch sei das so ähnlich, aber Saterfriesisch bringe Menschen gefühlsmäßig noch enger zusammen.

Dieses Gefühl anderen zu vermitteln, ist auch ihr Antrieb, „Seeltersk“ mit Schülerinnen und Schülern zu sprechen. Sie sei Optimistin, sagt Ingeborg Remmers, und hoffe sehr, dass die Sprache auch in 50 Jahren noch existiert.


Fakten:

  • Durch die natürliche Abgeschiedenheit der früher beinahe undurchdringlichen Moore, die einst das gesamte Saterland umschlossen, hat sich das Saterfriesische im Mittelalter entwickelt und wurde bis heute bewahrt.
  • Das „Seelterlound“ gilt als kleinste Sprachinsel Europas.
  • Seit August 2010 läuft das Modellprojekt „Das Saterland als Modellregion für frühe Mehrsprachigkeit“ in Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Ostfriesischen und der Oldenburgischen Landschaft.

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