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Corona in Rixheim: Ein Jahr nach dem "unglaublichen Frühling"

Im Frühjahr 2020 gehörte das Elsass zu den Hotspots in Europa. Die Pandemie hat das Leben in Lohnes Partnerstadt nachhaltig verändert. Das zeigen eine Umfrage – und eine Sammlung von "Corona-Kunst".

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Medizinisches Notfallpersonal transportiert einen Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist, von einem Militärkrankenhaus in Mulhouse zu einem Rettungswagen. Im Anschluss wird der Patient mit einem Hochgeschwindigkeitszug in eine andere Klinik verlegt. Foto: dpa/Bozon

Medizinisches Notfallpersonal transportiert einen Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist, von einem Militärkrankenhaus in Mulhouse zu einem Rettungswagen. Im Anschluss wird der Patient mit einem Hochgeschwindigkeitszug in eine andere Klinik verlegt. Foto: dpa/Bozon

Vor einem Jahr wurde die Region um die elsässische Großstadt Mulhouse zu einem der größten Corona-Hotspots in Europa. Die Pandemie traf auch das benachbarte Rixheim, Lohnes Partnerstadt, mit voller Wucht. Krankenhäuser waren völlig überlastet. Die Corona-Todeszahlen schnellten in die Höhe.

Zu Beginn der zweiten Infektionswelle im vergangenen Herbst gehörte das Elsass dann lange Zeit zu den französischen Regionen, die am wenigsten betroffen waren. Doch kurz vor Weihnachten schnellten die Zahlen auch dort wieder in die Höhe – mit dem Höhepunkt Ende Januar 2021, als sich 1.162 Personen wegen einer Covid-19-Infektion in den Krankenhäusern befanden.

Nunmehr geht die Zahl der Corona-Fälle stetig zurück. Derzeit gelten noch 902 Menschen als erkrankt. Zurückzuführen ist dies nach Ansicht der Experten auf die drastischen Beschränkungen in Frankreich. So bleibt die nächtliche Ausgangssperre ab 18 Uhr voraussichtlich bis zum 31. März bestehen. Einzelhändler und Dienstleister bleiben geschlossen, mit Ausnahme von Lebensmittelläden und den beliebten "Tabacs". Große Supermärkte mit mehr als 20.000 Quadratmetern Fläche dürfen ebenfalls nicht öffnen – wie der "Carrefour" an der Rixheimer Grenze zu Illzach.

Solidarität und Optimismus möchte die Rixheimerin Anne Butz mit diesem Foto zum Ausdruck bringen, das für die Aufarbeitung eines unglaublichen Frühlings“ in Lohnes Partnerstadt gemacht wurde. Foto: ButzSolidarität und Optimismus möchte die Rixheimerin Anne Butz mit diesem Foto zum Ausdruck bringen, das für die Aufarbeitung „eines unglaublichen Frühlings“ in Lohnes Partnerstadt gemacht wurde. Foto: Butz

Schulen sind geöffnet, solange nichts Unvorhergesehenes geschieht. In der Grundschule Ile-Napoléon wurden nach mehreren Corona-Infektionen 2 Klassen in Quarantäne versetzt. Die Angst vor den Virus-Mutationen ist auch in Rixheim allgegenwärtig. Als sich in der Grundschule und im Kindergarten "Les Romains" einige Lehrkräfte und Schüler infizierten, wurde der Betrieb eingeschränkt – bis dort ein Fall der südafrikanischen Mutante auftrat. Seitdem müssen das Kollegium und 400 Schüler daheim bleiben.

Gerne wäre Rixheim eines der Impfzentren für das Département Haut-Rhin geworden. Doch die Anfrage wurde abgelehnt. So müssen die Rixheimer nun nach Mulhouse fahren. Die Impfungen liefen etwas zögerlich an. Am vergangenen Donnerstag begannen sie im Seniorenheim "Les Glycines", wo sich 29 von 61 Bewohnern freiwillig impfen ließen.

Mehr als 140 Rückmeldungen auf Corona-Fragebogen

Corona hat das Leben in Rixheim nachhaltig verändert. Im Sommer hatte die Stadt einen 24 Fragen umfassenden Katalog an die Bevölkerung verteilt mit der Bitte, persönliche Erfahrungen einzubringen. Über die 140 Rückläufer, davon 75 Prozent Frauen, waren die Organisatoren angenehm überrascht.

Die Ratsmitglieder Alexandre Durrwell, Dominique Thomas und Bérengère Micodi kamen bei der Aufarbeitung der Umfrage zu überraschenden Ergebnissen. Genau die Hälfte gab an, dass für sie die Solidarität während der Krise im Mittelpunkt gestanden habe. Fast zwei Drittel drückten das aktiv aus, indem sie besonders belastete Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen, den Läden und so weiter mit kleinen Geschenken bedachten. Am zweitwichtigsten war die Fortführung des schulischen Betriebs (13 Prozent).

Bei 30 Prozent drehten sich die Ängste um die eigene Gesundheit und jene der Familie. Zukunftssorgen bereiteten die globale Ungewissheit (22 Prozent) und der Verzicht auf zwischenmenschliche Kontakte (14 Prozent).

Rixheimer wollen sensibler mit Umwelt umgehen

Positiv wurde indes der Umweltaspekt aufgenommen: Zurückgehende Belastungen registrierten die Rixheimer bei der Luftverschmutzung (35 Prozent), den Geräuschen (33 Prozent) und sichtbaren Belastungen (19 Prozent). Nur 13 Prozent legten Vorräte an. Zwei Drittel kauften vor allem bei lokalen und regionalen Anbietern ein, während 24 Prozent angaben, das Internet stärker für die Einkäufe zu nutzen.

Interessant war auch der Nachhaltigkeitsgedanke. Die Autoren kommentieren das so: "Eine große Mehrheit gab an, gute Dinge fortführen zu wollen." Das betrifft sowohl das soziale Leben, die Verantwortung für die Umwelt, die Konsumgewohnheiten und insbesondere die Einbeziehung lokaler Anbieter.

"Corona-Kunst" soll in Theaterstück verarbeitet werden

Auch für Rat und Verwaltung gab es viele Anregungen, von der Verbesserung der Kommunikation, der weitergehenden Öffnung der Abfallentsorgung bis zur Aufrechterhaltung des Wochenmarktes. Ganz konkret handelt die Stadt, indem während der Ausgangssperre nur noch jede zweite Straßenlampe eingeschaltet wird.

In vielerlei Hinsicht war es 2020 in der Tat "ein unglaublicher Frühling" in Rixheim. Unter diesem Motto stand eine kleine Sammlung, in der sich die Bevölkerung mehr oder weniger künstlerisch einbringen konnte. Die Resonanz war beachtlich. Die Corona-Zeit wurde in Fotos, Videos, Geschichten, Gedichten und Gemälden aufgearbeitet. Die Initiatoren wollen daraus ein Theaterstück entwickeln, welches aufgeführt wird, sobald es die pandemische Lage zulässt.

Grundschule und Kindergarten Les Romains in Rixheim sind derzeit geschlossen, nachdem dort die südafrikanische Mutante des Coronavirus nachgewiesen wurde. Foto: SteinkeGrundschule und Kindergarten "Les Romains" in Rixheim sind derzeit geschlossen, nachdem dort die südafrikanische Mutante des Coronavirus nachgewiesen wurde. Foto: Steinke

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