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Cloppenburgs Landrat Wimberg kritisiert "Datenfriedhof" mit Corona-Zahlen

Die Gesundheitsämter melden beim ersten Wochen-Update 7538 Neuinfektionen. Der Impfstoff Novavax floppt im Kreis Cloppenburg. Und: Landrat Wimberg beklagt die Überlastung durch unnötige Datenerhebung.

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Symbolfoto: dpa

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Mit dem Wegfall der meisten Corona-Regeln haben die beiden Kreishäuser in Vechta und Cloppenburg auch die werktägliche Meldung der Infektionszahlen beendet. Mit den Kreisverwaltungen hat sich OM-Online auf ein wöchentliches Update verständigt. Das soll es künftig jeden Mittwoch geben. In diesem ersten Wochen-Update geht es um die Entwicklungen vom 1. bis 6. April. Im gesamten Oldenburger Münsterland sind  insgesamt 7538 neue Coronafälle nachgewiesen worden (Hinweis: Im Kreis Vechta wurden auch die Fälle vom 31. März mitgerechnet):

Die Corona-Lage im Landkreis Cloppenburg

Seit dem letzten Update am vergangenen Freitag liegen dem Cloppenburger Gesundheitsamt 2513 neue positive Testergebnisse vor. Die neuen Coronafälle verteilen sich wie folgt auf die 13 Städte und Gemeinden:

  • Barßel: 214
  • Bösel: 122
  • Cappeln: 109
  • Cloppenburg: 466
  • Emstek: 174
  • Essen: 97
  • Friesoythe: 370
  • Garrel: 159
  • Lastrup: 135
  • Lindern: 67
  • Löningen: 244
  • Molbergen: 122
  • Saterland: 234

Laut aktuellen Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (kurz: Divi) liegt zurzeit kein Covid-19-Patient auf der Intensivstation eines der Krankenhäuser im Landkreis Cloppenburg. Weitergehende Krankenhauszahlen werden von der Cloppenburger Kreisverwaltung nicht mehr veröffentlicht.

Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch für den Landkreis Cloppenburg eine 7-Tage-Inzidenz von 1876,2 gemeldet. Das ist ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Zum Vergleich: Vor genau einer Woche lag der Inzidenzwert mit 1270,3 deutlich niedriger. Die aktuelle Berechnung des RKI basiert auf 3239 nachgewiesenen Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen.

Die Corona-Lage im Landkreis Vechta:

Dem Vechtaer Gesundheitsamt sind vom 31. März bis 6. April 5025 neue positive Testergebnisse gemeldet worden. Die neuen Coronafälle verteilen sich wie folgt auf die 10 Städte und Gemeinden:

  • Bakum: 237
  • Damme: 607
  • Dinklage: 351
  • Goldenstedt: 395
  • Holdorf: 270
  • Lohne: 864
  • Neuenkirchen-Vörden: 217
  • Steinfeld: 348
  • Vechta: 1297
  • Visbek: 439

Laut aktuellen Angaben aus dem Vechtaer Kreishaus werden zurzeit 28 infizierte Patienten stationär in einem der Krankenhäuser im Kreisgebiet behandelt. Allerdings liegt kein Covid-Patient auf der Intensivstation.

Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch für den Landkreis Vechta eine 7-Tage-Inzidenz von 1264,5 gemeldet. Zum Vergleich: Vor genau einer Woche lag der Inzidenzwert mit 2002,8 deutlich höher. Die aktuelle Berechnung des RKI basiert auf 1817 nachgewiesenen Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen. Das liegt deutlich unter den Zahlen, die das Vechtaer Gesundheitsamt am Mittwochnachmittag veröffentlicht hat. Allein von Dienstag auf Mittwoch ist der Inzidenzwert drastisch gesunken. Am Dienstag hat das RKI noch einen Wert von 1701,5 gemeldet.


Impfstoff von Novavax floppt im Landkreis Cloppenburg

Eine ernüchternde Bilanz zieht die Cloppenburger Kreisverwaltung auf Anfrage von OM-Online zur Impfkampagne mit dem zuletzt zugelassenen Protein-Impfstoff von Novavax. Demnach sind seit dem 2. März insgesamt 141 Impfungen durchgeführt worden. Dabei handelt es sich laut Angaben von Kreissprecher Frank Beumker um Erst- und Zweitimpfungen.

Wie bereits berichtet, hatte man in die Zulassung des Impfstoffes große Hoffnungen gesetzt. Viele Impfverweigerer wollten sich partout nicht mit den neuartigen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna schützen, weil sie zu große Nebenwirkungen fürchteten. Vor dem Hintergrund der weiterhin unterdurchschnittlichen Impfquote im Landkreis Cloppenburg ist die nun festgestellte mangelnde Resonanz umso mehr ein Rückschlag. Die mobilen Impfteams des Landkreises Cloppenburg haben mit Stand vom 5. April 2094 Erst-, 2589 Zweit- und 21.873 Booster-Impfungen durchgeführt. Bei der Sonderimpfaktion für 5- bis 11-Jährige wurden bisher 2292 Impfungen von den mobilen Impfteams verabreicht.

"Der Landkreis Cloppenburg hat mit einer höheren Nachfrage nach dem Impfstoff von Novavax gerechnet", gibt Kreissprecher Beumker am Mittwoch zu. Der "Run auf den proteinbasierten Impfstoff Nuvaxovid" sei aber ausgeblieben "und hat nicht den erhofften Effekt für das Schließen der Impflücke gebracht".  Auch Landrat Johann Wimberg zeigt sich abermals enttäuscht über die "sehr geringe Resonanz". Er fordert erneut die allgemeine Impfpflicht, "um weiteren Infektionswellen besser begegnen und die vom RKI erwartete Impfquote von über 90 Prozent der Erwachsenen erreichen zu können."

"Wir binden hier unnötig Personal und produzieren einen ,Datenfriedhof' mit Zahlen, die in ganz Deutschland nicht zutreffend sind."Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg zur Überlastung der Gesundheitsämter

Bei der Impfpflicht befürchtet Landrat Johann Wimberg allerdings "faule politische Kompromisse", wie sie aktuell auch bei der Kehrtwende zu den Quarantäne-Regelungen zu sehen seien. Wie bereits berichtet, hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach überraschend in der Nacht zu Mittwoch verkündet, dass es nun doch bei der Quarantäne-Pflicht bleiben solle. "Irren ist menschlich und daher will ich auch den Bundesgesundheitsminister nicht grundsätzlich dafür kritisieren, dass er seine Meinung geändert hat", räumt Wimberg gegenüber OM-Online ein. Aber: "Ärgerlich ist das ständige Hin und Her, das das ohnehin angekratzte Vertrauen in die Corona-Politik weiter beschädigen wird."

Auch mit Blick auf die weiterhin hohen Infektionszahlen sei es nachvollziehbar, dass man nun doch nicht auf die freiwillige Isolation setzen wolle, "um einer ungebremsten Ausbreitung von Infektionen entgegenzuwirken". Gleichwohl habe Lauterbach bei der Vorstellung der Pläne argumentiert, dass mit dem Ende der Quarantäne-Pflicht  die Gesundheitsämter entlastet werden sollten. "Diese Überlastung ist seit Langem bekannt", betont Wimberg am Mittwoch. "Diesbezüglich wäre aber die Aufhebung der Quarantänepflicht gar keine so große Hilfe gewesen, wenn weiterhin die Daten der positiv Getesteten sinnlos erfasst werden müssen." Eine Pflicht zur Isolierung könne man auch ohne eine personelle Einbindung der Gesundheitsämter organisieren.

Eine reelle Entlastung könne nur darin bestehen, die Erfassung von Coronafällen "umgehend einzustellen oder auszusetzen", denn die Zahlen brächten keinen Erkenntnisgewinn. "Vielmehr binden wir hier unnötig Personal und produzieren einen ,Datenfriedhof' mit Zahlen, die in ganz Deutschland nicht zutreffend sind, weil die Erfassung der Entwicklung nicht nachkommen kann", kritisiert Wimberg. Diesen Umstand kritisierte auch die Leiterin des Vechtaer Gesundheitsamtes, Sandra Guhe, im Interview mit OM-Online.


Der große Teil der Leser von OM-Online hätte sich wohl an die ursprünglich ab dem 1. Mai geplante freiwillige Isolation gehalten. Das ist zumindest das Ergebnis eines Social-Media-Votings, das aufgrund der überraschenden Kehrtwende von Gesundheitsminister Lauterbach vorzeitig beendet wurde, auf den Kanälen bei Instagram und Facebook. Von den 2474 teilnehmenden Usern stimmten 69,8 Prozent mit „Ja“ – sie würden sich im Falle einer Infektion auch freiwillig in Isolation begeben.


Die Corona-Lage bilden wir (soweit wie möglich) auch weiterhin täglich aktualisiert auf unserer Corona-Sonderseite www.om-online.de/corona ab. Hier finden Sie die vom Robert-Koch-Institut und Landesgesundheitsamt zur Verfügung gestellten Daten von uns grafisch aufbereitet. Dazu auf einem Blick: die aktuellsten Meldungen und Berichte zum Thema Corona.

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