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Cloppenburger Tafel spürt den verstärkten Andrang

Neben der ursprünglichen Kundschaft kommen nun auch zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine zu dem Verein. Bislang gibt es genügend Lebensmittel, eine Extra-Ausgabe findet an Karsamstag statt.

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Kisten packen: Während die letzte Lieferung noch von den Helfern verarbeitet wurde, startete am Donnerstag bereits die Ausgabe. Foto: Hermes

Kisten packen: Während die letzte Lieferung noch von den Helfern verarbeitet wurde, startete am Donnerstag bereits die Ausgabe. Foto: Hermes

Der Tag beginnt früh für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel, mit den Geflüchteten aus der Ukraine hat sich die Anzahl der Kunden rasant erhöht. Ende März kamen 212 Personen in 47 Familien aus der Ukraine zur Tafel, davon waren 165 Kinder. Nur 1 Woche später waren es bereits 301 Menschen aus 70 Familien, davon 231 Kinder und Jugendliche.

"Und es wird weiter steigen", erklärt Vorsitzender Elmar Dubber, der jeden Donnerstagvormittag die Neuankömmlinge registriert. Man setze alles daran, ausreichend Lebensmittel zu besorgen. "In dieser Woche waren wir Montag bis Mittwoch jeden Tag voll im Einsatz, am Donnerstag sind zwei Transporter unterwegs", so Dubber. Während der Registrierung gibt es quasi eine Lebensberatung kostenlos dazu. Ein Infoblatt zur Impfung und der Hinweis für Sozialleistungen gehören zum Standardrepertoire.

Eine entscheidende Rolle spielt Lilia Einsle-Schulz, die Helferin spricht Russisch und kann somit übersetzen. "Ohne sie geht es nicht", sagt Dubber, und das zeigt sich auch an diesem Morgen. Als Einsle-Schulz einmal kurz nicht da ist, steht Dubber vor einem Problem. Er tauscht fragende Blicke mit einer Ukrainerin aus, die Kommunikation mit Händen und Füßen funktioniert nur in Teilen.

Bei der Registrierung: Elmar Dubber und Lilia Einsle-Schulz. Foto: HermesBei der Registrierung: Elmar Dubber und Lilia Einsle-Schulz. Foto: Hermes

Zurzeit hat die Tafel vor der eigentlichen Ausgabe einen eigenen Zeitraum für Ukrainer geschaffen. Dies habe für geteilte Meinungen und auch durchaus Unmut gesorgt. "Das wurde aber schnell geklärt, niemand geht leer aus", sagt Dubber. Er habe den Menschen erklärt, dass die Geflüchteten zurzeit vor dem Nichts stehen. Für den April sind sie auch von der Schutzgebühr befreit, ab Mai muss dann gezahlt werden.

Erwachsene zahlen 2 Euro Schutzgebühr für die Lebensmittel

Pro Erwachsenem werden 2 Euro erhoben, für Kinder sind es 50 Cent. Der Maximalbetrag für eine Familie ist auf 8,50 Euro gedeckelt. Wie Mitarbeiter Andres Jüttner berichtet, tausche man sich auch mit anderen Tafeln aus: "Wir haben jetzt zum Beispiel viele Weintrauben bekommen, die wir dann tauschen. Andere haben dann etwas, was wir gebrauchen können."

Nach der Registrierung am Vormittag beginnt die eigentliche Arbeit. Bereits in den ersten Minuten ist der Ansturm groß, mittendrin kommt ein Lkw-Fahrer, der noch eine Ladung mit Salat, Sushi und Fertiggerichten dabei hat. Schnell wird alles koordiniert, trotz der aufkommenden Hektik bleiben die ehrenamtlichen Helfer ruhig, freundlich und besonnen. Während an einer Station noch gepackt wird, startet die Ausgabe. Wie wichtig und teilweise auch schwierig die Kommunikation ist, zeigt sich auch während des Nachmittages. Weil so viele Lebensmittel vorhanden sind, entscheidet sich die Tafel kurzerhand für eine weitere Ausgabe am Karsamstag um 13 Uhr. Dies den Kunden mitzuteilen, gestaltet sich ohne Dolmetscher teilweise schwierig.

Unabhängig vom Ukraine-Krieg ist die Anzahl der Kunden im normalen Rahmen gestiegen. "Vieles wird teurer, die Inflationsrate steigt seit Monaten. Insbesondere Menschen mit geringem Einkommen nehmen das sehr wohl wahr und nutzen die besonderen Angebote des Handels genauso wie die Angebote der Tafeln", so Dubber weiter. Die von der Tafel verteilten Lebensmittel seien alle gespendet, sie stammten teils aus Überproduktionen, Kundenreklamationen oder seien Spenden von Firmen aus der Region.

Im Oldenburger Münsterland seien die Tafeln im ständigen Kontakt mit Herstellern der Lebensmittelindustrie. So rette man laut Dubber Waren, die ansonsten vernichtet würden. "'Verteilen statt Vernichten' ist unser Wahlspruch, den man auch im Logo wiederfindet", erklärt der Vorsitzende. Man kümmere sich mit dieser Art von Notversorgung um Menschen, die ohne Einkommen sind. Als gemeinnütziger Verein mache man immer wieder Öffentlichkeitsarbeit, niemand müsse sich schämen, dorthin zu gehen. "Die Tafel ist seit 16 Jahren in Cloppenburg präsent", sagt Dubber. Andere soziale Dienste würden auch immer wieder darauf hinweisen, dass Bedürftige so Geld beim Lebensmittelkauf sparen können.

Ausgabe: An verschiedenen Stationen geben die Helfer die Lebensmittel heraus. Foto: HermesAusgabe: An verschiedenen Stationen geben die Helfer die Lebensmittel heraus. Foto: Hermes

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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