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Cloppenburger Sternsinger trotzen dem Personalmangel

Obwohl die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich an der Aktion beteiligt haben, geringer ist als vor Corona, kam bei der Aktion wieder eine beachtliche Spendensumme von über 20.000 Euro zusammen.

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Den Segen zu den Häusern gebracht: Nach zwei Jahren Pause konnten die Sternsinger in Cloppenburg wieder persönlich von Haus zu Haus gehen. Foto: Dickerhoff

Den Segen zu den Häusern gebracht: Nach zwei Jahren Pause konnten die Sternsinger in Cloppenburg wieder persönlich von Haus zu Haus gehen. Foto: Dickerhoff

In Großbritannien müssen sie noch bis Anfang Mai warten, bis Charles die Krone tragen darf. In Cloppenburg hingegen zogen am Samstag (7. Januar) wieder zahlreiche gekrönte Könige und Königinnen durch die Stadt. Denn nachdem die Sternsinger zuletzt wegen der Coronapandemie nur sehr eingeschränkt im Einsatz sein durften, konnten sie jetzt wieder das tun, was die weltweit größte Spendenaktion von Kindern und Jugendlichen für Kinder ausmacht: Sie gingen von Haus zu Haus, um den Segen an die Türen und Fassaden zu schreiben beziehungsweise zu kleben und dabei Geld für Kinder in Not zu sammeln.

Und das mit Erfolg. Mehr als 20.000 Euro sind bei der Aktion im Cloppenburger Stadtgebiet zusammengekommen – eine beachtliche Leistung des royalen Nachwuchses. Denn auch die Sternsinger leiden mehr und mehr unter Fachkräftemangel. Die Zeiten, in denen es kein Problem war, junge Menschen für das Sternsingen zu begeistern, sind auch im katholisch geprägten Cloppenburg vorbei. Wobei sich hier interessanterweise in den verschiedenen Teilen der Kirchengemeinde in diesem Jahr sehr starke Unterschiede zeigen.

Vielerorts weniger Sternsinger als früher

Im größten Bezirk, dem Bereich der St.-Andreas-Kirche, waren gut 60 junge Sterndeuter unterwegs. Das ist natürlich eine beachtliche Menge, aber trotzdem deutlich weniger als noch vor einigen Jahren. Dennoch waren auch dieses Mal wieder alte Hasen mit dabei. Beispielsweise die 16-jährige Julia, die mit 7 Jahren das erste Mal mit Krone, Stern und Kreide unterwegs war. Aber auch Neulinge gingen für die gute Sache mit. Henrik zum Beispiel war dabei, weil seine Geschwister das auch schon gemacht haben. Und die Brüder Zacharias und Balthasar (ja, er heißt wirklich so) zogen mit ihrer Cousine Tessa als Caspar, Melchior und Balthasar los. Außerhalb Großbritanniens ziehen royale Familien halt doch noch an einem Strang.

Sternsingen ist Familiensache: Die Brüder Balthasar und Zacharias gingen mit ihrer Cousine Tessa von Haus zu Haus. Foto: DickerhoffSternsingen ist Familiensache: Die Brüder Balthasar und Zacharias gingen mit ihrer Cousine Tessa von Haus zu Haus. Foto: Dickerhoff

Im Gemeindeteil St. Augustinus geht die Zahl der Sternsinger ebenfalls zurück. 6 Gruppen mit jeweils 3 Leuten haben sich gefunden. "Damit können wir unser Gebiet gerade so abdecken", heißt es von Alexander Göken, der mit der Jugend St. Augustinus hier federführend war. Über die Gründe für die geringe Beteiligung kann er nur spekulieren: "Wegen Corona war länger nichts. Vielleicht liegt es auch einfach am zunehmenden Desinteresse an der Kirche." Denn Werbung habe man genug gemacht, ob in Schulen oder über Social Media. Dass überhaupt noch 6 Sternsingergruppen zusammengekommen sind, konnte nur über viel Klinkenputzen erreicht werden, so Göken.

St. Bernhard und St. Josef als großer Gegensatz

Doch von so abnehmender Beteiligung wie "nur" 60 Sternsinger bei St. Andreas oder 6 Gruppen bei St. Augustinus können sie in Emstekerfeld nur träumen. Im Gemeindeteil St. Bernhard haben sich lediglich 8 Kinder für die Aktion gemeldet, erzählt Ulrike Groneick vom dortigen Organisationsteam. Mit 2 Gruppen kann der Bereich natürlich nicht abgedeckt werden. Vor Corona habe man meist um die 8 Gruppen gehabt, heißt es. Auch Groneick sieht eine Mitschuld bei der Pandemie, die einiges kaputtgemacht habe. "Vielleicht ist es aber auch einfach so eine Art Generationswechsel", sagt sie. Bleibt zu wünschen, dass hier eine neue Generation für die Sternsinger heranwächst. Denn so gingen die 2 Gruppen, die es gab, nicht von Haus zu Haus, sondern verteilten die Segens-Aufkleber in einem Gottesdienst und sammelten dort Spenden.

Aber in puncto Personal gibt es in Cloppenburg auch einen Lichtblick. Und der heißt St. Josef. Hier haben sich ganze 40 Kinder und Jugendliche beteiligt, zusätzlich noch 12 Mitglieder der Messdiener-Oberrunde. Insgesamt als 52 Sternsinger für den Bezirk – mehr als notwendig. "Dieses Jahr lief richtig gut. Wir sind selbst ein wenig überrascht", gibt Mitorganisator Max Huge zu. Man habe sich aber auch extrem gekümmert, zahlreiche Telefonnummern durchgeklingelt und Freunde animiert. Außerdem könne man sich auf viele erfahrene Sternsinger verlassen, meint Huge. "Vom Pius-Stift wird uns immer gesagt, wer kommen soll, weil die das schon so lange da machen".

Vielleicht finden sich im kommenden Jahr auch in den anderen Gemeindeteilen wieder mehr Kinder und Jugendliche, die bei der Aktion mit dabei sein wollen. Und auch, wenn die Teilnehmerzahl in diesem Jahr in Cloppenburg geringer war. Eines sollte nicht vergessen werden: Dass junge Menschen im Januar einen ganzen Tag durch die Stadt laufen und für den guten Zweck mehr als 20.000 Euro sammeln – das ist definitiv eine großartige Sache, die gewürdigt gehört. 

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