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Cloppenburger möchte Briefe gegen die Einsamkeit schreiben lassen

Dr. Christian Lüken möchte Menschen zum Klönen, Schnacken und Briefe schreiben motivieren. Gerade in der Pandemie sei das ein Lichtblick.

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Briefe können glücklich machen: Dr. Christian Lüken sucht weitere Mitstreiter für das Projekte „Briefe gegen die Einsamkeit“ der Ehrenamtsagentur. Foto: Götting

Briefe können glücklich machen: Dr. Christian Lüken sucht weitere Mitstreiter für das Projekte „Briefe gegen die Einsamkeit“ der Ehrenamtsagentur. Foto: Götting

Das war vermutlich eine kleine Sensation, als vor rund 60 Jahren der junge Christian Lüken Post aus den Vereinigten Staaten bekam ... Luftpost, bunte Briefmarke und eine Fülle englischer Wörter. „Das hat mir aber den Blick für die Welt geöffnet“, erinnert sich Dr. Christian Lüken bei einem Gespräch in der Cloppenburger Ehrenamtsagentur lebhaft. Den Kontakt in die Staaten habe damals seine Schule vermittelt. Er konnte sich fortan mit einer Brieffreundin in Colorado austauschen.

Faszinierend sei die Möglichkeit gewesen, sich mit einem Menschen in einer ganz anderen Welt auszutauschen. „Ich war fleißig dabei. Hauptsache schreiben, egal wie gut mein Englisch gerade war“, berichtet der vitale Theologe. Briefe gehörten fortan zu seinem Leben, in den unterschiedlichsten Situationen. Und viele davon haben bis heute noch eine große Bedeutung. Als junger Mann entschied er sich nach dem Abitur für ein Theologiestudium in Rom. Vier Jahre war er dort und natürlich ging es dort recht bald um Briefe, die fast jeder kennt. Die Briefe der Apostel, die von Christusjüngern geschrieben wurden oder aus der Feder von frühen Kirchenmitgliedern stammen.

„Briefe haben einen ganz anderen Wert als e-Mails oder Chat-Nachrichten.“Dr. Christian Lüken

Doch in Rom beschäftigten den angehenden Theologen noch weitere Briefe. Kurz vor Aufnahme seines Studiums hatte Christian Lüken noch Adressen getauscht, unter anderem mit einer jungen Dame, die später seine Frau wurde. Und so spielten Briefe in Lükens Werdegang immer eine große Rolle, und das änderte sich auch mit dem Einzug der Digitalisierung nicht. „Briefe haben einen ganz anderen Wert als e-Mails oder Chat-Nachrichten“, ist sich der Cloppenburger sicher. Seit einigen Jahren ist Dr. Lüken nun im Ruhestand und engagiert sich ehrenamtlich an vielen Stellen. So hat es ihm das Haus Bethanien im Schatten der St.-Andreas-Kirche vor einiger Zeit angetan. Dort kümmern sich Ehrenamtliche um psychisch Erkrankte und es gab bis zu den Corona-Einschränkungen ein Café, in dem sich Betreuer und Erkrankte regelmäßig trafen.

Die Pandemie bedeutete das vorläufige Aus für die geselligen und wichtigen Treffen. Weil man aber die Klienten des Hauses Bethanien nicht der Einsamkeit überlassen wollte, gründete man dort einen Arbeitskreis von zehn Schreibern, die an rund 50 Personen regelmäßig Postkarten schreiben. „Die Freude bei den Empfängern war riesengroß“, berichtet Lüken. Dieses erfolgreiche Konzept verfolgte er dann auch über die Ehrenamtsagentur, in der er ebenfalls engagiert ist. Mit dem Seniorenpark Lokschuppen hatte man sich auf eine Kooperation verständigt und das Projekt „Briefe gegen die Einsamkeit“ aus der Taufe gehoben. „Wir haben 30 Grußkarten selbst hergestellt und einige nette, einfühlsame Worte hineingeschreiben. Inzwischen gibt es bereits elf Rückmeldungen.“ Das ist für Christian Lüken nicht nur erfreulich, sondern genau der Effekt, den er erreichen wollte. „Ich möchte, dass wieder so etwas wie eine Brieffreundschaft entsteht, eine Verbindung, die die Briefempfänger bewegt und motiviert und die Einsamkeit vergessen lässt.“

Niemand muss Romane schreiben

Die Pandemie habe viele Menschen eingeengt, aber Briefe könnten, wie in seiner Jugend, den Horizont vieler Menschen wieder weiten. Für die Zukunft hat er sich mit einigen Mitstreitern schon etwas vorgenommen. Zwei Briefschreiber haben bereits zugesagt. So will er beispielsweise mit dem St.-Pius-Stift kooperieren und die dortigen Bewohner anschreiben. Auch Klönen und Schnacken per Telefon soll möglich sein. Dafür sucht Lüken jetzt weitere kontaktfreudige Personen, die er für diesen Dienst am Mitmenschen auch ausbilden will. „Keine Sorge, niemand muss hier Romane schreiben. Es geht um freundliche, positive Konversation, die man leicht erlernen kann. Es gibt ja auch so vieles aus dem Alltag über das man sich austauschen kann“, weiß Lüken selbst. Wer beim Briefschreiben oder Klönen und Schnacken mitwirken will, kann sich coronakonform per Telefon oder per Zoom „coachen“ lassen.


Anmeldungen unter info@ ehrenamtsagentur.de oder unter 04471-850 45 32.

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