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Cloppenburg: 180 Teilnehmer bei Corona-Demo

Die Veranstaltung der Gruppe „Eltern für Aufklärung und Freiheit“ hat am Samstagnachmittag in der Kreisstadt stattgefunden. Zahlreiche Polizeikräfte sicherten das Geschehen ab.

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Aufnahme um 14 Uhr: Eine Stunde nach Demobeginn schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf 180. Foto: Hermes

Aufnahme um 14 Uhr: Eine Stunde nach Demobeginn schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl auf 180. Foto: Hermes

Rund 180 Teilnehmer waren laut Polizeischätzung zur Demonstration der Gruppe „Eltern für Aufklärung und Freiheit" am Samstagnachmittag nach Cloppenburg gekommen. Anmelder Pawel Koch selbst sprach von über 200 Personen, die Organisatoren hatten 500 Personen angemeldet. Bei der Gegenveranstaltung der Jungsozialisten waren nach Angaben der Beamten rund 90 Teilnehmer vor Ort.

„Noch vor dem Start der Demonstration gab es eine Störaktion durch einen Besucher", erklärte Polizei-Sprecherin Nadine Luttmann am Rande der Veranstaltung. Der 37-Jährige aus Emstek habe lautstark seinen Unmut über die Maskenpflicht sowie die Polizei geäußert. Ihn erwartet nun ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und Widerstand gegen Polizeibeamte. Im Einsatz waren Kräfte der Cloppenburger Polizei, der Bereitschaftspolizei in Oldenburg sowie städtische Mitarbeiter vom Ordnungsamt. „Es waren ausreichend Polizisten vor Ort, um den Infektionsschutz zu gewährleisten", so Luttmann. Genaue Zahlen nannte sie nicht.

Einsatzkräfte kontrollieren Teilnehmer ohne Maske

Einen Eilantrag der Veranstalter hatte das Oberverwaltungsgericht am Freitagabend abgelehnt und damit der Stadt und Polizei mit den Auflagen Recht gegeben. Die Demonstranten wollten die Maskenpflicht kippen, zudem war ursprünglich ein Protestzug durch die Kreisstadt geplant. So blieb es bei der Kundgebung.

Polizeikräfte sicherten das Geschehen ab. Foto: VorwerkPolizeikräfte sicherten das Geschehen ab. Foto: Vorwerk

Immer wieder kontrollierten die Einsatzkräfte Teilnehmer, die ohne Maske auf dem Platz vor der Roten Schule standen. „In zahlreichen Fällen wurde ein Attest gezeigt. Diese wurden überprüft", so Luttmann weiter. Hin und wieder reichten diese offenbar nicht aus, die betroffenen Teilnehmer trugen danach eine Mund-Nasen-Bedeckung oder verließen teils wütend die Veranstaltung.

Insgesamt wurden im Rahmen der Versammlung neun Verstöße gegen die Maskenpflicht festgestellt. Entsprechende Ordnungswidrigkeitenanzeigen seien gefertigt worden. „Gegen 15 Uhr konnte eine leichte Abwanderungstendenz der Teilnehmer festgestellt werden. Gegen 15.50 Uhr wurde die Versammlung beendet", teilte die Polizei am Abend mit. 

Veranstalter: "Es ist eine friedliche Demo"

Pawel Koch, der die Demonstration für die Gruppe angemeldet hatte, sprach als einer der ersten Redner. Er betonte, dass man eine friedliche Versammlung wolle. „Wir sind keine Linken und keine Rechten, wir wollen nur unsere Kinder schützen", so Koch. Die Maske sei seiner Meinung nach keine Hilfe, sondern ein Problem und habe keine Wirkung. Zudem sei noch nicht bewiesen worden, dass sie keinen Schaden verursachen würde.

Auch wenn die Maske zu Beginn der Pandemie noch nicht als Mittel zur Eindämmung des Virus gesehen wurde, zeigen entgegen Kochs Behauptung inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit als eine von mehreren Maßnahmen. So hatten jüngst Forscher der Universität Tokio nach eigenen Angaben in einer neuen Studie nachgewiesen, dass Stoffmasken oder chirurgische Masken beim Gegenüber die Belastung mit dem Coronavirus verringern.

Experten sehen auch für Kinder und Jugendliche keine Gefahr beim Tragen von Masken. „Die gängigen Alltagsmasken sind gasdurchlässig, es gibt also keinen Sauerstoffmangel oder nennenswerte CO2-Retention bei gesunden Kindern und Jugendlichen bei auch längerem Tragen", hatte Dr. med. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, jüngst in einem Interview gegenüber dem Focus-Magazin erklärt.

Die Gegendemo 
Die Gegendemo
Die Gegendemo
Die Gegendemo
Die Gegendemo
Die Gegendemo
Pawel Koch, Organisationsteam.
Natalie, Mutter von zwei Kindern.
Dr. Manfred Dittmar

Der Atemwegswiderstand sei zwar erhöht, je dichter die Maske ist, was gesunde Kinder und Jugendliche unter ruhender Tätigkeit aber problemlos kompensieren könnten. „Die in sozialen Netzwerken verbreiteten Meldungen, Kinder würden durch das Tragen der Masken Pilzerkrankungen der Lunge oder eine Borkenflechte entwickeln oder sogar versterben, ohne dass sie es merken, halten keinem Faktencheck stand, es sind Fake-News", so Rodeck weiter.

Ein Teilnehmer sprach im Video gegenüber OM online erneut über drei angeblich verstorbene Kinder aufgrund der Maske. Wie berichtet, hatten die Polizei Unterfranken, ein Bestattungsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen und ein Staatsanwalt aus Aurich jeweiligen Gerüchten allerdings klar widersprochen.

Mutter macht Grundschule schwere Vorwürfe

Schwere Vorwürfe hat eine zweifache Mutter, die sich als Natalie vorgestellt hat, gegen die Grundschule ihrer Kinder erhoben. Ihr Sohn habe ein Maskenbefreiungsattest, was nach den Sommerferien zu einem Konflikt geführt habe, wie der Sohn zu behandeln sei. Dem Kind sei für den gesamten Tag der Toilettengang verweigert worden und es durfte das Klassenzimmer nicht verlassen.

An den Gemeinde-Unfallversicherungsverband hat sie sich mit der Frage gewendet, wie es um den Versicherungsschutz bestehe, wenn aufgrund des Tragens einer Maske dem Kind schwindelig werde, es stürzt und sich schwer verletzt – vielleicht sogar mit Langzeitfolgen. Auch in diesem Fall würde ein grundsätzlicher Schutz bestehen, allerdings sei stets der Einzelfall zu prüfen, wurde ihr mitgeteilt.

Deutliche Kritik an der Maskenpflicht äußerte in einem umfangreichen Vortrag auch  Dr. Manfred Dettmar aus Ostfriesland, Allgemeinmediziener mit Schwerpunkt Naturheilverfahren und Homöopathie. Dass Atteste angezweifelt würden, wertete er als Einschränkung der freien Berufsausübung.  „Es steht keinem Schulleiter an, ein solches Attest anzuzweifeln“, sagte er unter dem Applaus der Zuhörer. Der Maske attestierte Dettmar keine besondere Schutzwirkung und zählte dazu verschiedene Studien auf, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gemacht wurden. Entsprechend trage er in seiner Praxis ebenfalls keine Mund-Nase-Bedeckung und seine Patienten auch nicht.

Eine Maske könne nach seinen Aussagen zu Hyperkapnie – einer Erhöhung des CO2-Gehalts im Blut – führen. Der Grund liegt darin, dass ein Teil der ausgeatmeten verbrauchten Luft zwischen Mund und Maske verbleibe und wieder inhaliert werde. Dies mache sich in Kopfschmerzen, Schwindel, schwachen Beinen und im schlimmsten Fall einer Bewusstlosigkeit bemerkbar. Viele Experten sehen hingegen keine Gefährdung, wie zum Beispiel die „München Klinik", eine gemeinnützige Organisation und der offizielle Gesundheitsversorger der Stadt München.

Die selbstgenähten Masken hätten laut Dettmar zudem einen Widerstand, der höher als bei FFP-3-Masken liege und entsprechend würde das Atmen auch schwerer fallen. Nicht zuletzt weil sie teils mehrere Tage getragen würden, ohne sie zu reinigen, würde von ihnen einen Gesundheitsgefahr ausgehen. „Wer seine Kinder zwingt, Masken zu tragen, schädigt und stigmatisiert sie. Wer so etwas Kindern antut, hat in einem pädagogischen Beruf nichts zu suchen.“ Der Mediziner ging noch einen Schritt weiter in seinen Vorwürfen, indem er den Lehrern die Misshandlung Schutzbefohlener unterstellte.

Dass Kinder das Coronavirus übertragen, komme so gut wie nicht vor. Abstandregeln seien in der Schule daher aus medizinischer Sicht vollkommen unnötig. „Die Corona-Maßnahmen gefährden die Gesundheit unserer Kinder. Ich fordere die Beendigung aller Corona-Maßnahmen“, schloss er seinen Vortrag.

Gegenveranstaltung der Jusos

Zu einer Gegenveranstaltung hatten unterdessen die Jusos im Kreis Cloppenburg eingeladen. „Die Demonstranten dort drüben schieben ihre Kinder vor und teilen in ihrer Telegram-Gruppe nur Geschichten, die Angst und Panik verbreiten sollen. Mit nur fünf Minuten Recherche kann man diese allerdings widerlegen", sagte Nico Neubert, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation.

Eike Baran kritisierte unter anderem, dass Lehrer und Schulleiter von den Masken-Kritikern als Systemlinge gekennzeichnet werden. „Das erinnert mich an ganz dunkle Zeiten", so der SPD-Ratsherr aus Friesoythe. In der Telegram-Gruppe wurde zudem dazu aufgerufen, sich die Namen von Richtern, Pressevertretern und Bürgermeistern zu merken, „um zu sehen, wer auf welcher Seite steht."

Die Gegendemo. Foto: HermesDie Gegendemo. Foto: Hermes

Krise sollte Weckruf für Politik sein

Diana Hömmen aus Löningen nutzte die Chance, um auf die Missstände in der Pflegebranche hinzuweisen: „Die Corona-Krise sollte ein Weckruf für die Politik sein, um Geld zu investieren." Neben den Intensivpatienten zurzeit müssten auch die normalen Stationen weiter am Laufen gehalten werden. „Es fallen viele Überstunden an", so Hömmen weiter.

Veranstaltungsanmelder Jan Oskar Höffmann betonte, dass natürlich  jeder das Recht auf Freiheit habe und man auch Maßnahmen kritisieren und diskutieren darf. „Es ist aber auch klar, dass wir die Pandemie nur durchstehen, wenn wir uns geschlossen daran halten." Er kritisierte, dass es auf der anderen Seite zahlreiche Hobby-Virologen gebe, die nur Egoismus verbreiten würden. 

Eine Teilnehmerin der Gegenveranstaltung zeigte sich zudem wütend über Aussagen von einigen Menschen, dass die Verstorbenen ja alle vorerkrankt seien und sowieso gestorben wären.

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