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Christophorus-Orgel soll wie früher klingen

Daher restauriert nun die Firma Eule das gute Stück.  Eigentlich sollte der Startschuss 2020 sein. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Ein neuer Zeitplan musste her.

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Ganz viel Handarbeit: Orgelbaumeister Konrad Dänhardt baut die Pfeifen der Orgel in der St.-Christophorus-Kirche aus. Foto: Lammert

Ganz viel Handarbeit: Orgelbaumeister Konrad Dänhardt baut die Pfeifen der Orgel in der St.-Christophorus-Kirche aus. Foto: Lammert

Herbert Staas von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde  weiß es genau: 999 Pfeifen hat die Orgel in der evangelischen St.-Christophorus-Kirche in Vörden.

Alle werden Konrad Dänhardt und Fabian Zocher von der 1872 gegründeten Firma Hermann Eule Orgelbau aus dem sächsischen Bautzen in den kommenden Tagen ausbauen und einen großen Teil am Ende der Woche nach Bautzen bringen. Lediglich der Prospekt oder auch Korpus der Orgel bleibt im Gotteshaus.

In Bautzen werden Beschäftigte des rund 45 Mitarbeiter zählenden Unternehmens die Orgelteile restaurieren beziehungsweise neu anfertigen. Denn manche der Pfeifen – wie etwa die des aus Mahagoniholz gefertigten Subbasses – treten die Reise nach Sachsen gar nicht erst mit an. Sie werden ersetzt.

Das betrifft jeweils 74 Pfeifen aus 4 Manualregistern und 27 Pfeifen aus einem Pedalregister. Diese Pfeifen verkauft die Kirchengemeinde. Der Erlös soll dem Erhalt der Orgel dienen.

Am Ende der Restaurierung soll sich die Orgel wieder in ihrem ursprünglichen klanglichen Zustand befinden, der im Zuge der Überarbeitung 1986/87 verloren gegangen war. Das sagt Orgelbaumeister und Restaurator im Orgelbau Dänhardt.

Firma Eule baut alle neuen Orgelpfeifen selbst

Deswegen müssen die Eule-Mitarbeiter die  4 Manual- und das Pedalregister komplett neu bauen. Dass die Firma im Zuge der Restaurierung alle neuen Pfeifen selbst herstellt, hat im Unternehmen Tradition. "Bei einer Restaurierung legen wir viel Wert darauf, keine Zulieferer in Anspruch zu nehmen", betont Konrad Dänhardt.

Doch die Restaurierung umfasst weit mehr als nur die Pfeifen. So baut Eule einen neuen Motor zur Winderzeugung ein. Der vorhandene ist zu klein. Ferner wird die Orgel zukünftig über eine elektronisch gesteuerte Balgaufzugsanlage sowie über Bälge verfügen, die sich mit den Füßen treten lassen, um den für das Orgelspiel notwendigen Spielwind zu erzeugen. Der wiederum wird zu den Windladen geleitet, auf denen die Orgelpfeifen stehen.

"Der Klang war schon ungleichmäßig."Konrad Dänhardt, Orgelbaumeister

"Ich finde die Orgel sehr hübsch", meint der Orgelbaumeister weiter. Und sie habe besser gespielt als erwartet. Aber: "Der Klang war schon ungleichmäßig."

Wann die gesamte Restaurierung des Instruments abgeschlossen ist, und es wieder in der Kirche erklingen wird, ist nach Worten des Orgelbauers Zocher noch ungewiss. "Die Orgel soll vor Weihnachten wieder in der Kirche stehen", sagt Pastor Anderson Kopp.

Ob Kantor Heinrich Schrader, der im Mai 2022 seit 25 Jahren im Amt ist, dann aber schon wieder auf ihr spielen kann, ist unklar. Denn es sei nicht einfach, die Orgel bei kühleren Temperaturen zu stimmen, teilt der Pastor mit.

Unterdessen hat Organist Schrader ein bisschen Wehmut empfunden, als er das 1852 von den Brüdern Haupt gebaute Instrument am vergangenen Sonntag nun für längere Zeit das letzte Mal gespielt hat. Mit dem "Übergangsinstrument" hat er sich aber schon angefreundet.

Die Firma Eule hat eine Truhenorgel zur Verfügung gestellt. Auf der begleitet Heinrich Schrader fortan die Gottesdienste musikalisch. "Sie klingt gut. Sie ist ein sehr gutes Leihinstrument", sagt er über die Truhenorgel, die aufgrund angebrachter Rollen im Kirchenraum bewegt werden kann.

Restaurierung zeichnete sich 2016 ab

Dass die Kirchengemeinde übergangsweise auf eine Truhenorgel würde ausweichen müssen, zeichnete sich bereits im Jahr 2016 ab. Damals fanden, angeschoben von Herbert Staas, Heinrich Schrader und Pastor Kopp, erste Gespräche über die Restaurierung des Instrumentes statt. "Wir haben das auch deshalb auf den Weg gebracht, weil wir mit Ulrich Schrader einen Nachfolger für Heinrich Schrader haben, wenn der als Organist aufhört", erklärt der Pastor.

Nachdem die Finanzierung der von Anderson Kopp nicht genau bezifferten Restaurierungskosten geklärt war – der Bund zahlt 130.000 Euro, die restlichen Mittel kommen von der Landeskirche Hannover, dem Kirchenkreis Bramsche und der Kirchengemeinde – sollte die Überarbeitung des Instruments bereits im vergangenen Jahr erfolgen. Doch die Corona-Pandemie machte der Kirchengemeinde einen Strich durch die Rechnung.

  • Info: Wer eine der ausgebauten Orgelpfeifen erwerben möchte, kann sich unter der Telefonnummer 05495/774 an Heinrich Schrader wenden.
Die Königin der Instrumente: Über den weiteren Gang des Orgelabbaus in der St.-Christophorus-Kirche sprachen (von links) Anderson Kopp, Fabian Zocher, Herbert Staas, Konrad Dänhardt und Heinrich Schrader miteinander. Foto: LammertDie Königin der Instrumente: Über den weiteren Gang des Orgelabbaus in der St.-Christophorus-Kirche sprachen (von links) Anderson Kopp, Fabian Zocher, Herbert Staas, Konrad Dänhardt und Heinrich Schrader miteinander. Foto: Lammert

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