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CDU macht der Pfingstlerschule den Weg frei

Mit 7 zu 5 Stimmen hat der Planungsausschuss die Pläne zu einer freien Christlichen Bekenntnisschule empfohlen. SPD und UWG warnten vor einer Spaltung der Schullandschaft.

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Plan und Wirklichkeit: In dem gelb markierten Feld zwischen der Vahrener Straße und der E 233 soll die Schule entstehen. Foto: Hermes

Plan und Wirklichkeit: In dem gelb markierten Feld zwischen der Vahrener Straße und der E 233 soll die Schule entstehen. Foto: Hermes

Die erste Vorentscheidung für eine Pfingstlerschule in Cloppenburg ist mit knapper Mehrheit gefallen. Der Planungsausschuss des Rates hat mit den Stimmen der CDU am Mittwochabend den Weg zu einem Neubau des Trägervereins „Christliche Bekenntnisschule Cloppenburg“ an der Vahrener Straße 27 geebnet.

Sollte der Stadtrat zustimmen, wird ein neuer Bebaubungsplan im Dreieck Vahrener Straße/Elbestraße direkt neben der Umgehungsstraße ausgewiesen.

SPD und UWG warnten vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch unkontrollierbare Lehrinhalte, die den geltenden Bildungsvorgaben widersprechen. Die Eltern von Kindern der streng konservativen und bibeltreuen Gemeinde würden sich bereits jetzt massiv in die Arbeit der Grundschulen einmischen und deren Leiter angehen, weil sie anerkannte Inhalte des Schulunterrichts ablehnen, beklagte SPD-Ratsherr Andreas Borchers.

Sexualkunde und gemeinsamer Sportunterricht würden attackiert, die Schöpfungsgeschichte über die Evolutionstheorie gestellt und selbst vermeintlich harmlose Märchen-Geschichten über das Teufelsmoor oder Hexen als „Teufelswerk“ gebrandmarkt, berichtete Borchers.

„Wir haben genau die Schulen, die wir brauchen und begrüßen.“Doris Hellmann (Unabhängige) zu dem Schulantrag

Das Schulvorhaben der evangelikalen Gemeinde, die das Alte Testament als gültige Handlungsanweisung versteht, fördere eine Parallelgesellschaft statt der erforderlichen „pluralistischen Durchmischung“, sagte Borchers. Durch die Isolierung, die „normale Begegnungen im Alltag“ ausschließe, werde verhindert, dass Toleranz zwischen Kindern wachse. Ein Miteinander aller Religionen und Prägungen werde es „hier nicht geben“, sagteBorchers voraus.

Auch die Unabhängigen lehnten die private Schule strikt ab. „Wir haben eine lebendige, weltoffene, tolerante Schullandschaft in Cloppenburg“, unterstrich Ratsfrau Doris Hellmann. Eine neue Schule sei „nicht erforderlich“. „Wir haben genau die Schulen, die wir brauchen und begrüßen“, sagte sie.

Die CDU und die Verwaltung betonten dagegen die grundgesetzlich garantierte Freiheit, eine weltanschaulich geprägte Privatschule zu gründen. Der Politik stehe es nicht zu, das Konzept zu hinterfragen, meinte Dr. Heinrich Dickerhoff (CDU). Für die Genehmigung und die Kontrolle sei allein die Schulaufsichtsbehörde zuständig. „Ihr vertraue ich“, sagte der Pädagoge.

Verein hatte 2017 selbst Argwohn geweckt

Dickerhoff fand es „schade, dass wir unterstellen, dass hier etwas ganz Schlimmes passieren soll“. Dieses Misstrauen isoliere eine weltanschauliche Gruppe, die genauso behandelt werden müsse, wie die Gründer einer Waldorfschule oder einer Schule in katholischer Trägerschaft.

Allerdings hat der Verein selbst Argwohn geweckt, als er 2017 zum ersten Mal die Schulgründung beantragte, aber sich in einer öffentlichen Sitzung weigerte, sein Konzept offenzulegen. Stattdessen gab ein Vereinsvertreter lediglich mündlich Auskunft. Das Papier bekamen nur die Politiker zu sehen.

Genehmigung könne laut Bürgermeister "noch dauern"

Das inzwischen offenbar ergänzte Konzept sei offenbar „immer noch lückenhaft“, berichtete Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese unter Berufung auf die Landesschulbehörde. Die Genehmigung könne daher „noch dauern“, deutete er an.

Die Abstimmung im Planungsausschuss hätte theoretisch auch anders ausgehen können, denn zwei Mitglieder fehlten: Christian Albers (Sozialliberales Cloppenburg) und Jan Oskar Höffmann (SPD), der kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Sitzung teilnahm. Bei Stimmengleichheit wäre der Antrag auf einen Bebauungsplan durchgefallen.

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