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Carsten Hermeling träumt von einem Kleinwindrad und spürt viel Gegenwind

Unabhängig von Gas und Kohle werden – wer möchte das nicht? Für den Gründer des Mehrgenerationenhofes in Hammel droht der Traum jedoch frühzeitig zu zerplatzen. Grund sind die bestehenden Gesetze.

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Strebt nach Autarkie: Carsten Hermeling möchte ein Kleinwindrad bauen. Foto: G. Meyer

Strebt nach Autarkie: Carsten Hermeling möchte ein Kleinwindrad bauen. Foto: G. Meyer

"Wir sind autark": Was Öko-Kommunen bereits in den 70er und 80er Jahren postulierten, strebt auch Carsten Hermeling für seinen Mehrgenerationenhof an. Den versorgen Photovoltaikanlagen und zwei Luft-Luft-Wärmepumpen bereits mit sauberer Energie. Um sich aber noch unabhängiger zu machen, möchte der Hammeler so schnell wie möglich ein Kleinwindrad bauen. Dabei stößt er jedoch auf unerwarteten Widerstand.

Die Maße der Anlage nehmen sich vergleichsweise bescheiden aus. Gerade einmal 21 Meter Gesamthöhe erreicht das Windrad eines niederländischen Herstellers, für das sich Hermeling interessiert. Die Flügel sind aus Lärchenholz. Den Kaufvertrag hat der Steuerberater bisher nicht unterschrieben. "Das kann ich nicht, solange ich keine Bauerlaubnis habe", sagt er. Zuvor muss die Gemeinde Lastrup den aktuellen Bebauungsplan ändern. Reine Formsache, dachte Hermeling –  doch er täuschte sich. Denn der Landkreis meldete naturschutzrechtliche Bedenken an. Die Auswirkungen der Windmühle seien bei der Aufstellung des B-Planes nicht beachtet worden, schreibt die Genehmigungsbehörde in einer Stellungnahme. Und das müsse jetzt nachgeholt werden.

Konkret fordert der Landkreis eine Kartierung der Bestände von Fledermäusen und Brutvögeln rund um den vorgesehenen Standort. "Kleinwindkraftanlagen sollten auf keinen Fall an oder auf Fledermausquartieren errichtet werden und generell zu Gebäuden, Gehölzen und Gewässern mindestens 75 Meter Abstand halten", heißt es zur Begründung. Die Kreisexperten sehen trotz der geringen Abmessungen ein hohes Kollisionsrisiko. Auf eine Kartierung wollen sie nur verzichten, wenn die Mühle zwischen Mitte März und Mitte November sowie bei bestimmten äußeren Bedingungen in der Nacht abgeschaltet bleibt.

Hammeler wirbt für dezentrale Stromerzeugung

Das würde Carsten Hermelings Autarkiebestrebungen jedoch spürbar eindämmen. Rund 35.000 Kilowattstunden soll die Anlage pro Jahr leisten und 10 bis 15 Haushalte mit Strom versorgen. Dazu muss sie aber auch möglichst rund um die Uhr laufen. Der Vordenker in Sachen alternatives Wohnen sieht den Wind als sinnvolle Ergänzung zu den PV-Platten auf seinen Dächern. "Wenn die Sonne im Winter nur noch wenig scheint, soll er die Lücke füllen."

Am Landkreis selbst übe er ausdrücklich keine Kritik, betont Hermeling. "Er handelt sicherlich korrekt nach den bestehenden Richtlinien." Dass diese angesichts der veränderten politischen Großwetterlage noch angemessen sind, bezweifelt der Selbstständige jedoch. "Wir müssen jetzt alle gemeinsam nach Alternativen zum Gas suchen. Dezentrale Lösungen sind meiner Meinung nach ein guter Weg, um sich aus der Energieabhängigkeit zu befreien."

Mit Holzflügeln: Das Kleinwindrad hat eine niederländischen Firma entwickelt. Foto: EAZ WindMit Holzflügeln: Das Kleinwindrad hat eine niederländischen Firma entwickelt. Foto: EAZ Wind

Die Zeit dränge, durch eine Kartierung ginge ihm aber voraussichtlich mehr als ein Jahr verloren, bedauert Carsten Hermeling. Einen wirklichen Sinn kann er darin ohnehin nicht erkennen. Das Windrad soll am Rand seines Grundstücks am Drenkelvehn aufgestellt werden. Die Abstände zu den Gebäuden stimmten. Zwar gibt es in der Nähe einen kleinen Badeteich. An eine Beeinträchtigung der Vogelwelt glaubt Hermeling aber nicht und würde das gern den Fachleuten vor Ort darlegen.

Mehrkosten von fast 44.000 Euro

Ein Planungsbüro hat dem Bauwilligen inzwischen mitgeteilt, dass allein durch die Kartierung Kosten in Höhe von 37.700 Euro auf ihn zukämen. Zusätzlich müsste er die Anpassung der Bauleitplanung bezahlen. Macht weitere 6000 Euro. Fast 44.000 Euro Kosten allein im Vorfeld? "Damit wäre das Projekt für mich gestorben", bedauert Hermeling. Sein Urteil: "Das ist einfach absurd."

Der Landkreis Cloppenburg beruft sich auf das geltende Recht. Dabei bezieht er sich auf eine Arbeitshilfe des Niedersächsischen Landkreistages. Diese gelte ausdrücklich auch für Kleinwindräder bis zu 30 Meter Höhe und diene als fachliche Hilfestellung zur Auslegung des Artenschutzrechtes im Bundesnaturschutzgesetz. Bei der Beurteilung von Bauvorhaben habe die Kreisverwaltung die geltenden Gesetze zu beachten. "Sofern hier eine stärkere dezentrale Ausrichtung der Windenergieerzeugung erfolgen soll, ist es Aufgabe des Gesetzgebers, dies zu regeln", betont Kreissprecher Frank Beumker.

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