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Cappelner Kirchturm muss trockengelegt werden

Die Sanierung fördert den Schaden zutage. Die Arbeiten werden sich dadurch erheblich verzögern und es ist auch von höheren Kosten auszugehen.

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Stillstand auf dem Bau: Die geplanten Sanierungsarbeiten ruhen vorerst, denn die Trocknung des inneren Mauerwerks hat Priorität. Dafür werden voraussichtlich Teile der Klinkerfassade entfernt. Foto: Thomas Vorwerk

Stillstand auf dem Bau: Die geplanten Sanierungsarbeiten ruhen vorerst, denn die Trocknung des inneren Mauerwerks hat Priorität. Dafür werden voraussichtlich Teile der Klinkerfassade entfernt. Foto: Thomas Vorwerk

6 bis 8 Wochen waren für die Sanierungsarbeiten am Turm der Cappelner Pfarrkirche eingeplant. Das Gerüst steht immer noch, aber die Arbeiten ruhen. Und das hat einen ernsten Hintergrund. Das eigentliche Mauerwerk der bald 120 Jahre alten Kirche ist großflächig feucht.

„Die Arbeiter haben angefangen, Risse und schadhafte Fugen zu beseitigen und dabei festgestellt, dass es Probleme gibt, die zuvor nicht zu erkennen waren“, beschreibt Pfarrer Jörn Illenseer den Ist-Stand. Es sei durch undichte Stellen Wasser eingedrungen, das nicht wieder den Weg nach draußen gefunden habe und über einen längeren Zeitraum ins Mauerwerk gesickert sei.

Experten haben Mauerwerk an mehreren Stellen geöffnet

An mehreren Stellen haben Experten nun das Mauerwerk geöffnet und dabei festgestellt, dass vor allen Dingen die Südseite betroffen ist und dies bis zur halben Turmhöhe, sagt Illenseer. Daraufhin wurden die Arbeiten eingestellt. Die nächsten Schritte machten eine komplett neue Kalkulation nötig. Diese wiederum müsse auch das Offzialalt in Vechta absegnen. Das könne dauern, vermutet der Pfarrer. Das Gerüst werde vermutlich zunächst wieder abgebaut – bevor es irgendwann neu gebraucht werde.

Die ursprüngliche Maßnahme war relativ überschaubar. Neben den Rissen und defekten Fugen galt das Hauptaugenmerk dem großen Fenster über dem Portal. 120.000 Euro wurden veranschlagt, wovon das Offizialat 65 Prozent tragen sollte und die Kirchengemeinde 35 Prozent. Dieses Geld werde nicht reichen.

Kirche ist Anfang der 50er Jahre mit Ziegeln verblendet worden

Die genaue Höhe der Kosten, die nun folgen, ist noch nicht bekannt. Fachleute haben die Empfehlung ausgesprochen, ein Stück der Außenwand zu entfernen, um die Trocknung zu ermöglichen. Die Kirche ist Anfang der 50er Jahre mit Ziegeln verblendet worden. Die eigentliche tragende Konstruktion liegt darunter.

Das Gotteshaus wurde zwischen 1900 und 1902 errichtet, nachdem die alte Steinkirche mit dem hölzernen Turm abgerissen wurde. Sie stammte in den Grundzügen noch aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und ist zudem Namensgeberin für die Gemeinde, denn Cappeln leitet sich von Kapelle her.

1159 hatte man sich von der Mutterpfarre Emstek gelöst und entsprechend war auch eine größere Kirche nötig. Mehrfach wurde dieses Gotteshaus in den folgenden Jahrhunderten ausgebaut und mit einem höheren Turm versehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche abgetragen, aber noch heute erinnert beispielsweise der Taufbrunnen aus dem 12. Jahrhundert an den ursprünglichen Bau. Für die Übergangszeit, bis der Neubau fertiggestellt war, wurde eine hölzerne Notkirche im Pfarrgarten errichtet.

Einweihung am 2. September 1902

Die Einweihung am 2. September 1902 durch Weihbischof von Galen war ein riesiges Spektakel. Der Geistliche wurde tags zuvor aus Cloppenburg abgeholt und ein Korso von 32 Kutschen, 44 Radfahrern und 30 Reitern begleitete den Festzug nach Cappeln. Das Ganze geschah nicht einmal 2 Jahre nach der Grundsteinlegung, die vom 15. November 1900 datiert.

Die Kosten: In der Cappelner Chronik aus dem 1986 wird davon berichtet, dass der damalige Kirchenprovisor Joseph Backhaus aus Tenstedt in einer Gesamtzusammenstellung die Summe mit rund 150.000 Mark bezifferte. Gemessen an der Kaufkraft entspräche dies heute rund 1 Million Euro.

Monumentendienst hat Bausubstanz im Auge

Dass die Schäden jetzt bei Sanierungsarbeiten entdeckt wurden, mag Zufall gewesen sein. Grundsätzlich hat die Kirchengemeinde aber ein Auge auf die Bausubstanz. Der Monumentendienst hat das Gotteshaus vor wenigen Jahren einer grundlegenden Inspektion unterzogen und dabei aufgelistet, welche Arbeiten über kurz oder lang anstehen, um das Baudenkmal zu erhalten.

Denn daran besteht kein Zweifel: Die Kirche soll noch möglichst lange für die Gläubigen der Gemeinde zentrale Anlaufstelle bleiben. Auch wenn es jetzt vermutlich etwas teurer wird.

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