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Cappelner bringen warme Kleidung in die Ukraine

Es ist der 3. Hilfstransport, der dank zahlreicher Spender auf den Weg gebracht wurde. Die Organisatoren erfahren auf vielfältige Art Unterstützung.

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Dringend benötigt: Decken, Schlafsäcke, Medikamente und Nahrungsmittel wurden kartonweise bei der Familie Willenborg abgegeben. Foto: Vorwerk

Dringend benötigt: Decken, Schlafsäcke, Medikamente und Nahrungsmittel wurden kartonweise bei der Familie Willenborg abgegeben. Foto: Vorwerk

Das Navi kann eigentlich ausgeschaltet bleiben, wenn Daniel, Jonas  und Peter Willenborg zusammen mit weiteren Unterstützern Hilfsgüter in Richtung Osten fahren. Es ist mittlerweile der 3. Ukraine-Hilfstransport, der sich unter ihrer Regie von Cappeln aus nach Polen in Bewegung gesetzt hat. Dieses mal sogar mit drei Fahrzeugen, denn aus Haselünne hat sich ein weiterer Bulli angeschlossen. Und es fährt auch die Hoffnung mit, dass es der Letzte war, weil vielleicht doch bald Frieden herrscht.  

In Säcken und Kartons, mit dem Pkw und auf Anhängern, wurden die Spenden für die Ukraine-Hilfe am Freitag noch bis weit in die Dunkelheit bei der Familie Willenborg angeliefert. Unter dem großen Carport stapelten sich Kisten, um dann auf die Transporter verteilt zu werden. Im Haus wurden derweil Frikadellen gebraten, denn die Fahrer sollten auf der langen Reise gut gestärkt sein. Schon in Höhe Berlin hatte sich am Samstagvormittag der Vorrat merklich reduziert. 

Um 4.30 Uhr waren die letzten Güter auf dem Parkplatz hinter der Cappelner Kirche umgeladen worden, um einen Anhänger einzusparen. Ein Lkw, ein Sprinter und ein VW-Transporter, besetzt mit den Fahrern Daniel, Jonas und Peter Willenborg, Klaus Schlömer (zum 2. Mal dabei) sowie Dieter und Leon Barlage, waren unter dem Aspekt der Ladungssicherung maximal beladen. Darunter auch mehrere Rollstühle und Gehhilfen, die eine Einrichtung aus Aurich zur Verfügung gestellt hat.

Stromgeneratoren sind besonders gefragt

Ansonsten sind es Schlafsäcke, Iso-Matten, Decken, dicke Jacken, Mützen, Schals, Hygieneartikel und besonders Pflegeprodukte für Babys und Kleinkinder. Aber auch Medikamente wurden erbeten sowie Stromgeneratoren und Powerbanks.

"Tiefster Winter", beschreibt Daniel Willenborg das Wetter ab der Grenze. Leichte Unsicherheit habe sich breit gemacht, ob man auf der verschneiten Autobahn weiter gut vorankommen würde. Aber die Räumfahrzeuge ließen nicht lange auf sich warten und so erreichte der Konvoi wie geplant gegen 18.30 Uhr das Ziel.


Medikamente wurden mitgeschickt und in den Kisten in Cappeln verpackt.
Foto: Vorwerk
Erinnerungsfoto mit dem Cappelner Dörpecho.
Foto: Willenborg
Rollstühle und Gehhilfen hat eine Einrichtung aus Aurich gespendet.
Foto: Willenborg
Ankunft im Schnee: Die Transporter wurden dank vielen Helfer schnell entladen.
Foto: Willenborg
Für Vielfalt und Toleranz: Eine Autobahnbrücke in Polen.
Foto: Willenborg
Am Ziel: Es war schon dunkel, als der Konvoi die Lagerhalle erreichte.
Foto: Willenborg
Foto mit Freunden: Man versteht sich trotz sprachlicher Barrieren.
Foto: Willenborg
Die Firma Barlage hat eine Niederlassung in der Nähe von Warschau. Dort gab es auch Gabelstapler, um die Paletten zu entladen.
Foto: Willenborg
Profis: Ein polnischer Mitarbeiter der Firma Barlage fährt den Stapler.
Foto: Willenborg
Solidarität: die Flagge der Ukraine hinter der Windschutzscheibe.
Foto: Willenborg
Lebensmittel sind gefragte Spenden.
Foto: Willenborg
Die Gastgeber sehen den Bericht aus dem Dörpecho über vorangegangenen Touren.
Foto: Willenborg

"Alles, was der Energieversorgung dient, wurde noch am Samstagabend direkt weiter in die Ukraine gebracht. Außerdem Konserven und haltbare Lebensmittel", sagte Daniel Willenborg am Sonntag. Die Kleidung wird zwischengelagert, nach Größen sortiert und dann verteilt.

Treffen sind immer sehr emotional

"Zehn Leute haben uns in Żyrardów, einem Vorort von Warschau, begeistert empfangen. Die Gruppe setzt sich aus Polen und Ukrainern zusammen, die miteinander vernetzt sind", erklärt Willenborg die Verbindung. Einmal mehr sei das Aufeinandertreffen sehr emotional gewesen, denn es wurde von Szenen unmittelbar aus den Kriegsgebieten berichtet. "Der ukrainische Pastor erzählte von zurückeroberten Gebieten. Dort seien die Ukrainer immer wieder auf Leichen russischer Soldaten gestoßen, die von ihren Kameraden zurückgelassen wurden."

"Emotional", das Wort hört man immer wieder, wenn Daniel Willenborg und sein Vater Peter von den Touren erzählen. Die erste hatte es schon im März gegeben und als die Fahrzeuge ausgeräumt waren, war Platz für weitere Insassen. Also machten sie sich auf zum Bahnhof, wo besonders Familien hofften, eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Westen zu bekommen. Ein Patz im Zug glich seinerzeit einem Lottogewinn, weil vieles noch recht chaotisch war. 

Hinter den Flüchtlingen liegen viele Strapazen

"Wir fahren nach Deutschland", wurde auf Ukrainisch auf ein Stück Pappe geschrieben und als sie am Bahnhof angekommen waren, übermannten sie einmal mehr die Gefühle. "So etwas hatten wir noch nie gesehen und wir konnten nur erahnen, welche Strapazen hinter den Menschen gelegen haben mussten." Eine Mutter, ihre 10-jährige Tochter sowie ihre 20-jährige Schwiegertochter stiegen ein und wurden zu ihrem Ziel Hamburg mitgenommen. Eine Mutter mit ihrer 15-jährigen Tochter waren es bei der 2. Fahrt. Sie wollten nach Haselünne.

Über ihre Verbindungen, die Willenborgs mittlerweile geknüpft hatten, kam die Anfrage, ob sie eine Familie an der deutsch/polnischen Grenze abholen könnten. Auch das haben sie gerne gemacht und ein weiteres Mal sind sie mit dem Pkw nach Berlin zum Flughafen gefahren, um eine Großmutter – ursprünglich aus Mariupol – abzuholen. Auch dahinter verbirgt sich ein weiteres Schicksal, denn die alte Frau war nach Russland verschleppt worden. Über Hilfsdienste und Telegram-Gruppen wurde sie ausfindig gemacht, kam schließlich nach Lettland und war von dort aus nach Berlin geflogen.

Fahrten nur dank vieler Unterstützer möglich

Guter Wille alleine reicht nicht, um diese Touren zu organisieren. Gäbe es nicht viele Menschen in Cappeln und der Umgebung, die etwas spenden, bräuchte man gar keine weiteren Überlegungen anstellen. Und es gab Einzelpersonen und Gruppen, wie die Oberschule, die finanzielle Hilfe gegeben haben, denn auch wenn die Fahrzeuge wiederum kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, mussten sie natürlich auch betankt werden. 

Bei aller Routine, die sich mittlerweile auf den Transporten eingestellt hat, auf eine Fahrt freuen sich die Cappelner besonders: die erste zu Friedenszeiten. Daniel Willenborg: "Wir haben die Einladung in die Ukraine bekommen, um dann gemeinsam die neue Freundschaft zu feiern."

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