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Cannabis im Rucksack und falsche Aussagen

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – 4 Männer, 34 Gramm Marihuana und einen weiteren Plastikbeutel mit 173 Gramm: soweit der Fund. Doch wem gehörten die Drogen?

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Silvester war längst vorbei, aber in der Wohnung eines 27-jährigen Steinfelders sah es nach Angaben von Polizeibeamten so aus, als wäre es gestern gewesen. Am 5. Januar ging bei der Polizei in Vechta ein Anruf ein: In einer Wohnung nahe einiger Verbrauchermärkte werde mit Drogen gehandelt, hieß es. Nach Absprachen mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht fuhren mehrere Beamte zu der Anschrift und durchsuchten die Räume.

Sie trafen auf 4 Männer. Überall verstreut entdeckten die Polizisten kleine Mengen Marihuana, insgesamt 34 Gramm. In einem Raum, "besetzt" von einem 35-jährigen, stand ein Rucksack. Die Polizei öffnete diesen und entdeckte einen Plastikbeutel mit 173 Gramm Cannabis. Das war ja nun mal nicht wenig.

Zunächst sagte niemand aus 

Die Jointraucher sagten gegenüber der Polizei zunächst nicht aus. Sie wurden durchsucht und zur Dienststelle mitgenommen. Die nötigen Daten wurde aufgenommen; das Quartett konnte wieder gehen.

Dann müssen die Herren intern eine Entscheidung getroffen haben: Denn fortan sagten alle übereinstimmend aus, die große Menge Drogen im Rucksack gehöre dem Steinfelder. In dessen Wohnung treffe man sich ohnehin immer wieder mal, um zu kiffen.

Dem Ermittlungsbeamten kamen nach diesen Aussagen Zweifel: Der Steinfelder war noch nie aufgefallen; die anderen 3 Männer schon. Zufall? 

"Dann wurde es spannend, denn die übrigen 3 'Mitraucher' waren als Zeugen geladen.“Klaus Esslinger, Kolumnist

Dann ging es vor Gericht. In der Verhandlung erklärte der 27-Jährige, er habe der Polizei nicht die Wahrheit gesagt. Der mit Drogen gefüllte Plastikbeutel habe ihm nicht gehört. Den habe der 35-Jährige mitgebracht. Er habe nicht mal gewusst, dass der Mann die Drogen bei sich hatte, betonte der Steinfelder. Offensichtlich hatte der Verteidiger dem 27-Jährigen erklärt, was der Besitz einer solchen Menge für Folgen haben könnte. 

Nun wurde es spannend, denn die übrigen 3 "Mitraucher" waren als Zeugen geladen. Da alle 3 im Verdacht standen, Drogen besessen zu haben, hatten sie die Möglichkeit, keine Aussagen zu machen. Dem war aber nicht so.

Zeuge Nummer eins war schon mal verurteilt worden und stand unter Bewährung. Er erklärte, man habe falsch ausgesagt. Die Drogen im Rucksack gehörten dem 35-Jährigen. Der 2. Zeuge bestätigte diese.

Der 35-Jährige selbst schwieg, was aber egal war. Es gab ja schon 3 Aussagen gegen ihn. Ihn erwartet nun ein Verfahren wegen unerlaubten Besitzes von und Handel treiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das ist ein Verbrechen und die Mindeststrafe dafür liegt bei einem Jahr.

Der 27-Jährige, der zunächst alles auf sich genommen hatte, musste sich nur noch wegen Besitzes und Überlassen von 34 Gramm verantworten. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 40 Euro. Das Gericht beließ es bei 40 Tagessätzen zu je 40 Euro. Für das milde Urteil konnte sich der Angeklagte beim Gericht und seinem Verteidiger bedanken.


Zur Person

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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