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Bürgermeister Gerdesmeyer will Landrat werden

Der Kandidaten-Check von OM online: Noch ist Tobias Gerdesmeyer (CDU) Lohnes Stadtoberhaupt. Am 12. September hofft er, der neue Landrat im Landkreis Vechta zu werden.

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Einer seiner Lieblingsplätze: Tobias Gerdesmeyer (47) auf der Rehwiese. Fotos: M. Niehues

Einer seiner Lieblingsplätze: Tobias Gerdesmeyer (47) auf der Rehwiese. Fotos: M. Niehues

Der Besuch des Spielplatzes auf der Rehwiese ist für ihn ein klares Heimspiel. Fast jeder erkennt ihn – auch ohne Hilfestellung durch ein Wahlplakat. Die Mütter grüßen, sind zum Kurzplausch aufgelegt, Kinder wollen ein Foto mit ihm. Keine Frage: Tobias Gerdesmeyer ist in seiner Heimatstadt Lohne ein Promi.

Als Gerdesmeyer im Januar 2012 Bürgermeister von Lohne, der Stadt der Spezialindustrie, wurde, da war die Rehwiese eine Grünfläche mit dem Status einer Party-Location. Im Juli 2014 eröffnete das Stadtoberhaupt dann die neue Anlage mit vielen Klettermöglichkeiten. Das Projekt kam und kommt gut an; nicht nur bei Lohnerinnen und Lohnern übrigens.

Tobias Gerdesmeyer ist inzwischen 47 Jahre alt. Und der Jurist hat Größeres vor. Bei der Kommunalwahl am 12. September tritt er als Kandidat der CDU für das Amt des Landrats im Landkreis Vechta an. Die Rehwiese ist für den Vater von 3 Kindern im Alter zwischen 7 und 13 Jahren eine Art Symbol für die Familienpolitik, für die er stehen möchte. Denn Familienfreundlichkeit, so seine Überzeugung, soll ein Aushängeschild für den Landkreis Vechta sein. Dieser sei ein Ort, „wo es Familien besonders gut geht“.

Damit das auch in Zukunft so ist, sieht er es als wichtige Aufgabe an, die familienfreundliche Infrastruktur weiter auszubauen. Sein Wunsch: Wer als junger Mensch zwecks Ausbildung oder Studium die Heimat verlässt, soll über die idealen Voraussetzungen für Familien anschließend in den Landkreis zurückfinden. Gute Kindertagesstätten und Schulen sieht Gerdesmeyer daher als selbstverständlich an.

Doch der Christdemokrat möchte mehr: Er wolle den Betreuungsbedarf noch genauer ermitteln, sagt der 47-Jährige. Zudem wolle er Freizeitmöglichkeiten und Vereinsarbeit besonders fördern, „damit wir noch familienfreundlicher werden, als wir es sowieso schon sind“, betont er.

Beim Wohnungsbau hofft Gerdesmeyer auf kreative Ideen

Dabei sei das Thema Wohnen wichtig, auch wenn der Landkreis langsam an Grenzen stoße. Fehlende Grundstücke und die aktuell extreme Baupreisentwicklung erfordern nach Auffassung des Landratskandidaten neue Denkansätze. „Wir müssen kreativer werden“, sagt der Lohner.

Neben dem notwendigen Mietwohnungsbau sei Eigentumsbildung nötig, um Familien in Zukunft gut aufzustellen. Machbar sein soll das nach seiner Überzeugung mit kleineren Grundstücken und beispielsweise einer Reihenhausbebauung. Grundsätzlich spricht er von der „Schaffung familienfreundlicher Strukturen“.

Was wird aus der Idee, ein Zentralklinikum zu bauen? Sie ist nicht vergessen, versichert Tobias Gerdesmeyer. Aber das Verfahren sei komplex.Was wird aus der Idee, ein Zentralklinikum zu bauen? Sie ist nicht vergessen, versichert Tobias Gerdesmeyer. Aber das Verfahren sei komplex.

Erben wird Tobias Gerdesmeyer als künftiger Landrat, der am 12. September gegen den AfD-Mann Aloys Thye-Moormann aus Bakum antritt, das Thema "Kreiskrankenhaus". Beworben hatte sich hier ursprünglich der Landkreis Vechta mit der Schwester-Euthymia-Stiftung als Trägerin der Krankenhäuser in Vechta und Lohne um entsprechende Landesmittel, um ein gemeinsames Zentralklinikum bauen zu können.

Inzwischen ist auch das Krankenhaus in Damme dem Verbund beigetreten. Immer wieder überraschte im Laufe des Verfahrens die Kirche die Öffentlichkeit mit neuen Planungen. Das sorgte nicht nur beim Bürger für Irritationen. 

Beim Thema Zentralklinikum bleibt Gerdesmeyer diplomatisch

Gerdesmeyer gibt sich dennoch diplomatisch. „Erst einmal müssen wir sagen, dass wir 3 gute Krankenhäuser im Landkreis haben, mit Vechta, Damme und Lohne. Aber wir müssen, wenn wir die Zukunft der stationären Gesundheitsversorgung sicherstellen wollen, über eine größere Lösung nachdenken“, sagt er. Neben dem Krankenhaus in Damme gelte es für den Zusammenschluss von Vechta und Lohne einen geeigneten Standort zu finden. Und das ist nach Aussagen Gerdesmeyers ein „ziemlich komplexes Verfahren“.

Die Kirche als Trägerin der Einrichtung und der Landkreis als „kommunaler Partner“ müssten hier zu einer Entscheidung kommen, die „nicht ganz einfach“ sei. Die Kirche beziehungsweise die Stiftung habe in den letzten 150 Jahren ihre Aufgabe „sehr gut“ und „verlässlich“ wahrgenommen. Dafür müsse der Landkreis dankbar sein. „Ich bin der Auffassung, dass wir ein Zentralklinikum Vechta/Lohne brauchen“, sagt Gerdesmeyer.

Gesucht wird ein Platz für einen Neubau

Auf der „grünen Wiese“ gelinge dies am besten, um Platz für die Erweiterungen in der Zukunft zu haben. Deshalb sei es nötig, bis zum Jahresende „Pflöcke einzuschlagen“, um das Projekt voranzubringen. Zugleich gelte es das Subsidiaritätsprinzip neu zu denken. Wenn jetzt ein Klinikum mit einem Finanzvolumen von über 200 Millionen Euro errichtet werden solle, sei der Landkreis als kommunaler Partner gefragt. Hierfür sei es nötig, das Verhältnis zwischen Landkreis und Kirche neu zu definieren, ist der CDU-Kandidat überzeugt.

Der lehnt radikale Umbrüche ab, sieht sich aber als Pragmatiker. Daher würde er als Landrat den Kommunen mehr Orientierung geben. „Wir müssen sagen, wohin die Reise geht“, betont der 47-Jährige und wünscht sich eine stärkere Koordinierung durch den Landkreis – etwa beim Stichwort "Förderprogramme". Hilfe für die Städte und Gemeinden bei Bebauungsplänen, eine Lotsen-Funktion bei Firmenansiedlungen: Das alles könne der Landkreis leisten. Es gelte, trotz der knappen Flächen nach Möglichkeiten gewerblicher Entwicklung zu suchen. Und: Die Bauerschaften passend zu gestalten.

„In allen Bereichen Maximalforderungen zu stellen, das wird nicht funktionieren.“Tobias Gerdesmeyer, CDU-Landratskandidat

Natur- und Klimaschutz, die seien dabei selbstverständlich zu berücksichtigen. Die Frage müsse sein: "Wo stehen wir genau und welche Stellschrauben müssen wir drehen, um unseren Beitrag leisten zu können?“, sagt Tobias Gerdesmeyer. Zielkonflikte seien dabei vorprogrammiert. Einfache Lösungen gebe es nicht. Daher gelte auch: „In allen Bereichen Maximalforderungen zu stellen, das wird nicht funktionieren“, betont er. „Wir müssen versuchen, die großen Konflikte unterschiedlicher Interessen zu vereinen. Sonst kommen wir nicht weiter und verharren im Stillstand. Aber Dinge nicht zu machen, weil es kompliziert ist, ist ganz verkehrt.“ 

Für die Landratswahl hat er sich inhaltliche Schwerpunkte gesetzt: Neben der angesprochenen Familienpolitik möchte er die duale Ausbildung fördern. „Es müssen nicht alle studieren“, betont er.

Er wolle die Verkehrsinfrastruktur in den Blick nehmen, sollte er Landrat werden, versichert Gerdesmeyer. Wasserstoff als Kraftstoff-Alternative sei ein Thema. Zudem wolle er die Attraktivität der Innenstädte sichern. Und beim Thema Naturschutz solle für Kompensationen über Pool-Lösungen nachgedacht werden. 

„Wenn man sagt, was man denkt, muss man auch tun, was man gesagt hat.“Tobias Gerdesmeyer, CDU-Landratskandidat

„Wenn jemand in Vollzeit arbeitet, muss er davon leben können", sagt Lohnes Bürgermeister zum Stichwort "Arbeit". Der Mindestlohn und die Einhaltung von Tarifverträgen sollten daher auch im Interesse der Betriebe liegen.

Er wolle ein verlässlicher Landrat sein. „Wenn man sagt, was man denkt, muss man auch tun, was man gesagt hat“, betont er. Politik neige leider zur Unehrlichkeit. „Mir sind Ehrlichkeit und Verlässlichkeit wichtig“ betont er. Der Landkreis stehe jetzt an einem entscheidenden Punkt. Es gelte die Tradition zu bewahren und zugleich offen zu sein für die Herausforderungen der Zukunft.


Zur Person:

  • Tobias Gerdesmeyer ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat 3 Kinder im Alter von 7, 10 und 13 Jahren.
  • Der Jurist ist in Lohne geboren und lebt dort auch mit seiner Familie.
  • Er hat sein Abitur in Lohne gemacht, in Münster studiert, war in Oldenburg als Richter tätig, bevor er im Januar 2008 allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters wurde.
  • Seit dem 1. Januar 2012 ist er Bürgermeister seiner Heimatstadt.

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