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Bürger informieren sich: Strom-Bypass könnte mitten durch Lastrup und Löningen laufen

Beide Gemeinden sind von den Amprion-Planungen betroffen. Ob der anvisierte Korridor tatsächlich den Zuschlag erhält, steht noch nicht fest.

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Viel zu erklären: Projektsprecher Oliver Smith (4. von links) erläutert die Trassenplanung.   Foto: G. Meyer

Viel zu erklären: Projektsprecher Oliver Smith (4. von links) erläutert die Trassenplanung.   Foto: G. Meyer

Um Strom von der Nordsee ins Ruhrgebiet zu befördern, plant der Netzentwickler Amprion derzeit 2 Gleichstromtrassen. Aus unterschiedlichen Richtungen kommend, sollen sich die Erdkabel im Landkreis Cloppenburg kreuzen und zu einer Doppelleitung verbinden. Wo genau gebaggert wird, steht noch nicht fest. Geht es nach Amprion, wäre auch die Stadtgemeinde Löningen betroffen.

Entsprechend groß war der Informationsbedarf am Donnerstag. Das Unternehmen hatte am Vormittag in den Bahnhof geladen, um den sogenannten "Korridor B" vorzustellen. An Schautafeln und  Computern folgten die Besucher seinem möglichen Verlauf. Amprion würde die aus Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven kommenden Kabel am liebsten zwischen Molbergen und Cloppenburg zusammenführen und danach über Lastrup und Löningen in Richtung Süden weiter verlegen. In Löningen wären vor allem die  Ortschaften Augustenfeld, Vehrensande und Helmighausen betroffen. Projektsprecher Oliver Smith weist allerdings darauf hin, dass der Korridor nur einer von mehreren Vorschlägen ist. Andere Varianten würden die Gemeinden Lastrup, Essen, Emstek und Cappeln deutlich stärker treffen. Die Entscheidung über die Trassenführung liege aber nicht bei Amprion, sondern bei der dafür zuständigen Behörde, betont Smith.  

Boden wird Schicht für Schicht abgetragen

Die Planungskorridore sind jeweils 1 Kilometer breit. Grundstücke und Gebäude darin würden aber umgangen, hieß es. Während der Bauphase wird der Boden auf 60 Metern Breite ausgehoben. Die einzelnen Bodenhorizonte sollen getrennt voneinander gelagert werden, um die Gräben später schichtweise wieder zuzuschütten. "Die Arbeiten werden bodenkundlich begleitet", erklärt Smith. Landwirte erhielten eine einmalige Entschädigung. Die Erdkabel lägen nebeneinander in 1,60 Metern Tiefe. Hinzu kämen weitere Leerrohre für spätere Vorhaben. Smith betonte, dass die Gleichstromtrasse nichts mit der ebenfalls geplanten 380-kV-Freileitung zu tun habe. Auch die im Kreis vorgesehenen Umspannwerke spielten für Amprion keine Rolle. "Wir verlegen praktisch einen Bypass direkt von der Nordsee zu den Ballungszentren in Nordrhein-Westfalen."

Möglicher Korridor: Amprion bevorzugt die dunkle Variante.Möglicher Korridor: Amprion bevorzugt die dunkle Variante.

Amprion-Mitarbeiter erklärten, welche landschaftsschutzrechtlichen Anforderungen bei der Trassenplanung zu beachten sind und wie die Arbeiten ablaufen werden. Dabei mussten sie sich auch Kritik  anhören. Flächeninhaber und Anwohner äußerten ihre Sorge vor  Gesundheitsgefahren, einer deutlichen Erwärmung der Böden und Einschränkungen der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten. Laut Smith beträgt der Temperaturunterschied zwischen kabelnahen Böden und ihrer Umgebung maximal 2 Grad. Die durch Gleichstrom erzeugten magnetischen Felder seien, anders als bei Wechselstrom, statisch, ihre Wirkung würde durch den unterirdischen Einbau weiter abgeschwächt, erklärt der Projektsprecher.

Stadt will in Kürze Stellungnahme formulieren

In den nächsten 14 Tagen wird Amprion damit beginnen, die einzelnen Anträge für die Bundesfachplanung einzureichen. "Das wird etwa bis Februar dauern", erklärt Smith. Geprüft wird anschließend noch länger. Smith geht davon aus, dass der endgültige Korridor "nicht vor 2025" feststeht.

Bis dahin hat auch die Stadt Löningen Zeit, Stellung zum Verfahren zu nehmen. Solange will Bürgermeister Sibbel aber gar nicht warten. Bis vor Kurzem wusste die Verwaltung kaum etwas über den Korridor. In ihrer Stellungnahme werde sie auf die besondere Belastung der 3 Bauerschaften hinweisen, sagt Sibbel. "Sie sind bereits stark von überregionalen Projekten wie dem Ausbau der E 233 und dem Landschaftsschutzgebiet Südradde betroffen." Sibbel hat auch naturschutzrechtliche Bedenken und hofft, dass die Löninger Einwände die Entscheidung beeinflussen werden. Den grundsätzlichen Sinn der Leitung stellt der Bürgermeister aber nicht infrage. 

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