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Buddeln lohnt sich: Funde zeigen wahres Alter der Stadt

Die Ausgrabungen im Cloppenburger Stadtkern muten Bauherren Kosten zu. Aber: Die Ergebnisse sind mehr als ein paar Krugscherben oder einen silbernen Löffeln wert. Klaus Steinkamp hat mitgegraben.

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Schnack mit Schaulustigen: Klaus Steinkamp (links) in der Mühlenstraße 2013. Dabei wurden die Reste eines abgebrannten Hauses entdeckt, das wahrscheinlich eine Herberge war. Foto: Archiv/Kreke

Schnack mit Schaulustigen: Klaus Steinkamp (links) in der Mühlenstraße 2013. Dabei wurden die Reste eines abgebrannten Hauses entdeckt, das wahrscheinlich eine Herberge war. Foto: Archiv/Kreke

Cloppenburg ist wahrscheinlich fast doppelt so alt wie seine 575-Jahr-Feier der Stadtrechte. Die Ergebnisse hat der Cloppenburger Geschichtsforscher Klaus Steinkamp, der an etlichen Grabungen als ehrenamtlicher Helfer mitwirkte, jetzt im „Oldenburger Jahrbuch“ zusammengefasst, verständlich auch für Laien.  

Dank der Ausgrabungen auf einer alten Hofstelle zwischen der Bergstraße und dem Kirchhof St. Andreas fanden die Archäologen vor 8 Jahren die Rest von mindestens 4 Hauptgebäuden, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem 10. Jahrhundert stammen. Pfostengruben, Keramiktöpfe und Metallobjekte belegen die Anfänge der Gemeinde Krapendorf, die später in der Stadt aufging.

Urkunde gefälscht, aber Bodenfunde lügen nicht

Das wäre für sich genommen schon aufschlussreich, aber für die Geschichte ist der Fund doppelt wertvoll, weil zuvor eine Urkunde, auf die sich Cloppenburgs Alter stützte, als komplette Fälschung entlarvt wurde. Der Bonner Diplomatiker Theo Kölzer wies nach: Eine Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen für die Missionszelle Visbek, ausgestellt im Jahr 819, wurde im 10. Jahrhundert gefälscht. Das hatte Folgen für alle Altersberechnungen der von Visbek aus gegründeten Pfarrgemeinden, denn auch die Pfarrei Krapendorf stützte sich auf das angebliche Dokument. Die Ausgrabung belegt: Zumindest die Besiedlungsgeschichte passt mit dem Gründungsdatum Krapendorfs überein. Cloppenburg ist tatsächlich so alt.

Einen für den heutigen Stadtkern vielleicht noch wichtigeren Fund machten die ehrenamtlichen Grabungshelfer beim Ausbau der Osterstraße. Als die beauftragten Archäologen schon die Reste der Ratskapelle, eine Komibnation aus Kleinkirche und Ratsstube, entdeckten hatten, gruben sie eigenhändig noch tiefer und weiter, bis die Fundamente eines Vorgängerbaus auftauchten. Das bedeutet: Schon vor 1665 stand etwa am heutigen Eingang der Mühlenstraße, wo einst Cloppenburgs kleiner Marktplatz lag, eine Kirche, auf Eichenpfählen gegründet.

Fundstellen korrigieren historische Stadtkarte

Wegen der bevorzugten Lage am Schnittpunkt der beiden großen Handelswege, die sich in Cloppenburg trafen, vermutet der Hobby-Historiker, dass auch dieser Bau als Kirche und Ratsstube gedient haben dürfte. Wobei man sich nicht einen Ratssaal nach heutigen Maßstäben vorstellen darf: Bis 1829 genügte dem Magistrat eine Kammer von weniger als 20 Quadratmetern. Am anderen Ende der Osterstraße, in Richtung Bethen, korrigierte eine weiter Grabung die Lage der „Bremer Pforte“. Das alte Stadtor mit einer Durchfahrtstiefe von knapp 8 Metern stand stadteinwärts in etwa 25 Metern Entfernung von dem unter der Hagenstraße gefundenen Wassergraben der Stadtbefestigung und nicht, wie bislang angenommen, direkt an dessen Kante. Das zeigen die massiven freigelegten Fundamente.

Inzwischen hat Steinkamp eine eigene Stadtkarte gezeichnet, die solche Irrtümer behebt. Dazu kombinierte der Ingenieur Angaben aus alten Registern und Schadensberichten vom großen Stadtbrand - eine kriminalistische Kleinarbeit.

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