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Buchveröffentlichung: Wie ein Garrerler seine Depressionen besiegte

Eine irreversible Sehbehinderung reißt ihm den Boden unter den Füßen weg. Das Leben fühlt sich wortwörtlich dunkel an. Ein Garreler erzählt unter Pseudonym, wie er seine Depression bewältigt hat.

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Am zweiten Dienstag im Oktober begehen die US-Amerikaner den "National-Face-Your-Fears-Day" (zu Deutsch: Stell-dich-deinen-Ängsten-Tag), und in Europa ist mittlerweile der erste Sonntag im Oktober zum "Europäischen Tag der Depression" erklärt worden. "Ich denke, diese kuriosen Feiertage zeigen, dass die Themen Angst und Depression in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind", findet Nathan Nodega. Unter diesem Pseudonym hat der Garreler jetzt ein Buch mit dem Titel "Ein Lebenszeichen – Wie meine Angst verschwand und ich dadurch meine Depression besiegte" veröffentlicht.

Diesem Werk geht eine längere Zeit mit persönlichen Tiefen und auch Höhen des Autors voraus und es geht – kurz gesagt – um die Verarbeitung von Angst und Depression und deren Annahme. Nathan Nodega spricht den Leser direkt an, indem er offen über seine persönlichen Ängste nach einem schweren Schicksalsschlag berichtet und Möglichkeiten aufzeigt, sich dauerhaft von ihnen zu befreien. Sein erklärtes Ziel ist es dabei, aus einer Selbsterfahrung heraus eine gewisse Hilfe zur Selbsthilfe zu betreiben. Und das kommt an: "Das Buch hat mich aus einem tiefen Loch rausgeholt und meinen Horizont erweitert. Ich habe viel dazugelernt. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert", lautet die Rezension eines anonymen Lesers.

"Ich war plötzlich nicht mehr Herr meiner Dinge und mein Leben brach wie ein Kartenhaus zusammen.“Nathan Odega

Nodega selbst wurde vor 10 Jahren aus heiterem Himmel mit einer erheblichen irreversiblen Sehbehinderung konfrontiert, die in Folge einer Netzhautablösung eintrat. Dieser Einschnitt stellte sein Leben von heute auf morgen auf den Kopf: "Ich war plötzlich nicht mehr Herr meiner Dinge und mein Leben brach wie ein Kartenhaus zusammen." Über 20 Jahre war der Garreler Geschäftsführer eines großen Betriebes und hatte sprichwörtlich "immer Gas gegeben", um seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Sein Schicksalsschlag mündete schließlich in einer tiefen Lebenskrise mit einer einhergehenden Depressionsepisode. "Ich hatte bis dahin einen solchen Keulenschlag noch nie erlebt", sagt der Autor. "Ich war eine längere Zeit völlig traumatisiert und für mich war das unglaublich hart."

Bei der Bewältigung seiner Krise bemerkte Nodega, dass er mit seinen Problemen nicht allein war. Seine persönliche Sehbehinderung steht daher in seinem Buch auch nur stellvertretend für viele andere Schicksalsschläge oder traumatische Erlebnisse, etwa die Diagnose einer schweren Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen.

Depressionen nehmen immer mehr zu

"Es sind aber nicht nur Schicksalsschläge, die zu einer Depression führen können", hat Nathan Nodega mittlerweile gelernt, denn auch seine Ängste saßen tiefer und fanden bereits in seiner Kindheit ihren Ursprung. Personen aus der mittleren Generation, die 40- bis 65-Jährigen, also die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsära, könnten häufig von den gleichen oder ähnlichen Erfahrungen berichten. Nicht selten seien sie von ihren Eltern oder ihrem Umfeld mit einer "Sei stark"-Arbeitsmoral oder einer "Zieh's durch"-Mentalität geprägt worden. Und viele von ihnen würden nun in ihrer Lebensmitte von schweren Krisen mit innerem Unfrieden heimgesucht. "Es ist dadurch nur allzu verständlich, weshalb ausgerechnet in der heutigen Zeit verstärkt von auftretenden Depressionen oder sogenannten Midlife- und Burn-out-Krisen berichtet wird, die letztendlich aber auch nichts anderes als Depressionen sind, nur positiv verklärend ausgedrückt", führt Nodega aus.

Es könnten daraus Zustände entstehen, die auf unerträglicher Angst, Angst vor etwas Neuem und nicht Gewolltem beruhen. "Angst ist ein sehr einnehmendes Gefühl, sie kann schleichend und unmerklich eine enorme Macht über uns erlangen und unser gesamtes Verhalten und unsere Gedanken stark negativ beeinflussen", weiß der Garreler Autor aus eigener Erfahrung. Doch traue man sich oft nicht, sie offen einzugestehen. Und schon gar nicht, sie nach außen hin zu zeigen. "Ein Gefühl will aber gefühlt werden", musste Nodega selbst erst lernen. Auch die aktuelle horrende Inflation und der Ukraine-Krieg aufgrund von entstehenden Existenz-Ängsten und Tatenlosigkeit führen zu einem enormen Anstieg gedrückter Stimmung in der Bevölkerung.

Buch spricht auch junge Menschen an

Das Erstlingswerk von Nathan Nodega wendet sich aber ebenso an jüngere Leute, insbesondere junge Berufstätige, Studierende und Schüler. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass Bulimie, Burn-out-Syndrome, Zwangshandlungen und Depressionen gerade in jüngster Zeit bei jungen Menschen enorm zugenommen hätten. Die Generation junger Erwachsener fühle sich demnach aktuell häufig von den Herausforderungen des modernen Lebens mit seinem gesellschaftlichen Leistungsdenken unter Druck gesetzt. "Sie werden sich in dem Geschriebenen durchaus wiederfinden", ist sich Nathan Nodega sicher.

Viele Familien stünden diesem Phänomen dann hilflos gegenüber oder sie wüssten erst gar nicht, was ihnen widerfährt. Und wenn es dann realisiert werde, sei es häufig schier unmöglich, einen Termin bei einem Psychologen oder überhaupt therapeutische Hilfe zu bekommen. "Das war bei mir damals glücklicherweise noch etwas anders", ist der Garreler heute froh.

"Während meiner Krise gab es dann tatsächlich auch einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass es womöglich doch noch ein gutes Leben trotz meiner Behinderung geben könnte." Und schon da hat sich Nodega vorgenommen, seine Erfahrungen und das Gelernte aufzuschreiben, sobald er eine stabile Gefühlslage erreichen sollte. "Die Idee zum Buch ist also im Grunde bereits vor 6 Jahren entstanden und das Ergebnis liegt nun heute vor", sagt der Autor. Vor allem seiner Frau und den beiden Kindern dankt er für all ihre Unterstützung.


Fakten:

  • Nathan Nodega ist ein Pseudonym, bei dem Nathan als "der Gebende" steht. In seinem Buch gibt der Autor seine komplette Seele preis, um einerseits seine Geschichte zu verarbeiten, aber vor allem dadurch anderen zu helfen. Nodega ist ein Akronym aus dem Namen und Wohnort des Autors.
  • Das Buch "Ein Lebenszeichen – Wie meine Angst verschwand und ich dadurch meine Depression besiegte" ist im Selbstverlag erschienen und bei Amazon sowie den Buchhandlungen Oltmann in Garrel, Schepers in Friesoythe, Terwelp in Cloppenburg, Konerding und Lesezeichen in Vechta für 14,99 Euro erhältlich.

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