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Brutal? Ja! Aber Mord ist es wohl nicht

Im Prozess um den Tod des Oldenburger Friseurs Feras Serdar Kheder scheint sich der Tatvorwurf zu ändern. Das hätte Auswirkungen auf das Strafmaß.

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Symbolbild: dpa

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Im Bad Zwischenahner Mordprozess ist der Mordvorwurf vom Tisch. Die Tötung des Oldenburger Friseurs Feras Serdar Kheder (31) soll bezüglich des 42-jährigen Hauptangeklagten als Totschlag mit einer zeitlich begrenzten Strafe gewertet werden. Das hat am Freitag der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes, Sebastian Bührmann, in einer persönlichen Einschätzung des Geschehens erklärt.

Auch für einen Mitangeklagten soll sich der Hauptvorwurf ändern. Ihm soll eine Beteiligung an der Tötung des 31-jährigen Irakers nicht mehr angelastet werden, wohl aber eine gefährliche Körperverletzung. Damit entfällt auch für diesen 36-jährigen Syrer der Mordvorwurf. Richter Bührmann betonte, dass es sich bei der Einschätzung um eine vorläufige Zusammenfassung der bisherigen Beweisaufnahme handele.

Dann skizzierte der Vorsitzende, was nach bisherigen Erkenntnissen passiert ist. Die Ehefrau des Hauptangeklagten hatte mit dem späteren Opfer ein intimes Verhältnis unterhalten, dann aber Schluss machen wollen. Der 31-Jährige fertigte daraufhin heimlich mit seinem Handy ein Sexvideo, um die Frau damit zu erpressen. Am 9. April dieses Jahres stand der 31-Jährige mit seinem Fahrzeug vor dem Haus der Frau in Bad Zwischenahn. Die hatte zuvor ihrem Ehemann das Verhältnis gebeichtet, von der Erpressung und der Bedrohung berichtet.

Erst wollte das Handy rauben, dann töten

Nun informierte sie ihren Ehemann, der 31-Jährige sei wieder da. Der 42-Jährige war dann zusammen mit dem Mitangeklagten losgefahren. In erster Linie sollte dem Iraker das Handy mit dem Sexvideo abgenommen werden. Der Mitangeklagte schaffte das auch. Um eine erwartete Gegenwehr im Keim zu ersticken, war ein Messer mitgenommen worden. Der Mitangeklagte wusste davon. Damit hat er billigend in Kauf genommen, dass das Messer für eine mögliche Körperverletzung auch eingesetzt wird. Die Tötung des Irakers war aber nicht geplant.

Doch es kam anders. Während der Mitangeklagte das Handy mit dem Sexvideo zerstörte, trat der Hauptangeklagte an die Fahrertür des Opfer-Fahrzeugs und rammte dem Iraker aus Wut und Zorn das Messer in den Hals. Der 42-Jährige hatte behauptet, dem 31-Jährigen aus Versehen das Messer in den Hals gerammt zu haben. Das aber glaubt Richter Bührmann nicht.

Dass die Anklage nun abgeschwächt wurde, liegt an dem Umstand, dass Merkmale fehlen, die aus einem Totschlag einen Mord machen. Die Anklage hatte das Mordmerkmal der Ermöglichung einer Straftat gesehen. Erst töten, dann das Handy rauben. Doch es war wohl umgekehrt. Erst Handy rauben, dann töten.

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