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Brütende Uhus durch Quad-Fahrer gefährdet

Einst galt die große Eule als fast ausgerottet. Die Bestände der Uhus haben sich aber sehr gut erholt – auch im Oldenburger Münsterland. Hierzulande gefährden jedoch Quad-Fahrer den geschützten Vogel.

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Uhu-Küken in der Nähe von Steinfeld. Foto: M. Niehues

Uhu-Küken in der Nähe von Steinfeld. Foto: M. Niehues

Die Augen leuchten intensiv orange, der Kopf ist umhüllt von gräulich braunen Daunenfedern – die Uhu-Küken sind vor kurzem im Oldenburger Münsterland  geschlüpft. Bei den älteren Jungvögeln kommen bereits die Federn durch und lassen erkennen, welch prächtiger Vogel sich hier entwickelt.

18 Brutpaare sind Ulrich Heitmann, Vorsitzender der Naturschutzorganisation Pro Natura allein im Landkreis Vechta bekannt. Jedes hat jetzt 1 bis 4 Küken. Zwischen Visbek und Damme haben die Raubvögel geschützte Bereiche für sich aufgesucht, wo sie ihre Brut großziehen können. Auch im Landkreis Cloppenburg haben sich die Uhus in den letzten Jahren wieder etablieren können. Wenn es nur nicht Störer gäbe, die die Aufsucht der geschützten Vogel-Art gefährden würden.

"Wir haben immer wieder Quadfahrer und Motorradfahrer mit Geländemaschinen, die bis an die Brutstätten herankommen", beklagt Ulrich Heitmann. Die Uhus würden dadurch massiv gestört werden. Das Problem: Die Greifvögel brüten gerne in Sand- und Kiesgruben, sind meist als Bodenbrüter aktiv. Hier suchen sie Schutz an, auf und hinter Abbruchkanten. Und die Fahrer von Quads und Motorrädern umgehen die Sperrungen der Grubenbesitzer und brettern, das Abenteuer suchend, durchs Gelände. Rücksicht auf die geschützten Tiere nehmen sie nicht, wahrscheinlich auch aus Unwissenheit.

Versteckt sich hinter Brennnesseln an einer Abbruchkante: Ein Uhu-Küken im Landkreis Vechta. Foto: M. NiehuesVersteckt sich hinter Brennnesseln an einer Abbruchkante: Ein Uhu-Küken im Landkreis Vechta. Foto: M. Niehues

Landkreis leitet neun Bußgeldverfahren gegen Quadfahrer ein

Ulrich Heitmann, der die Bestände für die Untere Naturschutzbehörde genau im Blick hat, gefällt das gar nicht. Er spricht auch mit den Betreibern der Kiesgruben und lobt deren Kooperationsbereitschaft. Manche Zuwegung wird dann mit Erdbewegungen so verändert, dass das Vordringen zu den Uhus erschwert wird. "Die Fahrer müssen spüren, dass ihr rücksichtsloses und schädigendes Verhalten Konsequenzen hat", fordert er. Und das hat es auch. Wie Landkreis-Sprecher Jochen Steinkamp auf Anfrage mitteilt, geht die Behörde mit Bußgeldbescheiden gegen solche Verstöße vor. Seit 2019 hat demnach der Landkreis allein gegen Quadfahrer neun Verfahren eingeleitet, bei denen diese die geschützten Habitate von Uhus gestört haben. Drei Fahrer, berichtet er, haben zuletzt je 200 Euro Strafe zahlen müssen. Eines, so Steinkamp, ist aktuell bei Gericht anhängig. Außerdem sollen mehrere Verfahren gegen Autofahrer laufen.

Naturschützer Heitmann hofft, dass die Bußgelder Wirkung entfalten und weitere potentielle Störer abschrecken, damit der Uhu-Bestand zumindest stabil bleibt. Denn eigentlich gilt die Rückkehr des Uhus in sein früheres Verbreitungsgebiet als eine der größten Erfolgsgeschichten im deutschen Artenschutz, wie der Naturschutzbund (Nabu) zu berichten weiß. Die Zunahme des Bestandes wertet die Naturschutzorganisation daher als "ermutigendes Signal". Allerdings stellt der Nabu auch fest, dass der Bestand nicht überall wächst. So soll der Uhu in großen Teilen Bayerns  einen "bedrohlich geringen Bruterfolg" aufweisen. Regional geht der Bestand bereits wieder zurück.

Setzt sich für Uhus ein: Naturschützer Ulrich Heitmann beim Begutachten eines Kükens im vergangenen Jahr. Foto: M. NiehuesSetzt sich für Uhus ein: Naturschützer Ulrich Heitmann beim Begutachten eines Kükens im vergangenen Jahr. Foto: M. Niehues

Der Raubvogel reagiert also durchaus sensibel auf Störungen und Veränderungen. Der Nabu fordert beispielsweise gezielte Sicherungsmaßnahmen für einzelne Brutplätze. Wenn zudem beispielsweise Kiesgruben später wiederverfüllt werden sollten, sei es wichtig, bestehende Bruthabitate mittels Einzelfallregelungen dauerhaft sicherzustellen. Zudem heißt es: "Bei neuen Abbaugenehmigungen und Rekultivierungsplänen sollten Belange des Uhuschutzes stärker berücksichtigt werden.

Uhuschutz bedeutet Erhalt einer struktur- artenreichen Kulturlandschaft

Der Uhu, betont Ulrich Heitmann von Pro Natura Landkreis Vechta, "benötigt weiterhin besonderen Schutz". Die sieht auch der Nabu so. "Uhuschutz bedeutet immer auch den Erhalt einer struktur- artenreichen Kulturlandschaft", heißt es dort. "Nur in solchen Landschaften wird der Uhu als Offenlandjäger dauerhaft überleben können." Mit seinem Verhalten in der Natur könne sich jeder für den Uhu einsetzen.

Sucht hinter einem Baum Schutz vor der heißen Sonne: Junger Uhu in den Dammer Bergen. Foto: M. NiehuesSucht hinter einem Baum Schutz vor der heißen Sonne: Junger Uhu in den Dammer Bergen. Foto: M. Niehues

Das dürften auch die noch flauschigen kleinen Uhu-Küken im Oldenburger Münsterland zu schätzen wissen. Schon bald, wenn das braune Federkleid richtig durchgekommen ist, werden sie langsam flügge.

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