Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Britische Virusmutation breitet sich im Kreis Vechta extrem aus

Die Variante B.1.1.7 ist inzwischen vorherrschend vor Ort. Sie macht bis zu 85 Prozent der neuen Infektionen aus. Vor allem Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Artikel teilen:
Doppelt tückisch: Das Coronavirus vermehrt sich – und es verändert sich. Foto: dpa / NIAID-RML

Doppelt tückisch: Das Coronavirus vermehrt sich – und es verändert sich. Foto: dpa / NIAID-RML

Viren sind gleich doppelt tückisch: Sie vermehren sich und verändern dabei ihr Erbgut. Mutationen entstehen. Kommt es zu solch einer stabilen Abwandlung eines Virus, ist es in vielen Fällen noch aggressiver als sein Vorgänger. So ist es auch im Fall der zuerst in Großbritannien entdeckten Variante B.1.1.7 des Coronavirus. Seit Monaten breitet sie sich in Deutschland aus, hält die dritte Infektionswelle hoch. Nun ist die Mutation sogar bei der großen Mehrzahl der Corona-Fälle vorherrschend.

Auch im Landkreis Vechta: Bei 80 bis 85 Prozent der Neuinfektionen sei aktuell die Mutation B.1.1.7 per Labor bestätigt oder epidemiologisch nachgewiesen worden (Stand 31. März). Das teilte Kreis-Sprecherin Laura Niemann auf Anfrage der Redaktion mit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete für Deutschland einen Anteil von 88 Prozent – unter Verweis auf die Corona-Tests in der Woche vom 22. bis zum 28. März.

Die Leiterin des Vechtaer Gesundheitsamtes, Sandra Guhe, hatte bereits Anfang Februar mit Blick auf die Ausbreitung der britischen Mutation von einer „neuen Dimension“ des Infektionsgeschehens gesprochen, die „besorgniserregend“ sei. Die Mutation galt zu jenem Zeitpunkt bereits als eine wesentliche Ursache für den erneut starken Anstieg der Fallzahlen. Seither hat der Landkreis eine hohe 7-Tagesinzidenz (Zahl der Ansteckungen in einer Woche auf 100.000 Einwohner).

„Die Personen, die sich mit der britischen Mutation B.1.1.7 infiziert haben, sind länger ansteckend.“Laura Niemann, Sprecherin des Landkreises Vechta

Seit Februar seien vermehrt Untersuchungen auf die Variante B.1.1.7 anhand der positiven Corona-Proben in Auftrag gegeben worden, erklärte Kreis-Sprecherin Niemann. „Seitdem steigt die Zahl der aufgedeckten Virusmutation B.1.1.7 stetig an“, führte sie aus. Insgesamt seien dem Gesundheitsamt Vechta seit Beginn der Labordiagnostik 246 Fälle der Mutante gemeldet worden.

„Die Verteilung ist gleichmäßig auf alle Städte und Gemeinden zu beobachten“, erklärte sie. Es gebe keine regionalen Hotspots von Häufungen der Mutation. „Dort, wo insgesamt viele aktive Fälle auftreten, sind gleichzeitig auch mehr Mutationsfälle vorhanden“, erklärte Niemann

Jüngere häufiger im Krankenhaus

Und welche Besonderheiten gibt es im Fall einer Infektion mit der Mutation? „Die Personen, die sich mit der britischen Mutation B.1.1.7 infiziert haben, sind länger ansteckend“, sagte Niemann. Und weiter: „Wir beobachten, dass viele Infizierte nach Ablauf der 14-tägigen Isolation noch immer positiv getestet werden, somit noch ansteckend sind und die Quarantäne verlängert wird.“ Die Krankheitsverläufe der Infizierten seien teilweise zudem „deutlich schwerer“.

Niemann berichtete auch dies: Einige jüngere Personen seien unerwartet so schwer erkrankt, „dass stationäre Krankenhausbehandlungen erforderlich wurden“. Überhaupt gelte: „Die betroffenen Altersgruppen sind aktuell vor allem Jugendliche und Kinder.“

Auffällig sei weiterhin „die hohe Ansteckungsfähigkeit des mutierten Virus“. Selbst bei kürzesten Kontakten – vor allem dort, wo keine Maske getragen wird – komme es zu einer schnellen Ansteckung von gleich mehreren Personen, sagte Niemann. Das Gesundheitsamt des Landkreises habe deshalb bereits im Februar – noch bevor das RKI seine aktualisierten Empfehlungen herausgebracht hatte – die Strategie im Umgang mit Infektionsfällen mit Virusmutationen „angepasst und verschärft“.

Keine Verkürzung der Quarantäne möglich

So sei eine Verkürzung der 14-tägigen Quarantänedauer seither „grundsätzlich ausgeschlossen“ – und zwar wegen der längeren Krankheitsverläufe und Ansteckungsdauer, wie Niemann erläuterte. Außerdem: Bevor eine infizierte Person aus der zweiwöchigen Isolation entlassen wird, müsse erst ein erneuter PCR-Test mit negativem Ergebnis vorliegen. Bei einem noch nachweisbarem positiven Testergebnis werde eine siebentägige Verlängerung „der Isolationsmaßnahme angeordnet“.

Ebenso werde bei den engen Kontaktpersonen in Quarantäne verfahren. Und bei der Ermittlung der Kontakte würden „tendenziell strengere Maßstäbe für die Quarantänemaßnahmen angesetzt“. Auch das zu testende Umfeld der neu infizierten Person wird weiter gefasst, gegebenenfalls würden „ganze Cluster“ getestet.

Auch diese Erkenntnis gibt es: „Gerade bei den Mutationsfällen ist es typisch, dass nach einer stattgefundenen Ansteckung das Testergebnis erst nach zehn bis zwölf Tagen positiv nachweisbar wird.“ Das zeigt wohl zugleich: Es gibt Lücken im bundesweiten Kampf gegen Corona und seine Mutationen. Denn Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die in Quarantäne müssen, können die Isolation nach fünf Tagen beenden, wenn sie einen positiven PCR-Test vorlegen.

Brasilianische Variante vor Ort bislang nicht nachgewiesen

Eine solche Freitestung könne das Gesundheitsamt nicht verhindern, sagte Niemann. Denn: „Dies ist gemäß der Quarantäne-Einreiseverordnung rechtens, so dass eine Verlängerung der Quarantäne vom Gesundheitsamt bei negativem Testergebnis nicht angeordnet werden kann“. Sie hob aber auch hervor: „Aus infektiologischer Sicht ist eine Infektion trotz des negativen Testergebnisses am fünften Tag aber keinesfalls ausgeschlossen.“

Mittlerweile gibt es einige Mutationen von Sars-Cov-2. Zu den bekanntesten zählen – neben der britischen – die südafrikanische Variante und die brasilianische. Wie oft wurden sie im Kreis Vechta festgestellt? Niemann sagte: „Es wurden einmalig zwei Fälle der südafrikanischen Variante von einem externen Labor nachgemeldet. Eine Ausbreitung dieser Variante wurde nicht beobachtet.“ Und die brasilianische Virusvariante sei im Landkreis Vechta bislang noch nicht nachgewiesen worden.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Britische Virusmutation breitet sich im Kreis Vechta extrem aus - OM online