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Brieftauben lassen jetzt Federn

Die Rennen 2021 sind für die Züchter gelaufen. Mit dem 3. Platz ist Bernd Michael Lüske nicht unzufrieden, wie er im 4. und letzten Teil der Serie über den Taubensport erklärt.

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Auflass im Ecopark: Züchter aus Polen und Tschechien lassen ihre Tiere regelmäßig in Drantum frei. Foto: Thomas Vorwerk

Auflass im Ecopark: Züchter aus Polen und Tschechien lassen ihre Tiere regelmäßig in Drantum frei. Foto: Thomas Vorwerk

Sie sehen momentan ein wenig gerupft aus, die Brieftauben von Bernd Michael Lüske. Das hat nichts mit der zurückliegenden Saison zu tun, sondern liegt einzig und alleine an der Mauser, die die Tiere jedes Jahr im Herbst durchmachen. Das sei ganz normal, versichert Lüske. Jedes Jahr verlieren die Tiere all ihre Federn und bilden sie neu, denn die äußeren Einflüsse wie Regen, Schnee, Kälte, Wärme und Sonneneinstrahlung hätten dem Federkleid zugesetzt.

Auf 12 Flügen über jeweils mehrere hundert Kilometer haben sich die Tauben von Lüske beweisen müssen und am Ende ist die Bronzemedaille für den Züchter herausgesprungen. Platz 1 in der Reisevereinigung Cloppenburg, in der sich mehrere Vereine zusammengeschlossen haben, holte sich Wolfgang Brinker und Silber ging an Manfred Penning.

Zwischenzeitlich gab es einen Durchhänger

"Ich bin nicht unzufrieden", kommentiert der Emsteker sein Ergebnis. Zwischendurch habe es ein wenig gehakt und bei den Flügen 6 bis 9 war die Luft raus, "am Ende haben sie sich aber gefangen und auf der 11. und 12. Reise jeweils den 1. Konkurs geholt." 1. Konkurs? Das bedeute, dass der Vogel als Erster aus der Reisevereinigung wieder im heimischen Schlag angekommen sei, sagt der Profi.  

Ein Jahr voller Erkenntnisse liegt hinter Bernd Michael Lüske. Foto: Thomas VorwerkEin Jahr voller Erkenntnisse liegt hinter Bernd Michael Lüske. Foto: Thomas Vorwerk

Aber warum hatten die Tiere einen Durchhänger? "Wenn man das wüsste, wäre man ja Meister", fasst der 50-Jährige kurz zusammen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen können und eine Reihe an Einflüssen gar nicht zu erklären ist. So habe es ihn und seinen Vater Bernd, mit dem er eine Schlaggemeinschaft bildet, besonders gefreut, dass sie den besten jährigen Vogel aus dem Regionalverband gestellt haben. Regionalverband? Darin sind 7 Reisevereinigungen zusammengeschlossen. Somit habe sich die Taube aus dem Jahrgang 2020 gegen mehrere 1000 Artgenossen durchsetzen können. Champion oder Eintagsfliege? "Er soll sich nächstes Jahr noch einmal beweisen und dann – wenn er weiterhin vorne dabei ist – in den Zuchtschlag." 

Jungtauben haben sich deutschlandweit schwer getan

Nach der Alttierreise hat der Züchter eine Woche Pause, bevor die Jungtauben auf den Weg gebracht werden. Sie sind im Januar geschlüpft und hatten 2021 gute Bedingungen, weil es kein heißes Jahr war. "Trotzdem haben sich die Jungtauben deutschlandweit schwer getan. Die Gründe dafür sind ebenfalls schwer auszumachen, es könnte aber sein, dass atmosphärische Störungen die Orientierung der Tauben beeinträchtigt haben. Dennoch war es eine gute Saison."

Allerdings für die Lüske-Tauben eine kurze. "Ich bin nach 3 von 5 Flügen ausgestiegen, denn sie sollen ja nur etwas lernen und ich möchte keine Tauben verlieren." Es gebe für die jungen Tiere auch Meisterschaften, bei denen man mit viel Aufwand und Training einiges erreichen könne. "Das Gros der Züchterschaft betrachtet dies aber nur als Anlernphase. Im nächsten Jahr sollen sie dann ihr Können zeigen." 

Brieftauben sind prinzipiell monogam

Die älteren Tauben haben sich nach der Saison ihre Pause verdient. Der Endflug über 600 Kilometer bei warmen Bedingungen war schwer, sei aber glatt gelaufen. Eine Woche Ruhe und dann sind Männchen und Weibchen noch mal angepaart worden, sagt Lüske. Die Tiere seien prinzipiell monogam und haben sich in den Wettbewerbsmonaten immer nur kurz gesehen. So werde die Bindung gefestigt, auch wenn die Eier nicht ausgebrütet werden. Die dann einsetzende Mauser ist nicht nur für die Tiere anstrengend, auch der Züchter hat es nicht leicht, weil der Reinigungsaufwand der Schläge sich dadurch noch einmal erhöht.  

Neben den regulären Flügen in der Meisterschaft gab es noch 2 Wettbewerbe, auf die der Kämmerer der Emsteker Gemeindeverwaltung ein besonderes Augenmerk hatte. Der bundesweite Preisrichtervorstand, dem Lüske angehört, hat sich als Team am Ruhrflug sowie beim German-Classic mit 7 Jungtauben aus 2021 beteiligt. Sowohl beim Finalflug nach Essen als auch beim letzten Wettbewerb in Paderborn kamen die Tiere aber nicht in die Wertung. Im Siegesfall hätten jeweils 20.000 Euro Preisgeld gewinkt.    

Gute Eltern alleine machen noch keinen Champion

Kurz vor Weihnachten werde wieder angepaart, zählt Lüske auf. Schon jetzt kreisen in seinem Züchterkopf die Gedanken, wer zu wem passt. Im Laufe der Saison seien einige Erkenntnisse gereift, welches Arrangement sich gut fortgepflanzt habe und wo es nicht so gut funktionierte. "Beide Elterntiere sind vielleicht gut, doch das muss sich nicht zwingend auf den Nachwuchs auswirken. Am Ende ist es ein reines Probieren." Mit der Monogamie ist es dann auch vorbei, wenn Lüske die Karten neu mischt. Einfach Männchen und Weibchen zusammensetzen, das reicht aber nicht. "Es dauert 10 bis 12 Tage, bis sie zueinander gefunden haben." Oder nicht, denn ohne Sympathie finden die beiden nicht zueinander.   

Jetzt ist eigentlich die Zeit, in der der Züchter Urlaub machen kann. Und einige brauchen ihn auch. "Es gibt Züchter, die verlieren in der Saison 10 Kilo, weil sie sich 24 Stunden am Tag nur mit ihren Tieren beschäftigen. Dann bekommt auch der Begriff Taubensport eine ganz andere Bedeutung." In dieser Region werde es alles eher als Hobby betrachtet. "Die Top-Leute könnten allerdings auch davon leben."

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