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Bösels legendäre "Puppentante" ist vor 60 Jahren gestorben

Anna Deeken war jahrelang als Hebamme für werdende Mütter im Einsatz. Damals gab es noch keinen Arzt im Ort. Insgesamt 44 Jahre lang, bis 1953, verrichtete sie ihren Dienst.

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44 Jahre lang Hebamme und die gute Seele der Schwangeren in Bösel: Anna Deeken war praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Foto: Archiv/Pille

44 Jahre lang Hebamme und die gute Seele der Schwangeren in Bösel: Anna Deeken war praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Foto: Archiv/Pille

"Anna, du moss nu kaomen, dat is nu so wiet." Dieser Satz war der Auslöser, die Tasche mit dem Nötigsten zu ergreifen und sich bei Wind und Wetter auf den Weg zu machen. Man nannte sie „die gute Seele der Schwangeren“. Das dürfte gestimmt haben, denn in Bösel gab es tatsächlich während ihrer Schaffenszeit ohne sie kein Leben. Die Rede ist von „Deeken Mamm'“, Anna Deeken, die für lange Zeit in Bösel Hebamme war. Vor 140 Jahren wurde sie geboren, 1961, vor 60 Jahren starb die legendäre Böseler „Puppentante“.

Sie war praktisch jederzeit erreichbar. Das war damals gar nicht so einfach, denn zu dieser Zeit bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts hatten die wenigsten Leute ein Telefon und schon gar kein Auto. Am 10. Oktober 1881 kam sie, eine geborene Tapken, in Garrel zur Welt. Sie heiratete im Jahr 1900 Johann Deeken, der aus Petersdorf stammte. Sie bekamen 13 Kinder. Eine bessere Empfehlung konnte es für sie als Hebamme kaum geben. In Bösel gab es damals noch keinen Arzt. Anna hatte selbst schon fünf Kinder, als sie zur Ausbildung nach Oldenburg ging. Dort gab es bereits seit 1791 eine Hebammenschule, eine der ältesten in Deutschland. Herzog Peter-Friedrich-Ludwig war es damals, der Mittel für den Aufenthalt und den Unterricht zur Ausbildung von Hebammen aus eigener Tasche bereitstellte. Die Tätigkeit wurde öffentlich und offiziell geschätzt: 1886 hatte Kaiserin Augusta mit Genehmigung ihres Mannes sogar ein Ehrenabzeichen für „Wehmütter“, wie Hebammen damals hießen, gestiftet.

Anna Deeken machte sich zu Fuß oder mit Fahrrad auf den Weg zu ihren Einsätzen

Wie sah es damals in Bösel aus, wie waren Anna Deekens Arbeitsbedingungen? Die Menschen hatten nicht viel, erst recht kein Geld. Es war ärmlich in Bösel, oft genug war keine Babykleidung vorhanden, Deeken ließ dann Bettlaken zerschneiden. Ihr Geld wird sie wohl auch nicht immer bekommen haben. Feste Straßen wie heute gab es noch nicht. Wenn es geregnet oder geschneit hatte, waren viele „Straßen“ und Wege kaum passierbar. Anna Deeken machte sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Weg, wenn sie gerufen wurde. Der Hof der Deekens, der 1972 abgerissen wurde, lag etwas zurückliegend an der heutigen Bahnhofstraße, dort, wo Anna Deeken 1952 ein Wegkreuz errichten ließ, das noch heute steht. Dora (später Hackmann), das vierte Kind der Hebamme, wusste zu berichten, dass der alte Schmied Wegmann und wohl auch Bauer Block (Wienken), immer bereit waren, die Pferde anzuspannen. Sie hatte auch irgendwann ein Moped und ihr Sohn Johannes, das 10. Kind, irgendwann nach dem Krieg, ein Auto. Er machte, sozusagen einen „Taxidienst“.

44 Jahre lang, bis 1953, versah sie ihren Dienst in der Gemeinde, über 4000 Kinder wurden von ihr ins Leben geholt. Anna Deeken war da, wenn Urschmerz und Anspannung in großem Glück gipfelten, wenn Liebe und Leid sich zusammenfügten und wenn neues Leben in die Welt kam. Auf ihrem Totengedenkzettel von 1961 heißt es: „Ihre Liebe und Aufopferung galt neben ihrer großen Familie auch 44 Jahre lang den Müttern der Gemeinde Bösel.“

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