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Bösel ist seit 145 Jahren selbstständig

1876 trennte Großherzog Nikolaus Friedrich Peter die Gemeinde von Altenoythe und stärkte die Selbstverwaltung. Zweimal war Bösel eine alleinstehende Gemeinde.

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Gasthaus Rohen Ende des 19. Jahrhunderts: Hier wurde vor 145 Jahren gewählt. Foto: Archiv/Pille

Gasthaus Rohen Ende des 19. Jahrhunderts: Hier wurde vor 145 Jahren gewählt. Foto: Archiv/Pille

145 Jahre alt wird in diesem Jahr die politische Gemeinde Bösel. 1876 erhob Großherzog Nikolaus Friedrich Peter sie in die Selbstständigkeit und vollzog die Trennung von Altenoythe. Bereits zwei Jahre zuvor war die katholische Pfarrgemeinde durch den Diözesanbischof Johann Bernhard Brinkmann selbstständig geworden, Joseph Götting wurde erster Pfarrer.

Das hatte die Böseler Mitglieder im Altenoyther Gemeinderat unter der Führung von Bauernvogt Hinrich Kurmann angespornt, die langersehnte Selbstständigkeit zu erkämpfen. An seiner Seite waren Laurenz Osterwiek, Josef Kühter, Johann Bernard Drees sowie Ernst und Heinrich Preuth. Schon einige Eingaben waren an das Großherzogliche Staatsministerium geschickt worden. Immer wieder torpedierte Altenoythe diese Bemühungen und bezweifelte die Lebensfähigkeit beider Gemeinden und verwies auf die Kosten.

Viel war ja nun wirklich nicht los im "Schapsdonnerland": Die vorzüglichsten Erwerbsquellen sind zu der Zeit der Ackerbau, die Schaf- und Bienenzucht, der Strumpfhandel und die Torfgräberei. Was gaben die mageren Geestböden her? Hanf, Hafer, Roggen, Kartoffeln, Buchweizen im Moor sicher, vielleicht auch mal Flachs. Das Verwaltungsamt Friesoythe gab zu bedenken, dass "die Loslösung der strebsamen und wachsenden Bauernschaft Bösel nicht nur keinen Nutzen, sondern direkten Schaden" habe.

Durch eine 1855er Gemeindeordnung konnte in Bösel gewählt werden

Es verwies aber auch darauf, dass besonders Bösel "noch einen bedeutenden Schatz in ihren noch weit ausgedehnten Moorflächen besitzt", die von Jahr zu Jahr wertvoller würden. Was man noch nicht sah, war dieses: Mit dem Ausbau des Straßensystems und dem Bau der Eisenbahnlinie war eine der Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen. Die Böseler hatten damals das Glück, dass die Gesetzgebung ihnen in die Karten spielte. Der Großherzog hatte 1855 zuvor eine Gemeindeordnung ratifiziert, die die Selbstverwaltungen der Gemeinden erheblich stärkte und zu einer Ausweitung der Mitbestimmungsrechte des Volkes führte.

In Bösel musste nun konstituierend gewählt werden. Man kam in Rohens Gasthaus zusammen. Wählbar waren in zwei Klassen nur die Männer. Die Wahlen leitete der Amtmann B. Friedrich Zedelius. Zeller Laurenz Osterwiek und Anbauer Gerd Hinrich Lanfermann waren Urkundsbeamte. Erster Gemeindevorsteher wurde der 48-jährige Zeller Bernd Meiners, der dafür 180 Mark erhielt. Er trat ein Jahr nach seiner Wiederwahl zurück. Man hatte ihm seine jährliche Entschädigung gekürzt.

1933 wurden Bösel und Altenoythe zu einer Gemeinde zusammengelegt

Zeller Gerd Hinrich Rolfs sowie Henken wählten die Gemeinderatsmitglieder zum Beigeordneten. Rechnungsführer wurde Gastwirt und Kaufmann Johann Heinrich Rohen. Als erster Armenvater fungierte Anbauer Gerd Hinrich Lanfermann, als Feldhüter und Bestellbote Gerd Höffmann aus Osterloh. Die Bauernvögte wurden abgeschafft, dafür kamen Bezirksvorsteher, die auch Ortspolizeigewalt ausübten. In Bösel war das Zeller Josef Kühter, in Petersdorf ("Pferdeschloot") Anbauer Hinrich Preuth. "Heim nach Altenoythe" hieß es jedoch im Jahre 1933, als das oldenburgische Staatsministerium das "Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung" erließ. Bösel fand keine Gnade vor diesem Gesetz: Bösel und Altenoythe wurde aufgelöst und zu einer Gemeinde Altenoythe wiedervereinigt.

Bis 1948 währte Bösels Nichtselbstständigkeit, als die Großgemeinde wieder aufgelöst wurde und Bösel wieder autonome Gemeinde wurde. Das alles war der Neubeginn einer erstaunlichen insgesamt 140-jährigen Entwicklung hin zu einer immer noch selbstständigen und blühenden Gemeinde.

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