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Boostern, boostern

Kolumne: Das Leben mit Corona: Mit den AHA-Regeln ging es los, dann kam der Impfstoff und jetzt? Jetzt sollen wir uns boostern – aber wie läuft das eigentlich?

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Damals im Frühjahr 2020 erzählte einer der Schlauen, da soll eine neue Epidemie kommen, so etwas wie Grippe, Corinna heißt die. Muss man nicht so ernst nehmen. Und er blieb bei seiner Meinung und dachte weiterhin quer.

Wir stattdessen waren beunruhigt. Die Zahlen stiegen, aus Epidemie wurde Pandemie, Lockdown, das Leben kam zum Erliegen. Wir schützten uns durch Maske und Abstand und hofften auf den Sommer. Der kam und die Zahlen gingen runter. Dann kam der Winter und die Zahlen stiegen.

Dann endlich der Impfstoff. Von Frau Doktor aus Lastrup und ihrem Ehemann entwickelt. Ein Wunder und zugleich große Hoffnung.

Nun ist die zweite Impfung sechs Monate her. Und die über 70-Jährigen sollen boostern. Was es nicht alles für Begriffe gibt. Boostern meint: Frischen Sie mit einer dritten Impfung auf. Täglich prasselt es auf die älteren Mitbürger ein: Boostern, boostern.

"Wir brauchen keine Impfzentren. Aber 6 Wochen warten? Vielleicht ist es dann ja zu spät" Otto Höffmann

Ist ja gut. Doch wie und wo und wann? Der Hausarzt sagt, frühestens in sechs Wochen. Vorher ist da nichts zu machen. Aber die Ärzteverbände rufen uns doch auf, die Arztpraxen aufzusuchen. Das stemmen die Kolleginnen und Kollegen, sagen die Funktionäre. Wir brauchen keine Impfzentren. Aber sechs Wochen warten? Vielleicht ist es dann ja zu spät.

Also das Bürgertelefon beim Landkreis Cloppenburg nutzen. Die Zentrale warnt: Wartezeit mitbringen. Es rufen einfach viele (zu viele?) Bürger an, sagt die freundliche Dame in der Zentrale. Versuch, Versuch, dann klappt's. Nein, sagt die freundliche Dame am Bürgertelefon. Für Auskünfte zum Impfen sind wir nicht zuständig. Da müssen Sie das Impfzentrum anrufen. Ich gebe Ihnen die Nummer. Aber bedenken Sie: Wartezeit mitbringen.

Versuch, Versuch. Dann klappt's. Nein, wir sind nicht das Impfzentrum, das gibt's ja gar nicht mehr. Ob es noch wieder etwas werden wird, mag Gott wissen. Wir sind hier das Rote Kreuz. Um was geht es? Na ja, ums Boostern, kommt es kleinlaut vom Anrufer.

Da wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, sagt die freundliche Dame. Habe ich ja, aber dort muss ich sechs Wochen warten. Sechs Wochen? Da seien Sie aber froh. Das ist doch schnell. Wir versuchen gerade, öffentliche Impfungen mit den Gemeinden vorzubereiten. Aber das kann dauern. Außerdem ist das öffentlich, das heißt keine festen Termine, wohl aber Warten ohne Ende. Nehmen Sie den Termin beim Hausarzt wahr. Einige bekommen erst im Februar einen Termin für die dritte Impfung.

Lassen Sie sich impfen, rufen uns die Heimatzeitung, das Internet und das Frühstücksfernsehen entgegen. Ein Pieks und der Schutz ist aufgefrischt. Niederschwellig lautet das Zauberwort. Impfen im Vorbeigehen beispielsweise im Supermarkt.

Ach ja, sagt die Arzthelferin, bringen Sie die beiden Impfformulare zum Termin mit. Welche Formulare? Die können Sie im Internet ausdrucken und dann ausfüllen. Ganz einfach. Schönen Tag noch.

Wie hoch war die Impfquote noch? Sollte höher sein? Wohl wahr. Der Schlaue, der immer noch querdenkt, sagt: "Siehste, die nehmen das alle auch nicht mehr so ernst und so wichtig." Dann wird’s wohl nicht mehr so ernst und wichtig sein. Nebenwirkungen der beiden bisherigen Impfungen waren die ganze Zeit nicht aufgetreten. Jetzt hat's mir doch ein wenig auf den Magen geschlagen.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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