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Böller gehortet: Bewährungsstrafe für 31-Jährigen

Der 31-jährige Angeklagte aus Hessen hatte bundesweit verbotene Knallkörper über das Internet verkauft. Ein 22-Jähriger aus Löningen starb 2018 nach einer Explosion an den erlittenen Verletzungen.

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Lebensgefährlich: Die sogenannten „Polenböller“, die in der Silvesternacht 2018 einem jungen Löninger zum Verhängnis wurden. Der Händler aus Hessen wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: dpa/Marks

Lebensgefährlich: Die sogenannten „Polenböller“, die in der Silvesternacht 2018 einem jungen Löninger zum Verhängnis wurden. Der Händler aus Hessen wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: dpa/Marks

Wegen des Hortens und Handelns mit illegalem Feuerwerk ist ein Mann vom Landgericht Hanau gestern zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der 31 Jahre alte Angeklagte aus Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) hatte das hierzulande wegen der starken Explosionswirkung verbotene Feuerwerk bundesweit über das Internet verkauft.

Vom ursprünglichen Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde der 31-Jährige indes freigesprochen. Von einem zu früh explodierten Böller aus dem Vorrat des Mannes war in der Neujahrsnacht 2018 ein 22-jähriger Löninger schwer im Gesicht verletzt worden. Er starb sechs Tage später an den Folgen der Explosion. Das Opfer hatte diesen Böller aber nicht direkt von dem Angeklagten gekauft, sondern über einen damals 19-jährigen Bekannten aus Löningen erhalten. Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

Böller detonierte direkt vor dem Gesicht des jungen Mannes

Der 22-jährige Löninger hatte den Böller auf einer privaten Silvesterparty auf einer Rasenfläche vor der Schützenhalle in Wachtum gezündet. Offenkundig konnte er den Böller, der aus 300 Gramm Sprengstoff bestanden haben soll, nicht rechtzeitig wegwerfen oder aber der Böller explodierte zu früh – und detonierte direkt vor dem Gesicht des jungen Mannes.

Der jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilte 32-Jährige hatte von Bruchköbel im Main-Kinzig-Kreis in Hessen bundesweit unter dem Pseudonym „Werner Lustig“, so die Hanauer Nachrichten, sogenannte „Polenböller“ über das Internet verkauft. Dabei handelt es sich um aus dem Nachbarland stammende und in Deutschland illegale Feuerwerkskörper mit starker Explosionswirkung.

Die Polizei war im Mai 2018 auf das illegale Feuerwerksarse­nal gestoßen, in dem sich rund 200 Kilogramm Böller befunden haben sollen. In Kellern, Wohnung sowie in einem Garten stellten die Polizisten zahlreiche Kisten sicher. Allerdings beschränkten sich die Streifenbeamten darauf, die Fundorte zunächst abzuriegeln, weil ein Abtransport zu gefährlich gewesen wäre. So rückten Experten des hessischen Landeskriminalamts an, um das lebensgefährliche Arsenal zu beseitigen. Vor diesen Knallern mit Namen wie „Crazy Roots“, „Circoblitz“ oder „Scream Shell“ warnen die Behörden schon seit Jahren. Sie seien „extrem gefährlich“.

Der 19-jährige Löninger, der die „Polenböller“ für sich und seinen Freund besorgt hatte, war schon im Jahr 2018 wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz angeklagt. Er selber hatte seine Knaller allerdings nach dem Unfall nicht mehr gezündet, sondern in einem Wald entsorgt. Mit einer entsprechenden Beschreibung sind diese Böller von der Polizei auch aufgefunden und gesichert worden. Der 19-Jährige sagte, er leide schwer unter dem Tod des Freundes. Deswegen beließ es das Cloppenburger Amtsgericht bei einem Schuldspruch und einer Geldauflage zugunsten der Feuerwehr.

"Er fehlt allen sehr und hat eine große Lücke hinterlassen.“Vater des verstorbenen 22-Jährigen

Der Vater des verstorbenen jungen Mannes sagt, sein Sohn sei sehr beliebt gewesen. „450 Menschen waren auf der Beerdigung, und auch jetzt finden sich immer wieder Dinge auf dem Grab, die dort neu hingelegt werden als Erinnerung an unseren Sohn. Er fehlt allen sehr und hat eine große Lücke hinterlassen.“ Die Polizei in Cloppenburg habe gute Arbeit bei der Aufklärung des Falles geleistet. Denn dass es nur „Meister Zufall“ war, der die Kriminalisten in Hanau auf die Spur der Feuerwerksverstecke brachte, daran glaubt der Vater nicht. „Die Polizei hat ja auch das Handy meines Sohnes untersucht – und die darauf vorhandenen Kontakte.“

Ähnliches machte die Polizei Hanau. Bei ihren Nachermittlungen stießen die Beamten auf zahlreiche digitale Kontakte. Darunter befand sich auch die Spur der „Crazy Roots“-Böller, die in den Kreis Cloppenburg führte. Doch der 22-jährige Löninger war zu dem Zeitpunkt schon tot.

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