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Böseler Mahnmal schwebt an neuen Standort

Das tonnenschwere  Monument musste dem neuen Kreisverkehr neben der Kirche weichen. Um die Platzierung gab es lange Diskussionen im Gemeinderat.

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Präzision ist gefragt: Zentimetergenau fand das Mahnmal seinen neuen Platz am Rande des Dorfparks. Foto: Pille

Präzision ist gefragt: Zentimetergenau fand das Mahnmal seinen neuen Platz am Rande des Dorfparks. Foto: Pille

Ältere Semester werden sich vielleicht erinnern: Das gab es doch schon einmal. Am Donnerstag ist das Mahnmal mit einem schweren Kran in einer fast 5-stündigen Aktion behutsam und unversehrt auf seinen neuen Bestimmungsort am Rande des Dorfparks gesetzt worden. Mit Seilen bugsierten Mitarbeiter einer Fachfirma das Denkmal in die richtige Position, indem der Kranführer es Zentimeter für Zentimeter absenkte. Zahlreiche Zaungäste beobachteten das stundenlange Geschehen.

Das tonnenschwere Monument musste dem neuen Kreisverkehr neben der Kirche weichen. Es folgte eine wochenlange öffentliche Diskussion über einen geeigneten neuen Standort, den der Gemeinderat letztlich im Dorfpark festlegte, der nach seiner Renovierung inzwischen zum lebendigen Mittelpunkt des Dorfes geworden ist und eine exponierte Position in dem großen Areal bot.

Fachfirma reinigt den Stein auf dem Bauhof

Jetzt war der Stein von einer Fachfirma auf dem Bauhof gereinigt und saniert worden. Mit einem Schwertransporter ging dann die Fahrt schrittweise quer durch das Dorf bis zum neuen Bestimmungsort hinter dem Volksbank-Parkplatz. Bis 1963 stand das Denkmal direkt an der Kreuzung L35/Overlaher Straße. Als der Straßenverkehr damals dermaßen zunahm, dass die Straße verbreitert werden musste, hoben ihn große Kräne der Bundeswehr vom Sockel und gaben ihm einen neuen Platz dort, wo er 59 Jahre stand.

Der im Jahre 1896 gegründete Kriegerverein Bösel beschloss im Jahre 1925, den im 1. Weltkrieg gefallenen 64 Kriegern des Ortes ein Denkmal zu setzen. Dieses war ein über 3 Meter hoher eiszeitlicher Findling, den man in 5 Metern Tiefe auf dem Grundstück von Heinrich Preuth, Bremersand, im Kündelmoor gefunden hatte. Pfarrer Franz Sommer stellte das Grundstück gegenüber der Kirche unentgeltlich zur Verfügung. Bauleiter war der Vorsitzende Heinrich Oltmann aus Westerloh, ihm zur Seite stand Kassenführer Hermann Gelhaus. Man bildete eine Baukommission, der Postagent Josef Rolfes vorstand.

Nach dem 1. Weltkrieg aufgestellt

8 Tage lang buddelte man nach dem Findling und weitere 5 Tage währte der Transport mittels Loren. Unter der Leitung von Schachtmeister Gustav Walter aus Eisenroth (Hessen-Nassau) wurde der Stein dann mit Winden und Flaschenzügen gerichtet. Die Kosten von 3000 Goldmark brachten die gerade mal 1500 Bürger auf.

In profiliertem Relief schaffte Kunstbildhauer Fritz Ewertz, Münster, der sich schon beim Hochaltar, der Pieta und dem Taufstein in der Pfarrkirche bewährt hatte, aus dem Stein einen lebensgroßen Krieger vor dem Grab. Am Ende einer Urkunde von Pfarrer Sommer, die in den Sockel eingemauert wurde, schrieb der Geistliche: „Möge Gott das geknechtete Deutschland in einem langen Frieden bald zu Freiheit und zur Blüte führen! Es lebe Deutschland!“

Urkunde ist verschollen

Für den Kriegerverein und die Gemeinde Bösel im Freistaat Oldenburg unterschrieben folgende Personen die Urkunde: Joseph Rolfs, Heinrich Bünnemeyer, Joseph Bley, Heinrich Brinker, Bernard Rohen, Ferdinand Busse, Gottfried Burghardt, Bernard Block, J.H. Rolfes, H. Höffmann, H. Cloppenburg, Heinrich Oltmann, Anton Nordenbrock, Heinrich Lübben (Bürgermeister), Liborius Schmidt und Franz Kühter. Weder das eine, noch das andere Treffen ein: 8 Jahre später ergriff Adolf Hitler die Macht. Aus dem Kriegerverein wurde der „NS-Reichskriegerbund“. Die Urkunde wurde beim Abbau im Frühjahr nicht wiedergefunden.

Auf dem neuen Mahnmalplatz im Dorfpark finden nun auch die alten Gedenkkreuze ihren Platz, die die Kriegsjahre des 1. und 2. Weltkrieges markieren. Seit dem Jahr 2015 wird zum Volkstrauertag nicht nur an die gestorbenen Soldaten, sondern auch an viele andere Opfer erinnert.

Gedacht wird inzwischen auch vieler weiterer Opfer

Erstmals gedachte Bürgermeister Hermann Block damals an diesem Erinnerungsort auch des im April 1945 in Bösel ermordeten englischen Piloten Harry A. Horsey und des polnischen Zwangsarbeiters Stanislaw Dytwach, der am 14. November 1942 auf Befehl der Gestapo im Böseler Kronsberg erhängt wurde. Deren Stelen finden sich ebenfalls auf dem Rondell wieder.

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