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Black Friday und Weihnachtsgeschäft: So kommt das Paket schnell und günstig an

Der Zoll wappnet sich für die Flut von Paketen durch den Online-Handel und warnt: Das vermeintliche Schnäppchen könnte teuer werden. Käufer sollten auch die Einfuhrzölle und Gebühren beachten.

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Symbolfoto: Zoll

Symbolfoto: Zoll

Während die Einzelhändler zum Weihnachtsgeschäft wieder darauf hoffen, dass die Verbraucher die lokalen Geschäfte unterstützen, sieht die Realität doch anders aus: Mit dem "Black Friday" startet der Online-Handel mit "Cyber Weeks" und Rabattangeboten in die Weihnachtssaison. Zoll und Paketdienstleister wappnen sich für eine Flut von Paketen – spätestens, wenn die von außerhalb der EU kommen, kann es für den Käufer unangenehm werden. Das Paket kommt nicht rechtzeitig an – und unter Umständen kann es richtig teuer werden.

Davor warnt jetzt zumindest das Hauptzollamt in Osnabrück. "Was viele Online-Shopper nicht bedenken: Wird das ersehnte Paket aus einem Nicht-EU-Land verschickt, ist der Zoll mit im Spiel, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht", erklärt Christian Heyer, Presseprecher des Hautpzollamtes. Auf den ursprünglich einkalkulierten Preis kommen mitunter nicht nur Zölle – sondern auch eine Einfuhrumsatzsteuer und auch noch zusätzliche Gebühren. Heyer erklärt, warum das so ist.

Freigrenze von 22 Euro ist am 1. Juli weggefallen

Wer Waren aus einem Drittland mit einem Wert von bis zu 150 Euro bestellt muss mit einer Einfuhrumsatzsteuer in Höhe des regulären Steuersatzes von 19 Prozent rechnen. Bei Büchern und Lebensmitteln gilt ein ermäßigter Steuersatz von 7 Prozent. Unabhängig davon wird unter Umständen auch noch eine Verbrauchsteuer fällig. Heyer erinnert außerdem daran, dass seit dem 1. Juli die bisherige Freigrenze von 22 Euro weggefallen ist. Heißt: Für sämtliche Waren aus einem Drittland sind Einfuhrabgaben zu entrichten – nur wenn die Abgaben unterhalb von einem Euro liegen, werden diese nicht erhoben. Noch teurer wird, wenn die bestellte Ware einen Wert von über 150 Euro hat. Dann kommt zur Einfuhrumsatz- und Verbrauchsteuer noch der warenabhängige Zoll dazu. 

Diese Regelungen gelten für den gewerblichen Handel. Private Geschenkzusendungen mit Waren, die unterhalb eines Wertes von 45 Euro liegen, sind zoll- und einfuhrumsatzsteuerfrei. Wer sich im Internet Waren bestellt, sollte im Vorfeld also genau prüfen, ob der Verkäufer außerhalb der EU sitzt. Beachtet werden sollte auch: Großbritannien ist nach dem "Brexit"  nicht mehr Mitglied der Zollunion.

Paketzusteller verlangen zusätzlich Servicepauschale

Ist das Paket erst einmal beim Zoll zur Bearbeitung gelandet, kann sich die Zustellung verzögern. "In der Regel erledigt der Beförderer die Zollformalitäten bereits bei Ankunft der Sendung in den Paketzentren", erklärt Heyer. Die Post und andere Paketzusteller gehen dabei in Vorleistung. Heißt: Sie entrichten Zoll und Steuern und geben diese Kosten an den Empfänger weiter. Doch dabei bleibt es nicht. Heyer weiß, dass die Unternehmen "grundsätzlich eine gesonderte Servicepauschale für die Anmeldung beim Zoll und Vorauszahlung" vom Kunden verlangen. Heyer betont, dass diese Pauschale nichts mit dem Zoll zu tun hat. Wer genau wissen will, wie hoch die Servicegebühren bei den Zustellern sind, sollte sich im Vorfeld informieren. "Informationen hierzu sollten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthalten sein", so Heyer.

Die Zustellung des bestellten Paketes verzögert sich noch einmal spürbar, wenn beim Paket die notwendigen Angaben für die Zollabwicklung fehlen oder unvollständig sind. Dann wird das Paket an das für den Empfänger zuständige Hauptzollamt umgeleitet. Der Empfänger selbst wird mit einem Schreiben über diesen Vorgang informiert. Dann muss sich der Empfänger "persönlich um die Zollabwicklung kümmern", erklärt der Sprecher des Hauptzollamtes in Osnabrück.

Produktpiraterie: Gefälschte Markenwaren werden vom Zoll beschlagnahmt und vernichtet.   Foto: dpaProduktpiraterie: Gefälschte Markenwaren werden vom Zoll beschlagnahmt und vernichtet.   Foto: dpa

Schlimmstenfalls kommt das Paket überhaupt nicht an. Denn der Zoll ist auch für die Einhaltung von Einfuhrverboten zuständig. Die gelten zum Beispiel für gefälschte Markenprodukte oder für Waren, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen – zum Beispiel was die Sicherheit von Elektronik-Artikeln oder Kleidung betrifft.

„Vermeintlich günstige Markenprodukte können sich schnell als Fehlinvestition entpuppen, wenn diese gefälscht sind“, so Christian Heyer. Was passiert, wenn die Sneaker mit den drei Streifen nicht von Adidas stammen oder der Apfel nicht auf einem iPhone, sondern auf einer Billigkopie steht? "Die Waren werden sichergestellt und vernichtet", betont Heyer. Und er weiß aus Erfahrung: "Die Kaufsumme wird vom Lieferanten nicht erstattet." Der Käufer bleibt dann aber nicht nur auf den Kosten sitzen. Er muss auch mit zivilrechtlichen Verfahren rechnen, die der Markeninhaber wegen Produktpiraterie dann einleiten kann.

Übrigens: Selbst wer innerhalb der EU bestellt, muss bei bestimmten Waren trotzdem Steuern zahlen. Bei Tabak und Alkohol gelten gesonderte Regelungen – in Einzelfällen gelten sogar Einfuhrverbote in Deutschland. Heyer empfiehlt: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich vorab auf der Internetseite des Zolls informieren.

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