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Bis zu 7000 Euro pro Tier: Kreis Vechta versteigert 103 Pferde

Das Veterinäramt hatte die Vierbeiner ihrem Ex-Halter wegen Tierschutzverstößen weggenommen. Trotzdem stehen ihm die Einnahmen nach Abzug aller Kosten zu.

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"White Annija" auf dem Weg zur Versteigerung: Die Hannoveraner Stute ist 14 Jahre alt und hat jetzt einen neuen Besitzer. Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp

"White Annija" auf dem Weg zur Versteigerung: Die Hannoveraner Stute ist 14 Jahre alt und hat jetzt einen neuen Besitzer. Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp

Welch ein Aufmarsch: Auf dem Parkplatz des Tierparks Ströhen bei Wagenfeld, wo gemeinhin jede Menge Kombis und Familien-Vans stehen, machten sich am Freitag (20. November) mehr als 100 Pferdetransporter und Pkw mit Pferdeanhängern breit. Ihre Fahrer waren dann auch nicht an den Pumas und Hirschen interessiert, die zum Ensemble des Parks gehören. Die ungeteilte Aufmerksamkeit gehörte vielmehr einer Hundertschaft an Pferden, zum Großteil aus edler Abstammung, die dort zur Versteigerung anstanden.

Auftraggeber der Auktion war das Veterinäramt des Landkreises Vechta. Die Tiere, zumeist Nachfahren bekannter Dressurpferde, stammten ursprünglich aus einer Pferdehaltung im hiesigen Kreisgebiet, wurden jedoch seitens der Behörde wegen wiederholter Verstöße gegen den Tierschutz sichergestellt.

Auktionsbüro muss Teilnehmerzahl begrenzen

Die genetische Herkunft der Tiere sorgte dafür, dass 300 Züchter und andere Pferdeliebhaber sich als Bieter registrieren ließen. Nach Angaben des beauftragten Auktionsbüros Mennraths aus Mönchengladbach gab es sogar dreimal so viele Anfragen von Interessenten. Wegen der Corona-Pandemie musste die Teilnehmerzahl jedoch stark begrenzt werden.

Einer der Bieter war Pferdezüchter Thore Baldrich aus Neustadt (Region Hannover). Er sei angereist, weil gleich mehrere Pferde mit guter Abstammung versteigert würden, vor allem Stuten. Er hoffe, dass das Preisniveau nicht zu hoch liege, sagte er zu Beginn. Baldrich: "Ich bin nicht bereit, mehr als 2500 Euro pro Tier zu bezahlen." 

Mehr als 100 Pferdetransporter und Pkw mit Pferdeanhänger warteten auf dem Parkplatz auf ihre tierische Ladung. Foto: BergMehr als 100 Pferdetransporter und Pkw mit Pferdeanhänger warteten auf dem Parkplatz auf ihre tierische Ladung. Foto: Berg

Die Auswirkungen des vom Landkreis Diepholz genehmigten Sicherheitskonzepts waren derweil schon am Eingang zum Tierpark sichtbar: Mehrere Mitarbeiter einer Securityfirma kontrollierten die Zugangsberechtigungen und achteten auf die Einhaltung der gängigen Hygieneregeln.

"Durch die Corona-Pandemie sind wir an strikte Auflagen gebunden, die wir hier auch hart durchsetzen."Tierparkleiter Dr. Nils Ismer

"Durch die Corona-Pandemie sind wir an strikte Auflagen gebunden, die wir hier auch hart durchsetzen. Ich hoffe dennoch auf einen reibungslosen Verlauf. Das müsste funktionieren, das Gelände ist sehr weiträumig“, sagte Tierparkleiter Dr. Nils Ismer zum Veranstaltungsauftakt gegenüber unserer Redaktion.

Es hat offenbar funktioniert. Sowohl die für derartige Veranstaltungen relativ geringe Teilnehmerzahl als auch die Sicherheitsmaßnahmen taten dem Erfolg keinen Abbruch. Heißt: Alle für die Auktion vorgesehenen Tiere konnten nach Angaben der Kreisverwaltung in Vechta versteigert werden. Dabei handelte es sich um insgesamt 103 Tiere und nicht - wie zuvor von der Behörde gemeldet - 106.

Pro Tier wurden nach Angaben des Landkreises Preise in Höhe von 700 bis etwa 7000 Euro erzielt. Zum Gesamterlös wollte Behördensprecher Jochen Steinkamp keine Angaben machen. Wie auch immer: Der Erlös stehe jedenfalls "dem ehemaligen Besitzer zu, allerdings abzüglich der Kosten, die der Kreisverwaltung durch die Wegnahme, Auktion und Verwaltungsaufwand entstanden sind", erklärte Steinkamp.

Eventuell folgt bald zweite Versteigerung

Einen höheren Aufwand hatte etwa der Tierpark. "Unsere Kosten für diese Veranstaltung stellen wir natürlich in Rechnung. Das ist aber nicht viel - und nichts im Vergleich zu unseren Ausfällen durch die Corona-Einschränkungen", erklärte Tierparkleiter Ismer.

Bei den ehemaligen Besitzern handelt es sich nach Informationen unserer Redaktion um eine Züchterfamilie aus Lohne, die auf Anfrage im Vorfeld alle Vorwürfe abgestritten hatte, die Tiere vernachlässigt zu haben. Vielmehr habe man sich stets um die Pferde "gekümmert", hieß es. Die Kreisverwaltung in Vechta hat gegen den Tierhalter mittlerweile allerdings auch ein Pferdehaltungs- und Betreuungsverbot ausgesprochen. Und: Der Aufforderung, die Tiere selbst zu veräußern, sei der Halter zuvor nicht nachgekommen.

Führte routiniert durch die Versteigerung: Auktionator und Sachverständiger Volker Raulf. Foto: Landkreis VechtaSteinkampFührte routiniert durch die Versteigerung: Auktionator und Sachverständiger Volker Raulf. Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp

Den Tieren jedenfalls scheint eine gute Zeit bevorzustehen. Ziel der Aktion sei es gewesen, dass die Pferde künftig artgerecht untergebracht würden, hieß es aus dem Kreishaus. Diese Ziele wurden auch in den Auktionsbestimmungen festgeschrieben. Die Käufer verpflichteten sich demnach, die erworbenen Pferde nicht nur artgerecht zu halten, sondern auch "pferdegerecht nach ethischen Grundsätzen zu behandeln".

Unklar bleibt derweil, ob in Kürze noch eine weitere Auktion mit ehemaligen Pferden dieses Halters ansteht. Offenbar ist der weggenommene Pferdebestand noch größer, wie das Auktionsbüro jüngst vermeldete. Aber: Zeitpunkt und Ort einer möglichen zweiten Versteigerung seien "nach heutigem Stand noch nicht abzusehen", sagte Landkreissprecher Steinkamp dazu.

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