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Biotop an der Schweriner Straße soll weichen

Im Vechtaer Stadtrat gibt es Kritik am Flächenverkauf zur Entwicklung eines Wohngebietes. Der Vertrag mit dem Investor soll klare Vorgaben enthalten.

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Ein Areal an der Schweriner Straße nahe der Bahnlinie: Hier kann die Firma Genos nach dem Beschluss des Vechtaer Stadtrates nun mehrere Mehrfamilien- und Reihenhäuser errichten. Für das Bauvorhaben muss jedoch ein Biotop verlegt werden. Foto: Kessen

Ein Areal an der Schweriner Straße nahe der Bahnlinie: Hier kann die Firma Genos nach dem Beschluss des Vechtaer Stadtrates nun mehrere Mehrfamilien- und Reihenhäuser errichten. Für das Bauvorhaben muss jedoch ein Biotop verlegt werden. Foto: Kessen

Die Änderung des Bebauungsplans ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber die Zielrichtung ist klar: Der Vechtaer Stadtrat hat die Veräußerung eines städtischen Grundstücks an der Schweriner Straße beschlossen, damit ein heimischer Investor ein Wohnprojekt starten kann. Ganz reibungslos verläuft die Sache nicht. Ein Biotop muss überplant werden.

Die Bauleitplanung zieht sich mittlerweile schon über mehr als 2 Jahre hin. Die Kommune hatte zunächst einen Bebauungsplan für das etwa 13.000 Quadratmeter große Areal an der Bahnlinie aufgestellt. Doch dann musste das Verfahren noch einmal aufgerollt werden, weil sich die Absichten des Investors änderten. Er will nun auf die Errichtung von Einzel- und Doppelhäusern fast komplett verzichten und stattdessen auf Mehrfamilienhäuser setzen.

Das überarbeitete Konzept der Firma Genos sieht auf dem keilförmigen Grundstück fünf Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Wohnungen vor. Hinzu kommen sieben Reihenhäuser und ein Einfamilienhaus. Somit entstehen insgesamt 38 Wohneinheiten, fast ein Drittel mehr als ursprünglich angedacht. „Wir müssen mehr Wohnraum schaffen, um die Kosten besser umlegen zu können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Grieshop.

Kaufpreisdeckelung soll Spekulationen vorbeugen

Im Zuge des Flächenverkaufs hat der Stadtrat jetzt eine Kaufpreisdeckelung für den Investor festgelegt. Sie soll in einem städtebaulichen Vertrag verankert werden, um etwaigen Spekulationsgeschäften vorzubeugen. Die Kaufpreisdeckelung beläuft sich auf maximal 150 Euro pro Quadratmeter für die Reihenhäuser und das Einfamilienhaus. Für die Mehrfamilienhäuser ist hingegen keine Deckelung vorgesehen.

Zukünftige öffentliche Flächen, die für die Erschließung des Gebietes erforderlich sind und sich bereits jetzt auf dem städtischen Grundstück befinden, sind mit einem Betrag von 35 Euro pro Quadratmeter zu entschädigen. Alle sonstigen öffentlichen Flächen sind kostenlos an die Stadt Vechta zu übertragen. Zudem hat der Investor sämtliche Kosten der Bauleitplanung und Erschließung zu tragen.

Die beiden großen Ratsfraktionen stehen grundsätzlich hinter dem Bauvorhaben, wie im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung deutlich wurde. „Wohnraum im Nahbereich der Innenstadt ist immer erforderlich“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Frilling. Auch die SPD-Fraktion argumentierte mit der Schaffung von neuem Wohnraum und stimmte der Beschlussvorlage zu.

„Eine Steigerung der Einwohnerzahl darf nicht auf Kosten des Klein- und Wohnklimas oder des Artenschutzes gehen.“Ratsfrau Ilka Middelbeck (Grüne)

Dass für die Wohnbebauung ein Biotop weichen muss, ist für die Grünen ein Ablehnungsgrund. „Eine Steigerung der Einwohnerzahl darf nicht auf Kosten des Klein- und Wohnklimas oder des Artenschutzes gehen“, sagte Fraktionsmitglied Ilka Middelbeck. Sie mahnte, Biotope als grüne Lungen in der Stadt zu erhalten und kritisierte, dass nun das „letzte, gesetzlich geschützte Biotop im Stadtgebiet zerstört wird“.

„So hochwertig, wie das Biotop angepriesen wird, ist es nicht“, entgegnete CDU-Chef Frilling. Für ihn gehe die angekündigte Ausgleichsmaßnahme in Ordnung, zumal der Investor die Kosten für die Verlegung übernehme. Wo ein neues Biotop entstehen soll, wurde im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung beraten. Nach Informationen von OM-Online soll sich der Standort in einem wenig besiedelten Teil von Holzhausen befinden.

Aus der Wählerinitiative „Wir für Vechta“ gibt es neben der Entfernung des Biotops noch weitere Kritikpunkte an der Planung. Fraktionschef Frank Hölzen meinte, dass die Kommune vom Investor getäuscht worden sei. Volker Lampe ergänzte mit Blick auf eine städtische Teilfläche, die zur Entwicklung des Gebietes veräußert werden soll, dass die Entschädigung von 35 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Bodenrichtwert liege. Er monierte zudem, dass die Kaufpreisdeckelung nicht für Mehrfamilienhäuser gelte.

Die Firma Genos will den Großteil der erforderlichen Fläche aus privater Hand erwerben. Sobald der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgt, kann die Gesellschaft für Grundwerte- und Projektentwicklung aus Vechta zur Tat schreiten. Geschäftsführer Grieshop hofft, dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Nach der Fertigstellung sei eine Veräußerung der Häuser und Wohnungen vorgesehen.

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