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Bildungswerk startet Deutsch-Kurs für Ukraine-Flüchtlinge

Die Gruppe sei sehr motiviert, sagt Leiterin Alexandra Richter. Der Bedarf ist bereits groß und dürfte weiter wachsen. Bisher ist das Angebot auf private Spenden angewiesen.

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Für Geflüchtete: Das Team der Masterrunde verteilte die Spenden an das Bildungswerk und den Förderverein der Gutenbergschule. Auch die Löninger Tafel wurde bedacht.  Foto: G. Meyer

Für Geflüchtete: Das Team der Masterrunde verteilte die Spenden an das Bildungswerk und den Förderverein der Gutenbergschule. Auch die Löninger Tafel wurde bedacht.  Foto: G. Meyer

Am katholischen Bildunsgwerk Löningen ist der erste Deutschkurs für Vertriebene aus der Ukraine gestartet worden. Lehrerin Silke Kathmann unterrichtet jetzt täglich acht Frauen und Männer. Bis Ende April wird Kathmann ihnen die Grundzüge der deutschen Sprache beibringen.

Am Donnerstag war die Gruppe allerdings stark dezimiert. Die Hälfte der Teilnehmerinnen hatte mit Impfreaktionen zu kämpfen. Der Corona-Impfstatus ist bei vielen Geflüchteten ungeklärt, die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, dagegen hoch, bestätigt Geschäftsstellenleiterin Alexandra Richter. Das gelte auch für die Motivation der überwiegend jungen Erwachsenen. "Sie sind sehr lernwillig und diszipliniert", lobt Richter. Zwar möchten alle so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat. "Sie sagen aber, dass sie jetzt das Beste aus der Situation machen und, so lange sie hier sind, etwas Neues lernen wollen." 

Die Verständigung klappt recht problemlos. "Die meisten sprechen sehr gutes Englisch", hat Richter festgestellt. In der Ukraine arbeiteten sie als Lehrerinnen oder in anderen leitenden Funktionen, etwa in der Großstadt Odessa. Andere wurden mitten aus ihrem Studium gerissen. "Sie sind den Deutschen dankbar für die gute Aufnahme, sagen aber alle, dass sie ihr Geld lieber selbst verdienen wollen."

Bildungswerk finanziert Kurs durch Spenden

Den Kurs hat Richter in Eigenregie auf die Beine gestellt. Mit Silke Kathmann kann sie dabei auf eine erfahrene Lehrerin zurückgreifen. Die Nachfrage ist da. Es gibt auch schon eine Warteliste. In Löningen sind inzwischen mehr als 100 Ukraine-Flüchtlinge offiziell gemeldet. Nach Ostern soll deshalb ein weiterer Kurs beginnen. Öffentliche Mittel erhält das Bildungswerk nicht. Entsprechende Signale seien bislang ausgeblieben, sagt Richter. "Wir können hier in Löningen aber nicht darauf warten, dass etwas passiert, sondern müssen selbst aktiv werden."

Immerhin: Die Politik scheint sich zu bewegen. Um Geflüchtete aus der Ukraine möglichst schnell auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen zu lassen, kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil am Donnerstag eine Ausweitung von Sprachkursen und eine schnelle Anerkennung von ukrainischen Berufsabschlüssen an. Bei den Sprachkursen müsse Heil zufolge vor allem dafür gesorgt werden, dass sie auch im ländlichen Raum ausreichend verfügbar seien. 

Bis es soweit ist, werden die Löninger weiter auf Eigeninitiativen angewiesen sein. Für Geldspenden zugunsten der Sprachangebote ist das Bildungswerk deshalb mehr als offen. Auch Spendenquittungen werden ausgestellt. Unterstützung erhielt die Einrichtung jetzt von der Löninger Masterrunde. Sie hatte kürzlich in Böen ein Benefiz-Doppelkopfturnier veranstaltet und dabei 1231 Euro eingenommen. Ein Teil davon fließt an den Förderverein der Gutenbergschule. Er schafft Unterrichtsmaterial und Lernsoftware für zwölf ukrainische Kinder an, die die Schule seit kurzem besuchen. Bedacht wird außerdem die Aktionsgruppe um Verena Tönnies und das Ehepaar Matczuk, das per Lkw Hilfsgüter in die Ukraine schickt. Hinzu kommt die Löninger Tafel. Auch sie ist stark in der Flüchtlingshilfe eingebunden. Mehrere Familien aus der Ukraine, insgesamt etwa 60 Menschen, zählt die Tafel inzwischen zu ihren Kunden. Die Versorgung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Benötigt werden vor allem haltbare Lebensmittel, die – in Kisten verstaut – jeweils dienstags abgegeben werden können.

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