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Bilanz des Protestcamps: Die Aktivisten sind zufrieden, die Polizei ist es eher nicht

Die Aktivisten bauen am Samstag ihre Zelte ab. Während sie ein positives Fazit ziehen, klingt es bei der Polizei anders: Es überwiegt das Bedauern über das Verhalten einiger Teilnehmer. (Update)

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Das Protestcamp am Hartensbergsee aus der Luft. Am Samstag wird wieder abgebaut. Foto: M. Niehues

Das Protestcamp am Hartensbergsee aus der Luft. Am Samstag wird wieder abgebaut. Foto: M. Niehues

Bei den Teilnehmern des Protestcamps "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" herrscht auch am Samstag noch Stolz über die spontane Aktion vor den Toren des PHW-Konzerns am Donnerstag in Rechterfeld. „Wir haben es geschafft, mit PHW einen der weltweit wichtigsten Konzerne der Tierindustrie für 10 Stunden lahmzulegen", sagt Franziska Klein vom Aktionsbündnis am Samstag. Die mehrtägige Aktion am Goldenstedter Hartenbergsee endet jetzt - die Zelte werden abgebaut. 

Unklar bleibt auch Samstag, ob es nicht noch zu einer zweiten größeren Aktion in Lohne gekommen wäre. Wie bereits berichtet, stoppte und kontrollierte die Polizei am Freitag mehrere Aktivisten direkt neben der Wiesenhof-Geflügelschlachterei. Ob tatsächlich eine weitere Aktion geplant war oder nicht - dazu äußern sich die Organisatoren nicht. Sie kritisieren auf Twitter lediglich die "Repressionsorgane" und die Kontrolle durch die Polizei.

"Konstruktive" Gespräche mit Besuchern des Camps

In der lokalen Bevölkerung sei das Camp auf großes Interesse gestoßen, habe aber auch Kritik ausgelöst, meint Dr. Friederike Schmitz vom Bündnis: „In der letzten Woche kamen viele Menschen zu unserem Camp, um sich zu informieren und mit uns zu diskutieren. Wir haben tägliche Campführungen angeboten, konnten Fragen beantworten und Standpunkte austauschen." Die allermeisten Gespräche seien "konstruktiv und angeregt" gewesen. "Wir merken, dass die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Landwirtschaft, insbesondere der Tierindustrie, auch bei vielen Menschen in der Region besteht", sagt Schmitz.

Polizei: Ein Beamter wurde gebissen

Weniger zufrieden äußert sich die Polizei. "Ich bedaure, dass einzelne Teilnehmer am Donnerstag Polizeibeamtinnen und -beamte beleidigten, sich widersetzten und diese verletzt haben, obwohl gerade diese besonders versammlungsfreundlich agiert haben", sagt Walter Sieveke, der Leiter des Polizeieinsatzes. Ein Polizist sei von einem Aktivisten gebissen worden. Insgesamt sind drei Beamte bei dem Einsatz verletzt worden.

Es seien 119 Identitätsfeststellungen durchgeführt und gegen 114 Menschen Platzverweise ausgesprochen wurden. "Durch ihr unkooperatives Verhalten haben sie gegen die auferlegten Beschränkungen verstoßen, was 112 Ordnungswidrigkeitenverfahren zur Folge hat", berichtet die Polizei.

Auch unschön: Obwohl zu dem Aktionsbündnis auch Klima- und Umweltschützer gehören, hätten die Beamten einige Teilnehmern ermahnen müssen, "ihre mitgebrachten Einmalanzüge sowie Plastikflaschen nicht in der Natur zu entsorgen." Das berichtet die Polizei in einer Pressemitteilung.

Wie Polizeisprecherin Simone Buse am Samstagnachmittag erklärt, ist die Veranstaltung offiziell um 14 Uhr für beendet erklärt worden. Ein Bus mit Unterstützern des Camps sei bereits gegen 13 Uhr in Richtung Berlin losgefahren - bis zum Vormittag seien noch rund 120 Teilnehmer im Camp gewesen.

Mehrere Meldungen beschäftigten die Polizei am Freitagabend

Kleinere Einsätze habe es noch am Freitagabend gegeben: Der private Sicherheitsdienst bei der PHW-Zentrale in Rechterfeld habe angeblich mehrere vermummte Personen gesichtet. Ein Suche durch die Polizei habe aber zu keinem Ergebnis geführt. Am Freitagabend mussten die Bahngleise nahe der Konzernzentrale für mehrere Minuten gesperrt werden, nachdem dort Personen gesichtet wurden. Dabei handelte es sich laut Aussagen der Polizei allerdings nicht um Aktivisten, sondern um Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes. Die Polizei kontrollierte die beiden Mitarbeiter und leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren an.

Ebenfalls durch den privaten Sicherheitsdienst habe die Polizei die Information erhalten, dass es im Camp zwischen den Teilnehmern zu einer Debatte gekommen sei. Offenbar hätten sich zwei Lager gebildet: Die einen waren mit den bisherigen Aktionen zufrieden. Die andere Hälfte forderte angeblich weitere Aktionen. "Näheres wurde zu den angeblichen Streitigkeiten nicht bekannt. In den Nachtstunden wurden durch den privaten Sicherheitsdienst wiederholt verdächtige Personen/Fahrzeuge im Bereich der PHW-Zentrale in Rechterfeld sowie bei Wiesenhof in Lohne mitgeteilt", berichtet die Polizeisprecherin. Gleichwohl: Die Polizei konnte dies am Samstag nicht bestätigen.

Auch wenn der mehrtägige Polizeieinsatz - und insbesondere die Sitzblockade vor der Zentrale in Rechterfeld - eine "große Herausforderung" gewesen sei, sei das Konzept am Ende doch aufgegangen, meint Sieveke: "Ziel war es, die Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung aller Teilnehmer in den versammlungsrechtlichen Schranken zu schützen. Dies ist uns gelungen." Das Durchbrechen der zuvor nicht gewaltbereiten Demonstranten sei am Donnerstag "aus Gründen der Verhältnismäßigkeit bewusst nicht unterbunden, um dieser Situation deeskalierend zu begegnen".

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