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#BigStink – Wer konnte das schon riechen?

Kolumne: Irgendwas mit # – Im Sommer 1858 hatten die Londoner die Nase voll vom Großen Gestank. Joseph Balzagette löste die anrüchige Geschichte. Und wer hat jetzt in Cloppenburg das feine Näschen?

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Der Sommer 1858 dürfte für die Bewohner Londons als einer der schlimmsten in die Geschichte des ach so stolzen British Empire eingegangen sein. Dabei war das Problem nicht mal rein politischer Natur – sondern sanitärer.

Vielleicht können Sie den Braten schon riechen. Ansonsten rümpfen Sie besser schon mal die Nase. Könnte nämlich sein, dass sie gleich eine saure Miene ziehen. Wie die Hauptstädter im Sommer 1858. Die angewiderten Gesichter verursachte die Themse. Besser gesagt: der widerwärtige Gestank, der sich auf dem langsam fließenden Fluss großzügig Raum verschaffte. Seinerzeit war das Gewässer gleichzeitig Garant für die Wasserversorgung und Hort sämtlicher kleiner und großer Geschäfte.

Der Sommer war heiß. Man muss keinen guten Riecher haben, um zu wissen: Die Sache stank zum Himmel. Bis Joseph Bazalgette eingriff. Er entwickelte das Londoner Abwassersystem. Das Resultat: sauberes Trinkwasser und die Sterberate sank rapide. Bazalgette schrieb Geschichte – zur Freude aller Londoner. Sein System ist bis heute in Betrieb. Pioniersarbeit.

Diese Sache stinkt allerdings bis zum Himmel

Und nun vom Positiv- zum Negativbeispiel: Eine ganz andere Geschichte hat nämlich im Jahr 2021 die Stadt Cloppenburg geschrieben. Eine, die einigen Anwohnern und Spaziergängern der Kreisstadt gewaltig stinken dürfte: die Vereinbarung zur Regelung der Wasserabnahme vom Schlachtbetrieb Vion und Emsland Food. Wer zurzeit entlang des Niedrigen Wegs, der Osterstraße oder Krankenhausstraße flaniert (und nicht nur dort), wird schnell feststellen: Ohne Nasenklammer geht hier nichts. Dafür braucht es kein feines Näschen. Die Sache stinkt nämlich bis zum Himmel. Allerdings ist diese Chose nicht rein sanitärer, sondern gerade politischer Natur. Touché!

Eine Lösung für das Problem wäre eine Ringleitung. Der Gestank bleibt aber vorerst. Denn: Ob’s in Zukunft wirklich erträglicher für Knolle-, Kolben- und Rüsselträger wird, kann bis jetzt noch keiner riechen.

"Nicht nur beim Abwasser kommt dem Cloppenburger der Spruch 'Ich möchte tausend Nasen haben' in den Sinn. Sondern auch, wenn’s Richtung Stapelfeld geht."Max Meyer

Wer jetzt noch nicht die Nase voll hat, sollte besser noch einmal tief Luft holen (ob durch die Nase oder den Mund, können Sie selbst entscheiden): Nicht nur beim Abwasser kommt dem Cloppenburger der Spruch "Ich möchte tausend Nasen haben" in den Sinn. Sondern auch, wenn’s Richtung Stapelfeld geht.

Vorab: Dieser Text soll in keiner Weise die wunderbare Arbeit schmälern, die die Mitarbeiter der Deponie leisten. Im Gegenteil: Diese Zeilen wagen einen Schulterschluss mit den guten Männern, die sich um unsere aussortierten Computer, Schränke, Farben und so weiter kümmern.

Und gerade im Herbst um unseren Biomüll, der, je nachdem wie der Wind steht, bei manchem Anwohner, aber auch Innenstädter, für ein Rümpfen der Nase sorgt. Verständlich, dass Cloppenburger die Schnauze irgendwann voll haben.

Die Sache ist anrüchig – also verdufte ich lieber

Aber vielleicht läuft's hier ja in Zukunft besser. Oder etwa nicht? Wie OM Online bereits berichtete, bietet das neue Abfallwirtschaftskonzept keine konkreten Hinweise auf die schnelle Lösung der massiven Geruchsprobleme in Stapelfeld.

Es sieht also so aus, als würde der Gestank bleiben, weil sich weder der Eigentümer der Entsorgungsanlage, also der Landkreis, noch der Betreiber der Kompostierungsanlage bewegen. Überraschung!

Aber wer bin ich schon, meine Nase in die Angelegenheiten anderer Leute zu stecken? Ich find’s alles bloß anrüchig. Auch wenn die Sache 3 Meilen gegen den Wind stinkt: Bei diesen Worten belasse ich’s lieber und verdufte. Und dass ich Recht mit meinen Erkenntnissen habe, würde ich nie behaupten. Eigenlob stinkt schließlich. Und wer sich selbst nicht mehr riechen kann, stinkt auch den anderen.


Zur Person:

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