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Biber wollen auch in Löningen heimisch werden

Vermehrt finden sich auch an Löninger Gewässern immer wieder Fraßspuren von Bibern, die anscheinend versuchen, hier heimisch zu werden.

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Abgeknabbert: Hier hat ein Biber ganze Arbeit geleistet. Foto: Thomann

Abgeknabbert: Hier hat ein Biber ganze Arbeit geleistet. Foto: Thomann

Vermehrt finden sich auch an Löninger Gewässern immer wieder Fraßspuren von Bibern, die anscheinend versuchen, hier heimisch zu werden. Abgenagte Bäume mit den charakteristischen großen Spänen, besonders beliebt sind wohl Weiden, weisen auf dieses größte Nagetier Europas hin. Typisch ist auch, dass die Bäume fortgeschleppt wurden, um dann andernorts Blätter und Rinde zu verzehren.  

Durch den Menschen an den Rand der Existenz gebracht, trat der Biber vor einigen Jahrzehnten den Rückzug an. Ursprünglich war er in Europa und weiten Teilen Asiens beheimatet. Aufgrund seines wertvollen dichten Fells wurde er über die Jahrhunderte hinweg durch Bejagung in weiten Teilen Europas ausgerottet. Mit 23000 Haaren pro Quadratzentimeter (Mensch: bis zu 600 Haare pro cm²) besitzt er eines der dichtesten Felle im Tierreich. Große Nagezähne, mit denen er sogar dickere Uferbäume fällen kann, weisen unterschiedlich harte Schichten auf; durch Nachwachsen schärfen sich die Zähne also fortlaufend selbst.

Wie der Werlter Naturfotograf und Biberexperte Dr. Andreas Schüring erläutert, hat sich der Mensch diese Wirkungsweise im Bereich der Bionik bei der Herstellung selbst schärfender Messer der Natur abgeguckt. Er berichtet, dass der Biber wegen seines schmackhaften Fleisches fast ausgerottet wurde. Sogar die Mönche in den Klöstern hatten daran ihren Anteil: An den zahlreichen Fastentagen war der Genuss von Fleisch verboten, Fisch als Fleischersatz aber erlaubt. Da der Biber im Wasser lebt, wurde er einfach zu einem fischähnlichen Wassertier erklärt, schon war er eine erlaubte Fastenspeise.

Konsequenter Schutz und Auswilderungen im 20. Jahrhundert führten aber zu einer Erholung der Biberbestände in den letzten Jahrzehnten. Neben größeren Beständen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hat sich der Biber in Niedersachsen wieder erfolgreich etabliert. Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Fachbereichs Biologie der Universität Osnabrück zur „Ressourcennutzung eines semiaquatischen Säugetiers“ wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Schröpfer im Oktober 1990 die ersten acht Tiere im Bereich Lehrte kurz vor Meppen ausgesetzt. Schnell entwickelte sich ein erfreulicher Bestand mit festen Reviergrenzen.

Tiere breiten sich immer weiter aus

Zweijährige Jungtiere müssen allerdings das Revier der Eltern verlassen und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier und einem Fortpflanzungspartner. Dabei legen sie beträchtliche Strecken zurück. So breiteten sich die über 30 Kilogramm schweren Tiere an der Hase, der Ems und deren Zuflüssen aus. Mittlerweile gibt es viele Nachweise und sogar Ansiedlungen an der Ems im Bereich Meppen sowie zwischen Dörpen und Lingen, an der Hase und an Mittel-, Nord- und Südradde.

Der Bestand hat sich von den ursprünglich acht ausgesetzten Tieren auf über 200 Biber in über 50 Revieren erhöht. Auch in Löningen zeigen sich immer wieder an einigen Gewässern die typischen Fraßspuren; zu Gesicht bekommt man das überwiegend nachtaktive Tier aber selten. Größere Dammbauten, wie z.B. in der Gemeinde Lastrup, in deren Folge Flächen unter Wasser gesetzt werden, hat es aber noch nicht gegeben.

Wie ältere und auch frische Fraßspuren vermuten lassen, hat er häufiger versucht, sich an Löninger Gewässern für längere Zeit häuslich niederzulassen. „Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um Einzeltiere, die auf der Suche nach Revieren und Partnern sind“, so der Biberexperte.

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